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Wie alles begann: Die Projektverantwortlichen treffen sich Ende Februar 2015 zum Spatenstich für den Bau des gemeindeeigenen Glasfasernetzes.

Der Mut hat sich gelohnt

Bilanz über das Zehn-Millionen-Euro-Glasfaser-Projekt

Vor rund zwei Jahren hat sich die Gemeinde Indersdorf entschlossen, in ein Projekt zu investierten, das es nirgends so vergleichbar im Landkreis gibt. Rund zehn Millionen Euro nimmt sie dafür in die Hand. Jetzt ist das Projekt so gut wie fertig. Die Experten zogen nun Bilanz über das Mammutvorhaben.

Indersdorf – Im Februar 2013 standen die beiden zum ersten Mal im Indersdorfer Gemeinderat – damals hatten die Breitbandexperten Uwe Krabbe und Martin Dreisewerd aber alles andere als gute Nachrichten für die Kommunalpolitiker: Die Gemeinde Markt Indersdorf sei, was Internetgeschwindigkeiten angeht, „katastrophal unterversorgt“.

Heute, zweieinhalb Jahre später, könnte die Situation nicht gegensätzlicher sein: Die Projektanten für das Glasfaserprojekt, Uwe Krabbe und Martin Dreisewerd, standen am vergangenen Mittwochabend wieder vor den Indersdorfer Gemeinderäten und konnten kaum zufriedener sein: Nach nur rund 21 Monaten Bauarbeiten ist die Unterversorgung nicht nur Vergangenheit – 1300 Indersdorfer haben bereits die Möglichkeit, mit der schnellsten Geschwindigkeit im Internet zu surfen, die auf dem Markt verfügbar ist. Das gemeindeeigene Glasfasernetz ist so gut wie fertig. 2297 Hausanschlüsse sind bisher gebaut, ein paar hundert fehlen noch.

Mitten drin in den Bauarbeiten: Arbeiter im Juli 2015 in Niederroth.

Ein rund Zehn-MillionenEuro-Projekt, das sich sehen lassen kann. Die Projektanten Uwe Krabbe (Lan Consult, Hamburg) und Martin Dreisewerd (mdcon, Rietberg) machten von Anfang an recht ambitionierte Aussagen, als vor rund zwei Jahren klar war, welchen Weg die Gemeinde gehen will – nämlich den, niemanden zurückzulassen. Jeder, der wollte, sollte die Möglichkeit bekommen, sich an ein Hochgeschwindigkeitsnetz anschließen zu können. Also schlugen die Experten – vereinfacht gesagt – vor: Bauen Sie Ihr eigenes Glasfasernetz und verpachten es. Mit einer bestimmten Anschlussquote (60 Prozent) können Sie sich über die Pachteinnahmen die Investitionen zurückholen und nach Jahrzehnten sogar Gewinn für die Gemeinde erwirtschaften. Plus: Jeder Weiler kann schnelles Internet nutzen, was bei einem Netzbau mit einem Investor nie möglich wäre. Nach einer Bauzeit von unter zwei Jahren wäre das Ganze fertig, die ersten wären bereits längst online – das klang gut für die Gemeinde. Sie entschied sich für das rund Zehn-Millionen-Euro-Projekt.

Heute zeigt sich, die beiden Projektanten aus Norddeutschland haben recht behalten: Nur ein paar Monate nach dem Spatenstich Ende Februar 2015 waren die ersten Indersdorfer, die einen entsprechenden Vertrag abgeschlossen hatten, mit den schnellen Geschwindigkeiten online. Jetzt, im November 2016, sind bereits 1300 Kunden online und generieren für die Gemeinde fixe Einnahmen. Das Netz ist „bis auf ein paar Restarbeiten fertig“, sagte Uwe Krabbe freudig in der Sitzung.

In den vergangenen 21 Monaten stellten die Bauarbeiter eine 110,4 Kilometer lange Trasse im Gemeindegebiet für das Netz her. Angenehmer Nebeneffekt: 21 000 Quadratmeter Gehweg wurden dabei neu gepflastert. Bürgermeister Franz Obesser ist schwer begeistert von dem ganzen Projekt: „Das Ganze ist eine sehr, sehr gelungene Mannschaftsleitung von unseren Planern, Arbeitern, Bürgern und der Bürgerinitiative.“

Auch die Kostenschätzungen der Projektanten waren in Anbetracht der enormen Investitionssumme von 9 567 300 Euro netto gut kalkuliert. „Heute stehen wir bei 9,67 Millionen Euro, das ist eine Kostensteigerung von nur 1,18 Prozent“, sagte Obesser. Aus den 2160 Anschlüssen (60 Prozent aller Haushalte) als Mindestanschlussquote wurden mittlerweile 2638 Endkunden (entspricht 72 Prozent). „Und ich gehe schwer davon aus, da kommen noch eine Menge dazu“, sagte Uwe Krabbe. „Anfragen sind bereits da.“

Auch wenn Franz Obesser sehr glücklich ist, dass in Indersdorf so ein „einmaliges Projekt gelungen ist“, weiß er, dass nicht alles rund gelaufen ist. „Klar gab es bei einem so großen Projekt auch Probleme bei manchen Umstellungen.“ Jeder Einzelfall sei „sehr bedauerlich und wir haben vollstes Verständnis, dass sowas die Leute ärgert“. Am Ende des Tages habe es allerdings keinen einzigen Fall gegeben, bei dem das Problem nicht gelöst wurde.

Auch die Gemeinderäte konnten in der Diskussion ein langes Lied von verschiedenen kleinen Problem bei der Umstellung aufs Indersdorfer Netz singen. Martina Tschirge (SPD) war zum Beispiel selbst betroffen. „Es war entsetzlich in der Zeit, als nichts funktionierte.“ Doch sie ergänzte: „Jetzt passt alles wunderbar.“ In einem Punkt ist nämlich einiges schief gelaufen: beim Thema Kundenservice. Die Hotline des Netzbetreibers sei sehr schlecht bis gar nicht erreichbar gewesen – Kunden fühlten sich im Stich gelassen. Das verärgerte viele Gemeinderäte. „Uns wurde gerade in diesem Bereich Qualität versprochen“, schimpfte Helmut Ebert (FW) und Peter Keller forderte: „Die Servicequalität muss sich verbessern, das fällt ja auf uns zurück.“

Die ersten gehen ans Netz: Die Freischaltung im September 2015 m it Rüdiger Schmidt (KMS), Bürgermeister Franz Obesser, Berthold Fehr (BI), Hans Probst-Heigl (Firma Mühlbauer) und Uwe Krabbe (Planer).

Der Gemeinde ist dieses Problem seit längerem bekannt, sie hat bei der Geschäftsleitung des Unternehmens „ordentlich Druck gemacht“, wie Indersdorfs Geschäftsleiter Klaus Mayershofer betont. Obesser erklärte die Situation: Beim Netzbetreiber KMS gab es zwei Firmenübernahmen. Zuerst kam die KMS in die pepcom Gruppe, die pepcom wurde wiederum von Tele Columbus übernommen. Was kompliziert klingt, hat eine einfache Konsequenz: „Im Zuge dieses Umstrukturierungsprozesses kam es zu Spannungen, die mussten wir hier ausbaden“, sagte Mayershofer. Doch die neue Unternehmensleitung, die die Indersdorfer extra aus Berlin einfliegen ließ, habe betont: Ihr Ziel sei, das Problem in den kommenden vier Wochen in den Griff zu bekommen. Glaubwürdig – „wir merken schon, dass es besser wird“, so Mayershofer. Nach dem Umstrukturierungsprozess will das Unternehmen die Kunden besser betreuen als vorher. „Wir haben da ein Auge drauf“, so Obesser.

Olaf Schellenberger, der im kleinen Ainhofen wohnt, dient als gutes Beispiel für den Gesamterfolg des Projektes: „Auch wenn es Probleme gab, habe ich seit einem Jahr Möglichkeiten, von denen ich vorher nicht einmal geträumt hätte.“ Er spricht von all den Dingen, die ihm nun dank des schnellen Internetanschlusses möglich sind. Peter Keller pflichtete bei: „In der Summe ist das Ergebnis gut – keine Frage.“ Die nächsten Schritte sind jetzt: Die restlichen Arbeiten fertigstellen und die Betriebsverantwortung an die KMS übergeben.

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