Verhandlung wegen Bedrohung vor dem Amtsgericht Dachau

Ohne jeden Respekt

Dachau – Dass sich Geschwister keineswegs in ihrem Wesen und Verhalten gleichen müssen, zeigte eine Gerichtsverhandlung im Amtsgericht. Das Zwillingspaar Michael und Peter O. musste sich wegen Bedrohung vor Gericht verantworten: Der eine erschien recht reumütig, der andere dagegen völlig respektlos.

Laut Anklageschrift waren die Zwillingsbrüder, 25 Jahre alt,  am 14. September 2015 mit der S-Bahn auf dem Weg nach München – wiedermal ohne Fahrkarte, wie ein Kontrolleur schließlich feststellte. Als der dunkelhäutige Fahrkartenkontrolleur das Bußgeld forderte, fingen die beiden Schwarzfahrer an ihn zu beschimpfen. Dabei stichelte Michael O. seinen Bruder immer weiter an, bis dieser sagt: „Du Neger, geh doch wieder dahin zurück, wo du her gekommen bist!“. Als Michael O. dann sein Messer zog und damit vor der Nase des Kontrolleurs herumfuchtelte, rief dieser die Polizei. 

Am Hauptbahnhof stiegen alle Beteiligten aus, wo auch schon zwei Beamte der Bundespolizei am Bahnsteig warten. Da die beiden Angeklagten nach wie vor aufgebracht waren und bekannt war, dass mindestens ein Messer im Spiel ist, durchsuchten die Polizisten die beiden. Michael O. schlug aber auch hier über die Stränge und ließ, gepaart mit einigen unflätigen Aufforderungen gegenüber der Polizistin, seine Hosen runter. Diese forderte sofort Verstärkung an – und gemeinschaftlich wurden die Übeltäter auf die Wache verbracht. 

Da auch dort eine ruhige Vernehmung nicht möglich war, kamen beide in eine Zelle. Durch die Gegensprechanlage in der Zelle ging der vulgäre Redeschwall über eine Stunde lang weiter. Als die Brüder sich etwas beruhigt hatten und die Personalien aufgenommen waren, durften sie gehen. So wurde dieser Montagmorgen von der Staatsanwältin geschildert. 

Wer nun glaubt, dass man mit solchen Anschuldigungen beschämt oder gar reumütig vor Gericht tritt, der liegt falsch. Auf Peter O. mag das zutreffen, zumindest hat er sich zur Feier des Tages zur zerrissenen Jeans ein weißes Hemd angezogen und macht einen mehr oder weniger beschämten Eindruck. Sein Bruder Michael jedoch beschallt beim Betreten den Gerichtssaal mit der lauten Musik aus seinen Kopfhörern, die ihm um den Hals hängen. Erst auf Aufforderung von Richter Bauer stellte er diese ab. 

Die Staatsanwältin wird beim Verlesen der Anklageschrift immer wieder durch Kommentare sowie höhnisches Lachen und Schnauben von Michael O. unterbrochen. Erst nachdem Richter Bauer mehrmals mit einem Ordnungsgeld von 100 Euro droht, herrscht mal Ruhe auf der Anklagebank. 

Die Stellungnahmen von den beiden Brüdern unterscheiden sich von der Anklageschrift – wie zu erwarten. Sie haben den Fahrkartenkontrolleur schon etwas beschimpft, aber nur weil der ihnen gegenüber auch frech war. Michael O. habe mit dem Messer nur seine Fingernägel sauber gemacht und niemanden bedroht. Vor der Polizistin habe niemand die Hosen runter gelassen, und auf der Polizeistation seien sie auch respektlos behandelt worden. Auch der Hinweis sowohl vom Richter als auch von der Staatsanwältin, dass ein Geständnis sich zu ihren Gunsten auswirken würde, lässt die Brüder nicht von ihrer Version abkommen. 

Doch die Zeugen bestätigten die Anklageschrift. Dann erlaubte sich Michael O. einen ungefragten Kommentar zu viel und bekam von Richter Bauer ein Ordnungsgeld von 100 Euro aufgebrummt, was ihn jedoch kaum störte. Vielmehr musste der Richter immer wieder mit einem zweiten Ordnungsgeld von 200 Euro drohen, um für Ruhe zu sorgen. 

Leider konnte der Hauptzeuge, der Fahrkartenkontrolleur, nicht fristgerecht zur Verhandlung geladen werden – und ohne ihn kann auch kein Urteil gesprochen werden. Die Verhandlung wird am 8. September um 10 Uhr im Amtsgericht Dachau fort geführt. Und vielleicht nimmt sich Michael O. dann ein Beispiel an seinem Bruder.

Stefanie Ritter

Rubriklistenbild: © picture-alliance/ dpa

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