Robert Gasteiger und Hans Kornprobst haben die Ausstellung "Glauben und Aberglauben" im Augustiner Chorherren Museum ins Leben gerufen. Gasteiger kennt die Highlights der Besucher.

Ausstellung im Augustiner Chorherren Museum

„Aberglaube wirkt wie ein Placebo“

Indersdorf - Mumifizierte Katzen, grüne Kreuze gegen Geburtswehen, Amulette gegen Zahnweh: Früher setzten die Menschen auf Glücksbringer gegen Ängste und gesundheitliche Probleme.

Es sind makabre Geschichten, die Robert Gasteiger über seine Ausstellung „Glauben und Aberglauben“ im Indersdorfer Augustiner Chorherren Museum erzählen kann. Die Ausstellung läuft bereits seit vergangenem April. Robert Gasteiger bietet dabei jeden Sonntag Führungen an. 

Lebendige Katzen wurden eingemauert

Er hat die Ausstellung gemeinsam mit Hans Kornprobst organisiert. Der Dachauer weiß, was die Besucher am meisten fasziniert: „Früher hat man zum Beispiel lebendige Katzen in den Holzboden, am Fenster oder an der Tür miteingemauert“, erzählt er. Mit dem sogenannten „Bauopfern“ wollten die Bauherren böse Hexen vor ihren Häusern abschrecken.

Die eingemauerten Katzen sollten Hexen verjagen

Denn damals gingen die Leute davon aus, dass tote Hexen zu Katzen werden. „Die Leute haben sich gedacht, dass die Hexen dann flüchten, wenn sie an der eingemauerten, toten Hexe vorbeifliegen.“ In diesem Moment fängt Gasteiger aber auch ein wenig zu grinsen an. Denn gleichzeitig gingen die Menschen in vergangenen Zeiten davon aus, dass Hexen unsterblich sind.

„Man findet heute aber nur selten Rückstände von den Bauopfern“, erklärt Gasteiger. Aber im Augustiner Chorherren Museum ist noch eine mumifzierte Katze zu sehen, die wirklich in ein Haus eingemauert wurde. Der Dachauer Maler Christian Huber hat die Katze bei Bauarbeiten auf dem Wiesböck-Anwesen in Dachau gefunden.

Tier- und Menschenopfer waren Gang und Gebe

Im 19. und 20. Jahrhundert gaben die abergläubischen Bauherren den Katzen sogar manchmal noch etwas Mais zum Fressen mit, als sie die Tiere zum Beispiel in den Holzboden mauerten. Tier- oder Menschenopfer waren aber nicht nur um die Jahrhundertwende gang und gäbe: Die alten Römer opferten beispielsweise ihren Göttern Stiere. Aber auch den Pharaonen aus dem alten Ägypten wurden kostbare Grabbeilagen mitgegeben, als sie das Zeitliche segneten.

Robert Gasteiger beschäftigt sich bereits seit 30 Jahren mit dem Thema Glauben und Aberglauben. „Selbst abergläubisch bin ich aber nicht“, erzählt er. Je mehr er sich mit den Glücksbringern und Mythen beschäftigt hat, desto kleiner ist sein eigener „Glauben an den Aberglauben“ geworden. Vielmehr hat er für sich herausgefunden: „Der Aberglauben wirkt vielmehr wie ein Placebo.“

Grüne Kreuze gegen Geburtswehen

Wie beispielsweise bei den grünen oder roten Kreuzen, die gegen die Geburtswehen eingesetzt worden sind. „Im 19. Jahrhundert haben zum Beispiel nur wenige Kinder die Geburt oder die Zeit danach überstanden“, erklärt der Heimatforscher. Eine Bäuerin um 1800 brachte zum Beispiel insgesamt zehn Kinder auf die Welt. Weil die medizinischen Möglichkeiten sehr begrenzt waren, konnte es sein, dass nur zwei davon überlebten, erzählt Robert Gasteiger. 

Zur Beruhigung ihrer Ängste setzten die Frauen deshalb auf die kleinen Kreuze, meist aus grünem Malachid. Denn auch die Farbe hatte immer eine große Bedeutung bei den Glücksbringern. „Grün diente zum Beispiel zur Stärkung der Lebensgeister, rot sollte blutstillend wirken.“ Die Kreuze hielten die werdenden Mütter während der Geburt fest in den Händen: Sie sollten die Geburt erleichtern.

Amulette gegen Zahnweh und für die Fruchtbarkeit

Aber nicht nur für Geburtswehen gab es damals kleine Seelenberuhiger. „Es gab früher eigentlich für fast alles ein Amulett“, erklärt der Initiator der Ausstellung „Glauben und Aberglauben.“ Zum Beispiel gab es kleine Kettchen für die Fruchtbarkeit, gegen Zahnweh oder Vergiftungen.

 „Früher war ja die gesundheitliche Versorgung sehr schlecht“, sagt der Heimatforscher. Deswegen hätten sich die Menschen an den Aberglauben geklammert. Erst mit der Aufklärung und letztendlich mit der Entdeckung des Penicilins habe sich das geändert.

Brautkrone gegen Neider

Rund 500 Exponate werden deshalb in der Ausstellung im Augustiner Chorherren Museum gezeigt: Beispielsweise auch die Brautkrone mit vielen kleinen Spiegeln am Hinterkopf, die junge Ehefrauen vor dem Traualtar „vor bösen Blicken und Neid schützen sollte“, erzählt Gasteiger. Aber auch heute sei der Aberglauben bei Hochzeiten noch präsent: Denn viele Bräute nehmen schließlich etwas Neues, etwas Geborgtes und etwas Blaues für ihr Eheglück mit.

Glaube trifft Aberglauben

ist noch bis zum 11. September im Augustiner Chorherren Museum zu sehen. Außerdem bietet Robert Gasteiger dort jeden Sonntag eine Führung an. Zudem gibt es für 15 Euro einen Katalog zur Ausstellung.

Von Anna Schwarz

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