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Herr über die Klärbecken: Klärmeister Stefan Hartmann. 

Kläranlage Indersdorf

"Die Bakterien sind unsere besten Mitarbeiter"

Acht Millionen Euro hat die Sanierung der Indersdorfer Kläranlage gekostet. Die Investition war umstritten. Georg Weigl gab deshalb auch sein Amt als Gemeinderat auf. Was hat sich seitdem bei der Abwasserreinigung verändert?

25 Grad Außentemperatur: Der Geruch an der Kläranlage hinterhalb des Volksfestplatzes in Indersdorf ähnelt ein wenig dem Geruch, wenn die Landwirte Gülle auf ihre Felder fahren. Ganz so intensiv ist das von Fäkalien geprägte Aroma aber nicht. „Eine Kläranlage, die gut funktioniert, darf nicht stinken“, erklärt der Chef der Anlage, Stefan Hartmann. Seit Herbst 2014 wurde der Bau teuer saniert – acht Millionen Euro waren dafür nötig. Die Kosten werden auf die Bürger abgewälzt (wir haben berichtet). Für die Jahre 2015 bis 2017 rund 50 Cent pro Kubikmeter, ab 2018 steigen die Gebühren sogar zwischen 2,51 bis zu 3,90 Euro je Kubikmeter.

Nach der Erneuerung der Anlage soll sie jetzt rund 20 bis 25 Prozent energieeffizienter arbeiten: Mit schnelleren Pumpen, neuem Belüftungssystem und moderneren Geräten. Denn jeden Tag fließen zwei Millionen Liter Abwasser, also rund 16 000 Badewannen à 120 Liter, aus der Gemeinde in die Kläranlage, schätzt Klärmeister Hartmann. Das hat in den vergangenen 20 Jahren Spuren hinterlassen. Das Abwasser mit den gesiebten Fäkalien hat den Betonrand an den zwei Klärbecken abgeätzt. „Der Beton wurde jetzt komplett neu beschichtet“, erklärt der Pressesprecher der Gemeinde, Klaus Mayershofer.

Außerdem brachte die Gemeinde im Rahmen der Sanierung neue „Belüftungskerzen“ an den zwei Becken an, erklärt Hartmann. Er steht am neuen Sicherungsgitter des Klärbeckens und schaut auf die schwimmende, braungraue Masse. Darin tummeln sich Milliarden von Bakterien. „Es sind unsere besten Mitarbeiter“, sagt der Klärmeister grinsend. Sie zersetzen die bereits gesiebten Fäkalien im Abwasser. Damit sich die Bakterien wohlfühlen und sich vermehren, blubbert es immer wieder mal im Becken. Ihnen wird mit der Belüftungsanlage extra Sauerstoff zugeführt – nach der Sanierung sogar öfter als zuvor.

Außerdem ist das Klärbecken in zwei Teile aufgeteilt: Im äußeren Ring werden die bereits gesiebten Fäkalien für 20 bis 30 Tage von den Bakterien zersetzt. Zuvor haben Klärrechen und Sandfang bereits ihre Arbeit getan: „Sie filtern die anorganischen Stoffe heraus, die die Leute einfach so in die Toilette schmeißen“, erklärt Pressesprecher Mayershofer. Auch Rechen und Sandfang sollen in den nächsten Monaten ersetzt werden.

Im Inneren des zweigeteilten Beckens beginnt die Nachklärung. Dort setzt sich der Schlamm am Boden ab und das vergleichsweise saubere Wasser fließt wieder in die Glonn ab. Was bleibt? Der Klärschlamm, der in ein weiteres Becken abgeleitet wird. Früher verwendeten ihn die Landwirte als Gülle. Das habe sich aber geändert, denn die Masse sei zu schädlich, aber: „Nun wird er zu Braunkohlewerken in den Osten gefahren – zur Verfüllung des Bodens.“ Nachdem der Schlamm sich abgesetzt hat, entsteht daraus das geklärte Abwasser.

„Trinken würde ich das zwar nicht“, erklärt Hartmann lächelnd: „Abwasser ist eben Abwasser.“ Aber nach der Behandlung in der Kläranlage sei es wieder sauber genug, dass es den Abwasserwerten des Landratsamtes entspricht. Das sei auch der Grund für die Sanierung gewesen, so Mayershofer. Außerdem kann die sanierte Kläranlage das Abwasser von mehr Einwohnern entsorgen: Von vorher 12 000 Einwohnern ist die Zahl auf 18 000 gestiegen. 23 der insgesamt 56 Gemeindeteile Indersdorfs sind bereits angeschlossen. Das sind zwar nicht mehr als vor der Sanierung, aber: „In Zukunft sollen auch Arnbach, Hirtlbach und Niederroth dazukommen“, sagt Mayershofer.

Stefan Hartmann ist zufrieden: „Früher sind wir selten an einen Energieverbrauch unter 1000 Kilowatt gekommen“, sagt der Klärmeister: „Jetzt sind wir jeden Tag bei etwa 700 bis 800 Kilowatt.“

Außerdem kann Hartmann die Kläranlage nun via PC steuern. Wenn zum Beispiel in Gut Häusern ein Golfturnier mit 15 000 Sportlern stattfindet, muss er die Kläranlage darauf einstellen. Und das geht nun per Mausklick: Indem er Anweisungen an die Rohre weiterleitet, dass sie mehr Abwasser pumpen oder die Bakterien mehr Sauerstoff bekommen. Schließlich soll es an der Kläranlage auch in Zukunft nicht bestialisch stinken.

Anna Schwarz

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