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Auf dieser Verkehrsinsel vor der Eulen-Apotheke in der Münchner Straße rang der 30-jährige Dachauer den Räuber nieder.

Überfall auf Karlsfelder Apotheke

30-Jähriger stellt Räuber trotz Messer

Zwei Männer haben am Dienstagnachmittag die Eulenapotheke in Karlsfeld überfallen. Einen der mutmaßlichen Täter hat die Polizei gefasst – dank zweier couragierter Apothekerinnen und einem mutigen Dachauer, der den Räuber überwältigte.

Am Tag danach ist Harman Duski, 30, noch einmal zur Eulenapotheke in der Münchner Straße in Karlsfeld zurückgekehrt. Sein Auto hat er an der gleichen Stelle wie am Dienstagnachmittag geparkt, nur wenige Meter vom Apothekeneingang entfernt. Alles ist ruhig, von außen deutet nichts auf den Raubüberfall hin, der am Vortag in der Apotheke passiert ist und bei dem Harman Duski gemeinsam mit zwei Apothekenangestellten mutig einen Räuber überwältigt hatten (wir berichteten). Bei den Dreien dagegen ist das Verbrechen immer noch präsent. Nicht nur wegen der blauen Flecken, die sie bei ihrem Einsatz davon getragen haben, sondern auch psychisch müssen sie alles erst noch verarbeiten. An den Tatort zurückzukommen ist ein komisches Gefühl.

Es ist gegen 14 Uhr am Dienstag, als Harman Duski vor dem Gesundheitszentrum in Karlsfeld im Auto auf seine Frau wartet, die einen Arzttermin hat. Plötzlich fallen ihm zwei Männer vor der Eulen-Apotheke auf. „Es war ziemlich komisch“, erinnert er sich. „Sie haben die ganze Zeit geredet und sich umgeschaut. Irgendwie hatte ich im Gefühl, dass etwas nicht stimmt.“ Sein Gefühl sollte den Lageristen nicht trügen. Gegen 14.30 Uhr gehen die beiden Männer in die Apotheke. Einer gibt vor, einen Riegel kaufen zu wollen. Doch: „Als eine Angestellte die Kasse öffnete, stießen sie die Frau zu Boden und entnahmen das Bargeld aus der Kassenschublade“, heißt es im Polizeibericht.

Die beiden Täter flüchten, zwei Apothekenangestellte verfolgen sie lautstark. Harman Duski beobachtet die Situation vom Auto aus. „Ich bin sofort ausgestiegen und bin ihnen nachgelaufen“, erzählt er. Früher hat er als Türsteher gearbeitet, für ihn war es selbstverständlich, einzugreifen – obwohl er erst einige Tage zuvor nach einer Operation aus dem Krankenhaus entlassen wurde. „Ich würde immer sofort helfen, egal was passiert“, sagt er.

In Panik laufen die Täter über die Münchner Straße – und stolpern an der Verkehrsinsel. Duski nutzt das aus: „Ich hab den einen Mann sofort gepackt.“ Gemeinsam mit den beiden Apothekerinnen hält er ihn am Boden fest, während der Komplize weiter flieht.

Doch gleich folgt der nächste Schreck: „Plötzlich zieht er ein Messer aus der Tasche“, berichtet Harman Duski. Ein spitzes Küchenmesser, ungefähr zwischen 30 und 40 Zentimeter lang. „Er hat versucht, auf mich einzustechen“, sagt Duski, „aber ich habe seinen Arm mit der linken Hand festgehalten.“ Mit dem anderen Arm hält er den Täter im Schwitzkasten. „Ich hab ihm gesagt, dass ich ihn auf keinen Fall loslassen werde und ihn noch weiter nach unten gedrückt“, sagt er. Eine der Apothekerinnen tritt so oft mit ihrem Fuß gegen die Hand des Täters, bis er das Messer endlich loslässt.

Den Räuber laufen lassen kommt für das Trio nicht in Frage. Andere Autofahrer und Passanten beobachten die Situation, doch niemand greift ein und hilft. Erst zwei Justizangestellte, die auf dem Weg in den Feierabend sind, halten an. Gemeinsam überwältigten sie den Mann endgültig.

Die Polizei kann ihn festnehmen: Es ist ein 36-jähriger Bulgarier. Die Beamten stellen außerdem das Messer und mehrere hundert Euro Bargeld sicher. „Es ist davon auszugehen, dass es sich dabei um die Beute handelt“, erklärt die Polizeipressestelle.

Harman Duski und die Apothekerinnen hoffen jetzt, dass auch der zweite Täter bald gefasst wird. Übrigens handelt es sich bei „Harman Duski“ um einen Spitznamen, seinen richtigen Namen möchte der Dachauer nicht in der Zeitung lesen – immerhin ist der andere Täter noch auf freiem Fuß. Der gefasste Täter befindet sich inzwischen in Untersuchungshaft.

Am Tag danach scheint in der Eulenapotheke auf den ersten Blick alles wie immer. Spuren von dem Überfall sind keine zu sehen, wie jeden Tag stehen Apothekerinnen hinter den Kassen und beraten die Kunden. Doch heute arbeiten viele mit einem unguten Gefühl, die Anspannung ist spürbar, der Überfall Tagesgespräch. Die meisten Angestellten, die den Überfall beobachtet haben, sind krankgeschrieben. Sie müssen den Vorfall erst verarbeiten.

Lena Huber, 30, die eigentlich anders heißt, aber ihren Namen auch nicht in der Zeitung lesen möchte, ist trotzdem in die Arbeit gekommen. Sie war eine der beiden Frauen, die nach dem Überfall sofort die Verfolgung der Täter aufgenommen hat. „Ich habe über gar nichts mehr nachgedacht“, erzählt sie. „Als meine Kollegin geschrien hat, hab ich mir nur noch gedacht, den muss ich mir krallen.“ Erst jetzt im Nachhinein ist ihr klar geworden, wie gefährlich das alles eigentlich war. „Das hätte auch ganz anders ausgehen können“, sagt sie. Umso dankbarer ist sie Harman Duski für seine Hilfe.

Als er gestern noch einmal in der Apotheke vorbei schaut, ist es ihr ein riesiges Anliegen, sich bei ihm zu bedanken. „Ohne unseren Helden wäre es nicht so glimpflich ausgegangen“, sagt sie. „Es ist gar nicht selbstverständlich, dass jemand so etwas macht."

Claudia Schuri

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