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Große Eigenleistung: Harald Edelmann, Johann Blank und Daniel Schneller (v.l.) bei Arbeiten im Gemeindehaus der Sittenbacher.

Gemeindehaus wieder herzeigbar

Ein Dorf arbeitet Hand in Hand

Sittenbach - Erst in zwei oder drei Jahren werden die Renovierungsarbeiten am Sittenbacher Gemeindehaus abgeschlossen sein. Doch die Dorfgemeinschaft hat bereits Erstaunliches vollbracht. Äußerlich ist das Gebäude wieder ein Schmuckstück.

Das alte Haus direkt in der Ortsmitte von Sittenbach kennt viele Geheimnisse. Es könnte Geschichten erzählen von rauschenden Burschenfesten, von frechen Schülern, von lustigen Theateraufführungen und von romantischen Hochzeiten. Über 100 Jahre hat das Sittenbacher Gemeindehaus schon auf dem Buckel – und es werden wohl noch einige Jahrzehnte und viele weitere Geschichten dazukommen – dank einiger engagierter Sittenbacher, die es jetzt in Eigenregie renovieren.

Herbst 2014: Das Gemeindehaus ist ein Schandfleck im Dorf. Von den Wänden fällt der Putz herunter, das Dach ist undicht, einige Fenster sind kaputt. Dass dort noch etwas zu retten ist, kann man sich auf den ersten Blick kaum vorstellen. Jahrelang schon haben Bürger und Gemeinderäte darüber diskutiert, wie es damit weiter gehen soll. Ein Abriss schien für viele die einzig vernünftige Lösung zu sein.

Nicht so für Harald und Elfriede Edelmann, Johannes Blank und ihre Mitstreiter. Sie hatten eine Vision: „Wir haben uns schon immer vorstellen können, wie gut das Haus aussieht, wenn es renoviert ist und wie gut das dem Ort tut“, sagt Harald Edelmann. Immer wieder haben sie sich deswegen an die Gemeinde gewandt und dafür sogar den Heimatverein ad honorem Sittenbach gegründet. Ein Gutachter hatte ihnen bestätigt, dass zwar das Dach undicht war, das Haus sonst aber kein Wasser gezogen hätte und der Zustand des Mauerwerks und des Dachstuhls gut seien.

Denn obwohl das Gebäude schon aus dem Jahr 1911 stammt, gibt es ein Betonfundament. „Es ist sehr zukunftsträchtig gebaut“, erklärt Johannes Blank. Ein Handwerker, der damals mit seiner Firma den Bau durchgeführt hat, soll sogar einmal zu seinem Enkelsohn gesagt haben: „Das Haus ist für Generationen gebaut.“

Der Mann hat recht behalten. Im September 2014 erfüllte sich endlich der Wunsch der Heimatvereinsmitglieder: Der Odelzhausener Gemeinderat gab sein Einverständnis für eine Sanierung – unter der Voraussetzung, dass die Dorfbewohner mit anpacken und einen großen Teil der Arbeiten in Eigenleistung erledigen.

Seit dem Frühjahr vergangenen Jahres wird jeden Samstag und zum Teil auch noch unter der Woche am Gemeindehaus gewerkelt und gebaut. „Spätestens seit das neue Dach drauf war, ist bei allen die Stimmung umgeschwenkt“, erzählt Harald Edelmann. Jetzt helfen alle mit: Junge wie Alte, Handwerker genauso wie Schüler, Studenten oder Büroangestellte. Eigentlich geht es längst um viel mehr als nur um Bauarbeiten: Es geht auch um den Zusammenhalt im Dorf, darum, gemeinsam etwas zu schaffen, worauf man stolz sein kann.

Bis jetzt ist schon viel passiert. Das Haus war bis zur Decke vermüllt, die letzten Mieter ließen alles völlig verkommen. Bevor mit der Sanierung begonnen werden konnte, mussten erst einmal Unmengen an Abfall und Schotter entfernt werden. Eine Außentreppe und eine Klärgrube wurden abgerissen, das Dach saniert, die Außenwände verputzt und neue Fenster eingesetzt.

Richtig schick schaut das Jugendstil-Gebäude von außen wieder aus. Doch es bleibt noch viel zu tun. Gerade werden Kellerböden erneuert und nicht mehr benötigte Türen zugemauert, der komplette Innenausbau steht noch an.

Die Devise ist dabei, möglichst vieles zu erhalten: Die Original-Türen werden renoviert, alte Ziegel wiederverwendet, gut erhaltener Boden bleibt drin. „Wir wollen eine behutsame und kostengünstige Instandsetzung“, sagt Edelmann. In den vergangenen 40 Jahren ist an dem Haus nichts mehr gemacht worden, zuvor wurde es aber immer wieder umgebaut. „Wände kamen rein und wieder raus, die Räume haben sich verändert“, erklärt Johannes Blank.

Schließlich hatte das Gemeindehaus viele verschiedene Funktionen. Die ersten Jahre wurde es als Treffpunkt für die Burschen genutzt, später ging es dann in den Besitz der Gemeinde über. Es diente zum Beispiel als Schulhaus, als Lehrerwohnung, als Gemeindeverwaltung, als Ort zur Getreideverarbeitung und als Mietwohnung. Anfang der 40er Jahre haben sich die Dorfbewohner dort getroffen, um die Deutsche Wochenschau anzuschauen, später wurden Kinofilme gezeigt und es gab Theateraufführungen.

Viele Sittenbacher haben irgendeine persönliche Erinnerung an ihr Gemeindehaus. Johann Blank zum Beispiel beantragte dort seinen ersten Ausweis, Harald Edelmann spielte dort als Kind mit seiner Oma, einer Mieterin, Karten.

Wenn die Renovierungen wie geplant im Jahr 2018 oder 2019 abgeschlossen sind, werden neue Erinnerungen dazukommen. Im Obergeschoss könnte vielleicht eine Ausstellung eingerichtet werden. Unten bekommen die Ortsvereine Räume, um sich zu treffen, kleine Arbeiten zu erledigen oder auch mal eine Veranstaltung abzuhalten. Es soll Kinovorführungen und in Kooperation mit dem Wirt Feiern geben, auch ein Tanzkurs ist schon geplant. „Da wird es dann hoffentlich richtig abgehen“, freut sich Harald Edelmann schon jetzt. Das alte Haus in Sittenbach wird wohl noch viele weitere Geheimnisse erfahren.

cla

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