Inklusive Fußballmannschaft für Kinder und Jugendliche

Bei den Sturmkickern ist einfach jeder willkommen

Fußball verbindet: Die Sturmkicker des SV Niederroth sind der beste Beweis dafür. In diesem Team kicken Kinder mit geistiger Behinderung gemeinsam mit gesunden Fußballern.

Die Allianz-Arena. Heilige Halle aller Fußballfans, Traumrasen aller Fußballspieler. Vor ein paar Wochen sind die Sturmkicker des SV Niederroth dort einmarschiert. Stolz, selbstbewusst, aber auch ein bisschen aufgeregt. Bei einer Mini-EM durften die Jungs als russische und nordirische Nationalspieler in der Allianz-Arena kicken.

„Das vergesse ich nie“, erzählt Ahmet, elf, aus Dachau. Dass Ahmet in einem Verein Fußball spielt und solche unvergesslichen Momente erleben kann, ist nicht selbstverständlich. Denn Ahmet hat eine leichte geistige Behinderung. Wie die meisten seiner Mannschaftskameraden.

Downsyndrom, Autismus, Entwicklungsverzögerungen, Lernbehinderungen: Dass die Kinder bei den Sturmkickern völlig unterschiedliche Handicaps haben, ist beim Fußball mit den anderen Sturmkickern egal. Diese Woche gibt es beim Training ein Übungsspiel, die Jungs müssen sich auf Turniere am Wochenende vorbereiten. Zwei Mannschaften spielen gegeneinander, die Trainer beobachten das Spiel, feuern die Kicker an, geben taktische Anweisungen. „Lauf, Michi, lauf und schieß fest“, ruft Trainer Jürgen Graf aufs Spielfeld. Es läuft wie in jeder anderen Mannschaft eben auch.

Genau das war das Ziel, als Jürgen Graf und seine Frau Manuela Knöferl-Graf das Team im September 2012 gegründet hatten. „Uns war es wichtig, dass alles ganz normal ist“, sagt Betreuerin Knöferl-Graf. Denn oft trainieren behinderte Kinder gesondert, abseits der anderen Sportler. Jürgen Graf und seine Frau haben zwei Söhne, Tim, 13, und Bastian, 12. Bastian hat Downsyndrom und war schon von klein auf fußballbegeistert. „Er ist immer mit seinem Bruder im Verein dabei gewesen“, erzählt Knöferl-Graf. Eine Ausnahme, wie die Eltern erfuhren. Als Bastian gemeinsam mit anderen behinderten Kindern Einlaufkind bei einem FC Bayern-Spiel war, tauschten sich die Familien aus. „Ganz viele Eltern der anderen Kinder haben sich gewundert, dass Bastian im Verein spielt“, erinnert sich Jürgen Graf. Ihre Kinder hätten keine Gelegenheit dazu, bedauerten viele.

Für Jürgen Graf und Manuela Knöferl-Graf war klar: Das muss sich ändern. Sie gründeten die Sturmkicker. Inzwischen wurde das Projekt schon zwei Mal ausgezeichnet. Momentan sind 16 Kinder und Jugendliche zwischen acht und 15 Jahren dabei. Auch gesunde Sportler aus anderen Niederrother Mannschaften spielen mit.

Dieses Mal sind Benny, 12, Tim, 13, und Daniel, 13, von der D-Jugend zum Training gekommen. Sie machen gerne mit, Berührungsängste mit den anderen Kindern haben sie keine. „Es ist schön, dass man mal mit anderen spielen kann, die man nicht so oft sieht“, findet Benny. Dafür nehmen die drei sogar eine Doppelschicht in Kauf. Nach dem Training mit den Sturmkickern ist D-Jugendtraining.

Dann ist auch Christoph wieder dabei. Trotz Handicap trainiert er auch mit den gesunden Jugendlichen. Der 15-Jährige ist Leistungsträger und Spielführer bei den Sturmkickern. „Ich hab schon bei vielen Turnieren mitgespielt“, erzählt er. Christoph behält den Überblick über den Platz und sortiert auch mal seine Mannschaftskameraden. Er ist schwer begeistert: „Mir gefällt einfach alles“, sagt er. „Am Besten ist es, wenn ich ein Tor schieße.“

Doch auch für nicht so geübte Sportler gibt es einen Platz bei den Sturmkickern. „Wir sind stolz auf jeden einzelnen“, sagt Knöferl-Graf. Es zählen auch die kleinen Erfolge. Im Team ist zum Beispiel ein Autist. „Er wollte am Anfang nicht mitmachen“, erinnert sich Knöferl-Graf. „Es war ihm zu eng auf dem Feld.“ Inzwischen steht der Junge auch mit den anderen auf dem Platz. Und noch etwas ist wichtig: „Der größte Erfolg ist, dass die Kinder hier das verwirklichen können, wovon sie träumen.“

Ein Traum hat sich bei der Mini-EM in der Allianz-Arena erfüllt. Nicht nur, dass sich die Kinder auf dem Platz den großen Fußballstars plötzlich ganz nahe fühlten. Sie waren auch sportlich erfolgreich: Das Sturmkickerteam Nordirland schaffte es ins Viertelfinale, Team Russland landete sogar auf dem dritten Platz.

Inklusions-Fußballcamp mit Real Madrid

Die Trainer der Sturmkicker organisieren gemeinsam mit dem TSV Indersdorf ein Inklusions-Fußballcamp mit der Fundación Real Madrid Clinics, der Fußballschule von Real Madrid. Teilnehmen können alle fußballbegeisterten Buben und Mädchen zwischen sieben und 14 Jahren – egal ob mit oder ohne Handicap. Eine Mitgliedschaft beim TSV Indersdorf ist nicht nötig. Von Montag, 5. September, bis Freitag, 9. September, wird zwischen 9.30 bis 15.30 Uhr Fußball gespielt. Es gibt täglich zwei Trainingseinheiten, die auf neuesten Methoden basieren. Das Training verläuft angepasst an die individuelle Spielstärke. Jeder Teilnehmer bekommt ein Trikotset, einen Trainingsball und eine Trinkflasche. Die besten Nachwuchskicker aus Indersdorf (bewertet wird nicht nur Talent, sondern auch Sozialkompetenz) qualifizieren sich für regionale Finalspiele. Die Sieger werden zu einer Madrid-Reise eingeladen. Die Teilnahme kostet 219 Euro. Anmeldungen sind auf der Internetseite www.frmclinics.com möglich. Weitere Infos gibt es bei Jürgen Graf (0 17 2/3 12 38 97).


Neue Mitspieler gesucht

Die Sturmkicker sind immer auf der Suche nach neuen Spielern. Es kann jeder zum Team kommen, egal ob Mädchen oder Junge, ob behindert oder gesund. Bei Interesse kann man sich bei Jürgen Graf (0 17 2/3 12 38 97) melden.

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