Nach dem Hochwasser

13 Freunde packen in Simbach an

Damit es nach der Hochwasserkatastrophe in Simbach weitergehen kann, muss man vor Ort erstmal eines: aufräumen. Dafür sind tausende Freiwillige im Einsatz. Auch 13 junge Indersdorfer und Niederrother haben sich spontan auf den Weg gemacht, um anzupacken. Die Freunde haben vor Ort nicht nur viel geschafft. Sie haben auch etwas Wichtiges mit nach Hause genommen.

Indersdorf/Simbach – Johannes Böller steht in einer Turnhalle, 20 Zentimeter tief im Dreck, schaut nach oben. Über ihm hängt ein Basketballkorb, die untere Netzkante ist voller Schlamm. Bis hierhin stand also das Wasser. Böller (26) steht hier, weil er am Vortag Radio gehört hat und sich dachte: Da müssen wir helfen.

Es ist am vergangenen Freitag, als Johannes Böller den Aufruf hört: „Wir brauchen noch freiwillige Helfer in Simbach.“ Böller, der bei der Indersdorfer Feuerwehr und bei den Burschen ist, kennt einen Haufen Leute. Per Handy versucht er, ein paar Freunde zusammenzutrommeln. Schnell findet sich ein Trupp, der am Samstag spontan Zeit hat, nach Simbach zu fahren. Zufällig hört Böller, dass auch einige der Niederrother Burschen nach Niederbayern wollen, um zu helfen. Die jungen Leute organisieren schnell das Wichtigste, Samstagfrüh starten sie mit drei Autos, 13 Helfern, acht Schubkarren und 20 Schaufeln nach Simbach.

Die Geschichte erzählt Böller allerdings nicht wegen irgendwelcher Schulterklopfer. Das braucht er nicht. „Es sollte absolut keine große Sache sein, dass man sowas macht.“ Für Böller und seine Freunde sind Worte wie anpacken, mithelfen, zusammenhelfen kein Gutmenschenvokabular, sondern: eine Selbstverständlichkeit. „Das sollte eigentlich jeder so sehen“, sagt der 26-Jährige stellvertretend für die ganze Gruppe.

Nach zwei Stunden Fahrt sind die Freunde fast da. Doch kurz vor Simbach hat sich bereits ein langer Stau gebildet – hunderte wollen in den Ort, um zu helfen. Als die Freunde ankommen, haben sich bereits 1500 Helfer in die Liste eingetragen. „Aber das waren viel mehr“, sagt Böller.

Die Freunde sehen nicht nur einen völlig zerstörten Ort. Bulldogs, die anhängerweise Erinnerungen ganzer Generationen wegkarren, Straßen voller kaputter Betten, Kühlschränke oder Kinderspielzeug.

„In den Häusern, die wir gesehen haben, war teilweise überhaupt gar nichts mehr. Nur noch die Mauern. Der Rest – alles kaputt.“ Johannes Böller ist betroffen, aber er und seine Freunde sind vor allem eines: beeindruckt. Denn sie haben weit mehr gesehen als nur die Zerstörung. Sie haben Zusammenhalt erlebt. „Da lässt sich keiner unterkriegen. Da packt jeder mit an, jeder hilft mit, keiner nimmt sich aus. Kleine Kinder, Rentner, zierliche Mädchen. Jeder ist dabei“, sagt Böller begeistert.

Als die Freunde in der Turnhalle stehen, 20 Zentimeter tief im Schlamm, ist keine Zeit für sentimentale Betroffenheit. Fünf Stunden ackern die Freunde im Dreck, schleppen zunächst den ganzen Sperrmüll vor die Tür. Traktoren karren alles Richtung Bauhof. Dann entschlammen die Helfer die Halle. Während einige mit Schnellschaufeln und ausgehängten Türen den Dreck Richtung Ausgang schieben, haben Schüler eine Kette gebildet und befördern den Schlamm Eimer für Eimer nach draußen in den Simbach.

Auf der Rückfahrt sind die Freunde völlig erledigt, berührt von dem Zusammenhalt, den sie erlebt haben, manche schlafen vor Erschöpfung schnell ein. Trotzdem steht für Johannes Böller und den Helfertrupp fest: Wir helfen wieder. Mitanpacken gehört sich einfach. Und es lohnt sich. Tags drauf fand in der Turnhalle, in der sie gearbeitet haben, bereits eine Bürgerversammlung statt.

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