"Stodara" Christian Ude im High-Tech-Stall

Oberroth/Dachau - Bayerns Bauern erhoffen sich mehr Beistand von der Politik. Das hat der BBV-Kreisvorsitzende Anton Kreitmair dem Münchner Oberbürgermeister Christian Ude (SPD) deutlich gemacht. Eine gute Adresse: Schließlich ist Ude „Bayerns größter Biobauer“.

Allerdings würde sich der Münchner Rathauschef und designierte Spitzenkandidat der SPD für die Landtagswahl 2013 niemals selbst so bezeichnen. Bei seinem Besuch auf dem Hof von Hans-Georg und Annelies Kellerer in Oberroth räumte ein gutgelaunter Ude gestern viel mehr ein, „keine speziellen Kenntnisse in Ackerbau und Viehhaltung“ zu haben. Dass er vom ehemaligen BBV-Präsidenten Gerd Sonnleitner aber einst als Großbauer betitelt worden war, hat seinen Grund. Als oberster Repräsentant Münchens steht Ude auch für die elf landwirtschaftlichen Güter, die Eigentum der Landeshauptstadt sind.

„Davon werden drei streng ökonomisch geführt“, betonte Ude gestern. Die anderen seien konventionelle Betriebe, in denen die Bewirtschaftung nach ökologischen Prinzipien aber eine große Rolle spiele.

Nach einem Rundgang durch Kellerers Betrieb zeigte sich der Münchner Oberbürgermeister schwer beeindruckt: „Das ist ein High-Tech-Unternehmen, wo der Stodara nur noch staunt!“

Kellerer und seine Frau Annelies haben in großem Maße investiert in ihren Hof. Am Oberrother Ortsrand stellten sie vor einem Jahr die Halle fertig, in der nun 67 Kühe und ebenso viele Jungtiere leben. Der Stall ist großzügig, erstaunlich hell und sehr gut belüftet. Die Tiere können sich frei bewegen. Kellerer bedient sich hochmoderner Geräte, etwa einem computergesteuerten Melkstand, der dank eines Chips genau weiß, welche Kuh gerade zum Melken erschienen ist.

Doch trotz aller Erleichterung, die die Technik bietet - Kellerers Job ist hart. „Mit zweieinhalb Leuten schmeißen wir den Laden, da muaß ma scho Gas geb’n!“ Der Oberrother Landwirt meint sich selbst, seinen Angestellten Wasti Albert und - als halbe Kraft gewissermaßen - seine Frau Annelies, die sich aber um Söhnchen Georg (bald zwei) und Nesthäkchen Josef (sechs Wochen) kümmert und deshalb ihre Mithilfe auf dem Hof zurückgefahren hat.

BBV-Kreischef Anton Kreitmair bezeichnete Kellerers Betrieb als „Musterbeispiel“ für moderne Nutztierhaltung. Doch nicht jeder Landwirt könnten in so einem Maße modernisieren und „von heut’ auf morgen solche Ställe hinstellen“. An Ude gewandt bat er um Unterstützung der Politik und damit um bessere Rahmenbedingungen für den Bauernstand. Kreitmairs Stellvertreter Simon Sedlmair nannte die Privilegierung von Bauvorhaben, die zunehmend kritisch gesehen werde: „Wir brauchen die Privilegierung, um die Landwirtschaft modern machen zu können.“ Auch Kellers Investition war ein solches privilegiertes Bauvorhaben. Im Schwabhauser Gemeinderat aber traf er mit seinem Aussiedlungswunsch auf keinen Widerstand.

BBV-Obmann Kreitmair nutzte die Gelegenheit, um Imagepflege zu betreiben. Moderne Tierhaltung werde zu oft automatisch negativ beurteilt. Wie man an Kellerers Betrieb sehen könne, „spielt die Anzahl der Tiere keine Rolle“. Kritikwürdige Massentierhaltung, wie sie vor allem in norddeutschen Großbetrieben üblich ist, gibt es im Landkreis Dachau ohnehin nicht. Das bestätigte gestern SPD-Agrarexpertin Maria Noichl: Die Umweltverträglichkeitsgrenzen würden bei keinem Betrieb im Dachauer Land auch nur annähernd erreicht.

Dass der sozialdemokratische „Großbauer“ Ude der Einladung des christsozialen BBV-Obmanns Kreitmair gefolgt war, hat eine Vorgeschichte. Ude hatte die Klage des Pfarrkirchner Bürgermeisters Georg Riedl über die „Vermaisung“ auf bayerischen Feldern übernommen und bei seiner Rede auf dem Landfrauentag in Fürstenfeldbruck wiederholt. Der BBV war nicht begeistert. Er gab Ude gestern Gelegenheit, seine mittlerweile „differenzierte Haltung“ der Nutzpflanze gegenüber zu zeigen. Ude versprach, „keine unbedachten Äußerungen über den Mais mehr zu machen“. (tol)

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