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Zwei Generationen Ladenbesitzer: Sonja und Jim Moser (links) und ihre Vorgänger Anna und Gottfried Isemann.

100 Jahre Karpfhofener Lebensmittelladen

Sie sind immer noch da

Indersdorf - 100 Jahre gibt es den Laden am Ortseingang von Indersdorf, der heute Mosers Lebensmittel heißt. Das sind 100 Jahre voller Geschichten – über König Ludwig, arbeitsunwillige Lieferwagen, große Konkurrenten und kleine Langfinger. 

Zünftige Blasmusik hat damals am 7. Januar 1999 halb Karpfhofen aus dem Schlaf geholt. 6 Uhr in der Früh war’s, als die Blaskapelle Albersbach-Indersdorf loslegte. Wer hinausschaute aus dem Fenster und hin zum Laden an der Dachauer Straße, der traute seinen Augen nicht: da Kini!

Für Johann Moser, den ganz Indersdorf nur als Jim kennt, ging ein Traum in Erfüllung, wenn man so will. Denn kurz zuvor war dem friedlich schlafenden Jim nächtens kein Geringerer als König Ludwig erschienen. Der Monarch kam um einzukaufen in dem Laden, den er, der Jim, an jenem Januartag übernehmen sollte.

Im Kostüm steckte Werner Popfinger, wie Jim und Sonja Moser beim Indersdorfer Theater aktiv. Mit der König-Ludwig-Nummer sorgte Popfinger dafür, dass die beiden Mosers ihren ersten Tag als Ladenbesitzer nie vergessen werden.

Dort an der Dachauer Straße steht mehr als nur als nur ein Lebensmittelgeschäft. „Bei uns gibt’s alles, vom Ohrstaberl bis zum frischen Fisch“, fasst Sonja Moser das Vollsortiment plastisch zusammen. Seit 17 Jahren ist sie beinahe täglich dort. Den Laden gibt es aber schon viel länger. Vor genau 100 Jahren wurde er an genau dieser Stelle eröffnet. Am kommenden Samstag, 1. Oktober, feiern Sonja und Jim Moser mit ihren Kunden ein Jubiläumsfest.

Als die Ladentür zum ersten Mal aufgesperrt wurde, regierte noch Wilhelm II. „Kolonialwaren“ verkaufte Rosa Hack, Waren also aus den Kolonien, die das Kaiserreich kassiert hatte. Aber natürlich konnten die Karpfhofener auch schon damals gängige Lebensmittel kaufen.

Bis 1965 führte Rosa Hack ihren 20 Quadratmeter kleinen Laden, durch viele gute und viele schlechte Jahre. Sie und ihr Mann Eduard blieben kinderlos. Es gab also niemanden, dem sie ihren Lebensmitteladen hätten überantworten können.

Anna Isemann übernahm. 21 Jahre jung war sie, hatte allerdings bei der Klosterbäckerei Pest in Indersdorf eine Lehre als Einzelhandelskauffrau abgeschlossen und kannte sich zumindest in Buchführung aus. Dennoch. Damals in den 60ern war es unüblich, dass eine junge Frau allein einen Laden übernimmt. Ihr Mann Gottfried, ein ausgebildeter technischer Zeichner, stieg erst später mit ein.

Mit einem VW Bus fuhr er Tag für Tag nach München, um Ware einzukaufen. Eine beschwerliche Arbeit. Zu beschwerlich. Für den VW Bus. Der stellte den Dienst mehrfach ein, „weil einfach zu viel Ware drin war“, wie sich Gottfried Isemann erinnert.

Der Laden in Karpfhofen lief, die Isemanns erweiterten bald die Verkaufsfläche. Ein halbes Dutzend vergleichbare Läden gab es seinerzeit in Indersdorf, jeder hatte seine Kunden und sein Auskommen.

Dann kam neue Konkurrenz: draußen auf der grünen Wiese.

Der Südmarkt war der erste. Ein Gigant im Vergleich zum kleinen Laden am Ortseingang. „Do hom d’Leid gsogt, jetzt werd da Isemann draufgeh’“, erinnert sich Gottfried Isemann.

D’Leid hatten Unrecht. Den Südmarkt gibt es in Indersdorf schon lange nicht mehr, das Geschäft der Isemanns schon, wenngleich mittlerweile übergeben an Nichte Sonja. Auch sie und ihr Mann Jim müssen kämpfen, fünf große Supermärkte gibt es im Gewerbegebiet, zwei Steinwürfe nur entfernt. Doch die beiden haben in all den Jahren gelernt, was sie den scheinbar übermächtigen Konkurrenten entgegensetzen können.

Regionale Produkte, zum Beispiel. Mosers Lebensmittelladen bezieht seine Ware von Indersdorfer Metzgern und von Bäckern, Bauern und sonstigen Produzenten aus der Umgebung. Wer dazu auch noch Indersdorfer Bier möchte, kann bei den Mosers ein Tragl Tobias-Bräu mitnehmen.

Obendrein bieten die Mosers selten gewordenen Service. Sie stellen Geschenkkörbe zusammen und Platten mit Aufschnitt. Und wer will, der bekommt von Sonja Moser eine „individuelle Wurstsemmel“ geschmiert.

Auf diese Wiese bekommt man Stammkunden. „Meine älteste Kundin ist die Frau Seitz“, berichtet Sonja Moser, „die wird bald 98.“ Ältere, die nicht mehr so gut zu Fuß sind wie die Frau Seitz, werden frei Haus beliefert.

Auf andere „Kunden“ hätten die Isemanns und Mosers gern verzichtet. Auf die Feierwütigen etwa, die vor einigen Jahren am Faschingssamstag einbrachen und Schnaps und Zigaretten klauten. Oder auf den jungen Mann, der mit seinem Auto das Schaufenster aufs Korn nahm.

Und natürlich die vielen Diebe. Nicht selten wurde einer ertappt, mancher Knirps mit hochrotem Kopf war darunter. „Den Kindern hab’ ich immer ins Gewissen geredet, nie haben wir die Polizei gebraucht“, betont Sonja Moser. Auch Stammkunden mit langen Fingern gab es. „Wenn man so jemanden erwischt hat, den man lange kennt, dann macht einen das ganz fertig“, erinnert sich Anna Isemann.

Sie und ihre Nachfolger wissen, wie viel Arbeit es macht, so einen Laden am Laufen zu halten. 40-Stunden-Woche? Da kann Sonja Moser nur lachen. Ihr Tag beginnt um 5 Uhr, bis 18.30 Uhr steht sie im Laden, dann wird noch Kasse gemacht. Tätigkeiten so nebenbei: Plakate beschriften, Schaufenster dekorieren, Sülze machen, Einkaufsgutscheine schreiben und, und, und.

Längst wird Sonja Moser mit diesem Laden identifiziert, auch von den kleinen Kunden: „Die Kinder kennen mich nur im weißen Kittel, ohne erkennen die mich oft nicht!“

Weil die Zeit knapp ist, muss anderes zurückstehen Zum Beispiel das Theaterspielen. Jim Moser stand in der vergangenen Spielzeit auf der Bühne, seine Frau jedoch hat aufgehört. „Laden und Theater, das geht nicht.

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