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Der Traum von Indien wird für Verena Fischer wahr.

Verena Fischer aus Taxa arbeitet ein Jahr in Puducherry

Sie reist nach Indien, um zu helfen

Nach dem Abi nach Bali, Australien, Hawaii fliegen – das ist der Wunsch vieler junger Absolventen. Verena Fischer aus Taxa fliegt nach Puducherry. Um zu helfen – und um zu lernen.

Es musste Indien sein. Kein anderes Land kam in Frage. Schon nach der Realschule wollte Verena Fischer losziehen und in dem fernen Land freiwillige Arbeit leisten – damals, als 17-Jährige, war sie aber noch zu jung für das Projekt. Also ging sie ein Jahr in die USA, zu einer Gastfamilie in Kalifornien, besuchte dort die High School. Wieder zurück in ihrer Heimat, in Taxa, ging sie auf die Fachoberschule in Fürstenfeldbruck, um ihr Abi zu machen. Das hat sie jetzt geschafft. Und nun heißt es endlich: ab nach Indien.

Nach dem Schulabschluss hinaus in die Welt, reisen, entspannen, feiern – das steht bei vielen Schulabgängern auf der Liste. Bei Verena Fischer jedoch steht ganz oben: etwas Gutes tun. Deshalb geht sie Anfang September nach Puducherry. Das ist weder ein bekanntes Tourismusziel, noch eine außergewöhnliche Weltstadt, sondern einfach nur eine ganz gewöhnliche Stadt in Indien. Mit etwa 240 000 Einwohnern, ganz weit unten im Süden, an der Ostküste des riesigen Staats. Dort wird die 21-Jährige ein Jahr leben. Und vor allem eines tun: helfen.

„Ich bin einfach so ein Mensch“, sagt sie. Woher dieser innere Drang kommt, weiß sie nicht so genau. Aber ihre Familie hat eine Landwirtschaft, und ihre Mutter ist sozial sehr engagiert. Sie ist im Bauernverband, und sie betreut das Projekt „Gartenkinder“. Später will Verena Fischer vielleicht einmal Psychologie studieren – aber erst einmal sehen, was das Jahr im Ausland bringt.

Durch das Angebot „Weltwärts“ des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung und der Internationalen Jugendgemeinschaftsdienste ist die Abiturientin auf ein Frauenprojekt vor Ort gestoßen. Es heißt „Women Empowerment“, also etwa „Stärkung“ oder „Ermächtigung“ der Frauen. Dort können Frauen etwa Kleinkredite bekommen. „Micro-Financing“ heißt das. Damit können sie ihr eigenes Unternehmen starten, nichts großes, einfach nur selbstständige Arbeit, etwa als Näherin. Damit sollen die Frauen unabhängiger werden, damit sie ihre Familien unterstützen können, Geld für die Bildung ihrer Kinder haben. „Ich will auch die Rechte der Frauen kennenlernen“, sagt Verena Fischer. Auch für ihre Zukunft. „Wir stehen ja in Deutschland ganz gut da, aber gleichberechtigt sind wir immer noch nicht.“

Was genau sie vor Ort machen wird, ist noch nicht ganz klar. Verena Fischer lässt es auf sich zu kommen. „Ich möchte alles mal ausprobieren und möglichst viel kennenlernen.“ Die Kultur, die Menschen, die Sprache: Tamil. Die ist eine echte Schwierigkeit. In ganz München hat Verena Fischer niemanden gefunden, der ihr die Sprache beibringen kann. Und die Schrift – wie gemalt. Zwar ist auch Englisch Amtssprache, doch auf den Dörfern sprechen die Menschen wohl nur ein paar Brocken. Verbreiteter ist dort Französisch – Puducherry war jahrhundertelang eine französische Kolonie. Doch Französisch hat Verena Fischer nicht gelernt, in der Schule hatte sie Spanisch. „Ich werd mich wohl irgendwie mit den Leuten unterhalten und die Sprache so lernen“, sagt sie und lacht.

Verena Fischer macht sich keine Sorgen – ihre Familie, ihre Eltern, ihre 18-jährige Schwester und ihr dreijähriger Bruder, schon. Sie haben Angst, dass etwas passieren könnte. Denn Indien ist gefährlich. Es gibt dort Terroranschläge. Kriminalität. Eine militante maoistische Bewegung. Brutale Vergewaltigungen. Es gibt dort Cholera, Malaria, Dengue-Fieber oder Tuberkulose. Schwere Ausschreitungen bei Demonstrationen – im Kaschmirtal. Verena Fischer weiß all das. Trotzdem hat sie keine Angst. Das Kaschmirtal ist bei Pakistan, über 2000 Kilometer von Puducherry entfernt, sie hat sich über alle Krankheiten informiert, sie ist geimpft, und sie weiß, dass man nachts nicht alleine unterwegs sein soll. „Wenn alle anderen nicht draußen sind, muss man ja selbst auch nicht unbedingt rausgehen“, wägt die 21-Jährige ab.

Die junge Frau weiß, dass das Leben dort ein anderes ist als hier. Indien ist ein riesiges Land, dort ist der Hinduismus die Hauptreligion – und das Kastensystem immer noch ein Thema. Verena Fischer hat in einem Vorbereitungsseminar eine junge Inderin kennengelernt, eine 26-Jährige, die derzeit in Deutschland ist, umgekehrt quasi. Sie berichtete, dass auf dem Geburtszertifikat eines jeden Menschen dessen Kaste vermerkt ist. Dass sie selber gerade Probleme hat deswegen – weil der Mann, den sie liebt, in einer niedrigeren Kaste ist als sie, was wiederum ihrem Vater gar nicht. Doch die Inderin wird vielleicht aus Liebe auf das Geld, das Erbe ihres Vaters, verzichten. Seinen Segen für die Heirat will sie aber trotzdem. „Sie ist sehr konservativ“, erzählt Verena Fischer. Die junge Inderin kennt ihren Verlobten seit acht Jahren, „aber die beiden haben sich noch nicht einmal geküsst oder Händchen gehalten“. Sich anfassen ist in der Öffentlichkeit tabu. Wie auch nackte Haut. Die Frauen dort gehen komplett im Sari bekleidet ins Meer. Puducherry hat aber auch einen Strand für Europäer: Dort können sie in Bikinis baden, hat die junge Inderin der Taxaerin erzählt – es gibt sogar ein ganzes Stadtviertel nur für die Europäer. „Aber ich will ja Euch Inder kennenlernen“, hat Verena Fischer darauf geantwortet.

Eine völlig andere Welt, eine völlig andere Kultur. Da werden auch Missgeschicke passieren – und es wird Missverständnisse geben, das hat die junge Frau schon in den USA erfahren. Zu Hause in Taxa hat sie ein eigenes Zimmer, und macht ganz selbstverständlich die Tür zu. In Kalifornien machte genau das der Gastmutter Sorgen: Sie klopfte dann zaghaft an der Tür – „Verena, alles okay bei Dir?“, fragte sie dann immer. Dagegen kannte die amerikanische Familie nicht das gemeinsame Kochen und Essen, wie Verena es von zu Hause kennt: „Stundenlang hab ich in der Küche gestanden und ein echtes bayerisches Essen mit Spätzle gekocht. Niemand hat mir geholfen. Und beim Essen machten sie dann noch Witze: Verena, Du machst uns dick!“ Eine Enttäuschung. Eine kulturelle Differenz eben. Wie es sie in Indien sicherlich noch schwerwiegendere geben wird.

Eines aber wird dort anders sein: Die Inder sind sehr gastfreundlich. Wenn sie jemanden dreimal getroffen hat, wird er zu ihr nach Hause eingeladen, hat die junge Inderin Verena Fischer erzählt. Dort wird dann hoffentlich gekocht – und gegessen. Gemeinsam. 

Nina Praun

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