Kein herkömmlicher Job: Hospizbegleiterin Doris Hennerberger mit Hündin Cecilia. foto: habschied

Das Sterben ist ein sehr intimer Moment

Dachau - Der Elisabeth-Hospizverein in Dachau leistet wichtige Arbeit: Speziell ausgebildetete Begleiterinnen stehen todkranken Menschen und deren Angehörigen bis zum Schluss zur Seite und spenden Trost, wenn alles hoffnungslos scheint.

Doris Henneberger (57) ist eine der frischgebackenen Absolventinnen. Die ehemalige Krankenschwester aus Dachau sprach mit uns über die Ausbildung, Hoffnung und Tod.

-Warum haben Sie die Ausbildung zur Hospizbegleiterin gemacht?

Ich wollte bewusst ehrenamtlich arbeiten, mich für etwas engagieren, das mir wichtig ist. Die Arbeit ist kein herkömmlicher Job. Anderen zu helfen, etwas Gutes zurückzugeben, dazu fühlen sich einige berufen, andere eben nicht. Für mich persönlich sind Begegnungen mit den Menschen das Schöne. Sich für sie Zeit nehmen, Ruhe in deren durch Krankheit und Angst aufgebrachtes Leben bringen - so möchte ich dieser schnellen, modernen Zeit entgegenwirken.

-Gibt es ein persönliches Erlebnis, das Sie dazu inspiriert hat?

Durch meine Vergangenheit als Krankenschwester habe ich einige, leider auch einsame Todesfälle mitangesehen. Auch privat habe ich Dinge erlebt, die auf mich einen nachhaltigen Eindruck hinterlassen haben. Als ich gemerkt habe, wie gut es tat, in so einer Situation nicht alleingelassen zu sein, wollte ich das für andere auch tun. Jetzt, wo ich aufgehört habe zu arbeiten, habe ich viel Zeit und kenne auch den sozialen Hintergrund. In diesem Feld wollte ich weiterhin bleiben.

-Wie ist es Ihnen während der Ausbildung ergangen?

Mir ist es sehr gut ergangen. Zuerst gab es einen Grundkurs, um sich zu orientieren und zu sehen, worum es genau geht. Darin wurde uns zum Beispiel das Grundwissen über den Menschen in der letzten Lebensphase vermittelt, was ungeheuer umfangreich und faszinierend war. Später haben wir an einem Besucherpraktikum im Pflegeheim teilgenommen, eine sehr tolle Erfahrung. Auf meine angehende Therapiehündin Cecilia reagieren die meisten Menschen gleich offen und warm, es war schön mitzuerleben, wie sehr sich die Menschen über den Besuch gefreut haben.

-Warum hat Ihnen die Ausbildung gefallen?

Weil ich in der Gruppe sehr intensive und verbindende Kontakte geknüpft habe. Wir Auszubildende haben ein starkes Zusammengehörigkeitsgefühl entwickelt und unterstützen uns gegenseitig. Außerdem blickt man hinter die Kulissen von psychologischer und spiritueller Betreuung, die wir auch brauchen, um die Arbeit zu bewältigen.

-War es so, wie Sie erwartet haben?

Es war viel mehr, als ich erwartet habe. Generell war die Ausbildung sehr praxisbezogen. Man denkt es zwar nicht, aber es ist recht leicht den Menschen eine Freude zu machen, indem man Ruhe und Gelassenheit mitbringt.

-Gab es Überraschungen?

Ja, auf jeden Fall. Man wird emotional einfach an seine Grenzen herangeführt und muss sich bei manchen Fällen stark mit Trauer und deren Bewältigung auseinandersetzen. Eine fachliche Überraschung war für mich die sogenannte validierende Kommunikation mit Demenzkranken (siehe dazu Kasten). Durch diese sensible Art der Kommunikation ist es leichter, zu ihnen durchzudringen und somit auf ihre Bedürfnisse eingehen zu können.

-Wie stehen Sie zum Thema Tod und Sterblichkeit?

Dazu habe ich privat wie als Begleiterin eine recht natürliche Einstellung: Der Tod ist vom Leben untrennbar, er ist etwas unabdingbares, das man so hinnehmen muss. In dieser Sicht, finde ich, liegt aber auch Trost. Die Erfahrung mit dem Tod ist gleichzeitig etwas, das verbindet und alle Menschen gleich macht. Daher sehe ich es auch als Geschenk an, wenn man in einer natürlichen Zeit sterben kann.

-Sind Sie traurig, wenn ein Patient stirbt bzw. wie gehen Sie damit um?

Es ist ganz normal, traurig zu sein, wenn jemand stirbt. Ich weine zum Beispiel auch ganz offen, wenn ich merke, dass es eben passiert. Da gibt es keine Regeln, was man darf oder tun sollte oder eben nicht, man muss auf seine Art damit zurechtkommen. Wenn die Belastung aber doch zu groß sein sollte - was durchaus vorkommen kann, da die Begleitung individuell auf das Schicksal abgestimmt wird - gibt es für uns Hospizbegleiter die Supervision. Diese stellt regelmäßig sicher, dass es uns psychisch gut geht und wir keine „arbeitsbedingten“ Probleme mit uns herumtragen.

-Verfolgt Sie das Thema „Tod/ein Patient“ auch nach Feierabend zu Hause?

Eigentlich nicht. Sollte es aber einmal passieren, dass einen etwas Belastendes nicht mehr loslässt, braucht jeder von uns sein eigenes Ritual. Wenn ich zum Beispiel nicht mehr kann, schnappe ich mir Cecilia und gehe mit ihr raus in die freie Natur, um ganz bewusst durchzuatmen und zu spüren, dass ich am Leben bin.

-Wie treten Sie todkranken Menschen gegenüber?

In der Regel immer gleich, mit Ruhe und Gelassenheit. Ob eine junge Mutter oder ein alter Herr begleitet werden müssen macht nur äußerlich einen Unterschied. Man steht einfach gemeinsam schwierige Momente mit dem Betroffenen durch.

-Wie helfen Sie konkret?

Da ich persönlich durch den Tod schon selbst tiefen Schmerz erfahren habe, ist das für mich ein Vorteil bei der zukünftigen Arbeit. Man weiß, wie es sich anfühlt und kann tun, was zu tun ist. Die Haltung ist dabei ganz wichtig: Man geht mutig, überzeugt und mit Gelassenheit zu den Menschen und ist einfach für sie da. Die Bedürfnisse des Patienten stehen im Vordergrund, man bietet ihm einen gewissen Raum, um diesen mit seinen Gefühlen und Bedürfnissen zu füllen. Eine gute Beobachtungsgabe hilft, um zu sehen, was nötig ist.

-Wen unterstützen Sie?

Wir unterstützen erwachsene Männer und Frauen mit allen Krankheiten, für Kinder gibt es andere spezielle Einrichtungen. Wir agieren überkonfessionell, das heißt, auch wenn es selten vorkommt, nehmen wir natürlich auch jüdische oder muslimische Anfragen entgegen. Jeder von uns begleitet dann jeweils einen Patienten mit Angehörigen bis zum Schluss. Meistens finden die Besuche dann einmal in der Woche statt, bei Bedarf aber auch öfter.

-Was halten sie von aktiver Sterbehilfe?

Ich finde es unwichtig, was wir Begleiter oder Pfleger davon halten, sondern was der Patient davon hält. Wenn es nach aller Aufklärung zu dem Thema sein ausdrücklicher Wunsch ist, sollte dem auch in Würde stattgegeben werden können, denn das Sterben ist ein sehr intimer Moment, der jedem alleine gehört und auch so entschieden werden sollte.

-Möchten Sie das Ihr Leben lang ehrenamtlich machen?

Das weiß ich noch nicht. Ich beginne jetzt erst einmal damit und sehe, wohin es mich führt. Mir ist es vor allem wichtig, dass die Arbeit gesehen wird, dass eine Hospizbegleitung nicht gleichbedeutend ist mit „jetzt sterbe ich sofort“. Eine frühzeitige Unterstützung kann hilfreich sein, weil sie die Lebensqualität in dieser Situation hebt. Man muss sich trauen, nach Hilfe zu fragen. Denn es ist nicht egal, wie man stirbt.

Interview: Susanne Just

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