Interview mit Tobi Socher von Tobiasbräu

"Indersdorf sollte wieder sein eigenes Bier haben"

In einem unscheinbaren Bauernstadl in Ried sorgt ein Brauer seit fast 10 Jahren dafür, dass das Indersdorfer Bier nicht ausstirbt.  Im Interview verrät der Gründer des Tobiasbräu, ob sich der ganze Stress überhaupt lohnt, was die Namen seiner Kinder mit seinen Bieren zu tun haben und was sein größter Bier-Traum ist.

Tobi Socher (37) gefiel der Gedanke ganz und gar nicht, dass Indersdorf  kein eigenes Bier mehr haben soll. Also nahm er die Sache einfach selbst in die Hand. Und deshalb steht er jetzt einmal in der Woche nebenberuflich in dem kleinen Stadl und macht Indersdorfer Bier.  


Der Traum vieler Männer: Ein Bier mit dem eigenen Namen drauf. War das auch Ihre Motivation, oder warum haben Sie damals ihre eigene Brauerei eröffnet?

Eigentlich fand ich nur den Gedanken so traurig, dass Indersdorf kein eigenes Bier mehr haben soll. Damals, als die Klosterbrauerei zu gemacht hat. Das gefiel mir ganz und gar nicht. Aber das mit dem eigenen Namen auf dem Bier übrigens erstmal auch nicht.

- Und da überlegt man sich mal eben spontan, seine eigene Brauerei aufzumachen?

Na ja, ich bin ja gelernter Bierbrauer. Schon während meiner Lehrlingszeit hab’ ich im Keller Bier gebraut. Dann hab’ ich meinen Meister gemacht. Jetzt arbeite ich immer noch hauptberuflich vier Tage die Woche bei Spaten – die Idee ist also nicht die abwegigste der Welt.

-Okay. Die Voraussetzungen waren also da. Was hat noch gefehlt?

Ein guter Name und die richtigen Räume.

- Das mit dem Namen wäre für viele Männer, die ich kenne, kein Problem gewesen. Wer hätte nicht gern ein Bier, auf dem der eigene Name steht?

Ich musste wirklich lange überlegen. Ich wollte das am Anfang eigentlich nicht. Zumindest nicht so offensichtlich. Das wirkt irgendwie angeberisch. Aber irgendwie wollte ich schon, dass der Biername mit meinem verbunden ist. Wir sind einfach auf nichts Gutes gekommen. So hab ich das Bier eben doch Tobiasbräu getauft. Und mittlerweile bin ich stolz drauf.

-Das merkt man schon allein am Namen der Biersorten. Wirklich süß, was Sie sich da überlegt haben.

Danke. Für zwei meiner vier Kinder gibt’s bereits eine eigene Sorte, die dritte kommt im Juni raus.

-Und wer hat welches Bier bekommen?

Mein Erstgeborener heißt Quirin. Er kam in der Starkbierzeit auf die Welt, ihm ist der Quirinator, ein dunkler Bock, gewidmet. Mein zweiter Sohn heißt Benedikt. Für ihn hab’ ich den Bene-Bock kreiert. Das ist ein helles Starkbier, das ich heuer komplett neu zusammengestellt habe. Und ich muss sagen: Es ist ziemlich gut gelungen. Das gibt’s ab Mai.


-Ist es schwer, Saisonbiere zu verändern?

Für mich dauert es vor allem sehr lange. Ich stelle in dem einem Jahr fest, was ich gerne anders hätte. Und dann sitze ich ein Jahr später dran und versuche, es umzusetzen. Erst Wochen später kann ich es probieren. Wenn es geklappt hat, gut, wenn nicht, heißt es wieder ein Jahr warten.

-Was ist denn mit Ihren Töchtern? Haben die auch schon ihre Biersorten?

Noch nicht. Aber die eine ganz bald. Im Juli kommt nämlich das „Reserl“ für meine Theresa raus. Das ist ein naturtrübes Helles mit einer neuen Hopfensorte. Sie soll sogar eine fruchtige Note von schwarzer Johannisbeere haben. Wieviel davon aber am Ende übrig bleibt, ist die Frage (lacht). An dem Bier tüftel ich schon seit Jahren. Auch meine Jüngste ist ganz wild auf eine eigene Sorte. Erst letztens hat sich mich gefragt: „Wann gibt’s ein Vronibier?“

-Und wann gibt’s eins?

(Lacht.) Das dauert noch. Aber sicher ist: Es kommt.

Tobi Socher mit seinen Töchtern Vroni und Theresa.

-Klingt, als hätten Sie nach fast zehn Jahren immer noch Spaß am eigenen Bier.

Ganz ehrlich: Es macht mehr Arbeit als mein normaler Job, aber es hat mir noch nie so viel Spaß gemacht wie gerade.

-Wieso das?

Bis letzten August haben wir das Bier noch selber abgefüllt. Jeden Samstag, drei Leute. Alte Flaschen waschen, neues Bier rein. In zehn Stunden haben wir 1000 Flaschen abgefüllt. Das ist eigentlich völlig unwirtschaftlich. Heute lassen wir es extern maschinell abfüllen. Und seit sich meine Frau um die Buchhaltung kümmert, hab ich den Kopf völlig frei fürs Bier.


- Hat die Abfüllanlage noch einen weiteren Vorteil?

Ja, einen ganz gravierenden sogar: die Qualität steigert sich dadurch massiv. Es kommt viel weniger Luft ans Bier – die ist nämlich der Feind – und so bleibt es viel länger haltbar. Aber wegen der Abfüllanlage haben wir jetzt andere Etiketten.


-Seit ein paar Jahren sind Craft-Biere total im Kommen. Machen Sie das nicht schon seit zehn Jahren ohnehin?

Gewissermaßen schon. Es sind handwerklich gebraute Biere in einer kleinen Brauerei. Allerdings bin ich kein großer Rumexperimentierer. Ich bin ein Fan von den traditionellen Bieren. Aber die brau’ ich mit Liebe. Auch das Reinheitsgebot find’ ich gut.


-Von außen sieht Ihre Brauerei aus wie ein Bauernstadl. Wie siehts drinnen aus? Also für die, die noch nicht da waren.

Er blickt zuerst auf ein Herrgottskreuz, das an den Fließen hängt: Das hat die Oma bei der Eröffnung spendiert. Am Eingang steht ein kleiner Verkaufstresen, hinterhalb zwei Gärbottiche mit je 500 Litern Fassungsvermögen. Besucher sehen noch die 500-Liter Pfanne, in der das Malz erhitzt wird, die Schrotmühle zum Malzzerkleinern und den Läuterbottich, in dem der Trebern rausgefiltert wird. Im Lagerkeller, also im Kühlraum, reift dann das Bier sechs Wochen lang.

- Haben Sie einen bestimmten Bier-Traum?

Theoretisch wäre es Wahnsinn, wenn alle beim Indersdorfer Volksfest mein Bier trinken würden. (Lacht viel.) Aber dann wäre eine Viertelstunde nach den Anstich das Bier alle. (Lacht noch viel mehr.) Solche Mengen kann ich nicht im Ansatz produzieren. Cool wäre es trotzdem.

-Finden Sie es cool, wenn Sie das eigene Bier im Laden stehen stehen?

Aber klar. Wenn ich zum Rewe gehe und da steht ein Kasten Tobiasbräu, das ist schon genial.


- Bierverkoster trinken oft aus einem Weinglas. Wegen der Aromen. Und Sie?

Na aus dem Bierglas, was sonst.

-Zum Abschluss: Was braucht ein Bier, damit es zum Lieblingsbier taugt?

Ganz klar: Es braucht Charakter. Also irgendwas besonderes. Eine besondere Note, einen besonderen Kniff. Bloß nichts langweiliges.

Das Gespräch führte:

 

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