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Als Rollstuhlfahrer kommt man ohne Hilfe nicht ins Rathaus Hilgertshausen.

Begehungen des VdK

Ein weiter Weg zur Barrierefreiheit

Hilgertshausen - Unüberwindbare Stufen, hohe Tresen, keine behindertengerechten Toiletten, kein Aufzug – die Mängelliste allein im Rathaus in Hilgertshausen ist lang, was die Barrierefreiheit angeht. Und sie lässt sich im Ort fortsetzen, wie das Ergebnis von Begehungen zeigt, die der VdK unternommen hat.

„Weg mit den Barrieren – Zukunft braucht Menschlichkeit“, das ist das Motto der breit ausgelegten Aktion des VdK Bayern. In Hilgertshausen haben schon vor rund einem Jahr seites des VdK Begehungen stattgefunden, mit dem Ziel, Barrierefreiheit zu fördern.

Im Gemeinderat hat nun der stellvertretende VdK-Ortsvorsitzende, Franz-Josef Karchhammer, zusammen mit dem Kreisvorsitzenden Anton Hassmann das Ergebnis dieser Begehungen vorgestellt. Wie Karchhammer erklärte, haben daran Edi Schieder, der Beauftragte für barrierefreien Tourismus und VdK-Schulungsleiter, Anette Pohl vom VdK-Landesverband und der Abteilungsleiter im Landesverband, Eberhard Grünzinger, teilgenommen.

Anhand von Bildern zeigte man dem Gremium auf, dass zur gewünschten Barrierefreiheit in Hilgertshausen noch ein weiter Weg ist. Hilgertshausen wird beim VdK als Pilotprojekt gesehen. Es sei topographisch schwierig, Hügel und Täler würden das Fortkommen von Menschen mit Behinderung besonders erschweren.

Karchhammer zeigte auf, dass die Probleme schon im Rathaus losgehen. Es gibt keinen ausgewiesenen Behindertenparkplatz vor dem Rathaus, und die zwei Stufen vor dem Rathauseingang machen den Zugang für Menschen mit Rollator oder für Rollstuhlfahrer unmöglich. Als Notlösung sollte eine Funk-Klingel angebracht werden, damit Besucher auf sich aufmerksam machen können.

Der Postkarteneinwurf in Reichweite eines Rollifahrers wäre ebenso erstrebenswert. Sollte man ebenerdig über den rückwärtigen Eingang in das Rathaus kommen können (eventuell mit Nachrüstung einer Rampe) könnte mit einem Hinweisschild darauf hingewiesen werden.

Auch auf der Internetseite der Gemeinde fehlen Hinweise, ob das Rathaus barrierefrei erreicht werden kann. Eine überbrückende Rampe am bestehenden Eingang müsste zweieinhalb Meter lang sein, damit man mit dem Rollstuhl ins Rathaus kommt.

Schwierig wird es für Behinderte auch im Rathaus selbst, denn es gibt keinen Aufzug zum Sitzungs- und Trauungssaal im ersten Stock, und auch an barrierefreien Toiletten fehlt es. Sowohl im Meldeamt, im Passamt als auch im Sekretariat gibt es keinen abgesenkten Tresen für Rolli- und Rollatorfahrer.

Schwerpunkte, die zur Barrierefreiheit im Ort angegangen werden sollten, seien neben dem Rathaus die Kreuzung Freisinger Straße/Münchner Straße, wo man das Pfarramt und die Apotheke vorfindet. Die Gehwege seien zu schmal und an den weiterführenden Straßen auch zu steil, mit einer Steigung von bis zu 17,5 Prozent. Die Steigung solle grundsätzlich nicht über 6 Prozent liegen. Links der Freisinger Straße endet der Gehweg und rechts ist überhaupt keiner vorhanden.

Unzureichend erscheint den Fachleuten vom VdK für sehbehinderte Menschen auch die Straßenbeleuchtung. Beim angedachten Kreuzungsumbau sollte daher besonders auf Barrierefreiheit geachtet werden. Drei Stufen verhindern derzeit den barrierefreien Zugang zum Pfarramt. Auch hier ist die Glocke oder der Briefkasten für einen Gehbehinderten nicht zu erreichen. Viel zu steil erscheint den VdK-Leuten auch die Rampe an der Apotheke, die mit 19 Prozent Steigung ein großes Problem sei. Hier biete sich als Notlösung vor den bestehenden Stufen eine Funk-Glocke an.

Selbst am Zugang zur Pfarrkirche St. Stephan gibt es wegen der vorhandenen Stufen Probleme für Rollstuhlfahrer. Hier könnte man aber durch leichtes Anheben des Pflasters Abhilfe schaffen. Aufgefallen ist bei der Begehung des Ortes auch, dass oftmals Gehwege durch Mülltonnen blockiert sind und so Senioren, Kinder und Menschen mit Geh- und Sehbehinderung Probleme haben, vorbeizukommen. Es sollte für die Gemeinde eine Gesamtplanung geben, über Gehwegführung, Straßenkanten und deren Absenkung.

Aufgefallen ist auch, dass es in Hilgertshausen keine Seniorenbeauftragte mehr gibt und in Tandern mit Christa Wagner zwar eine Seniorenbeauftragte vorhanden ist, aber wiederum nicht bekannt ist, wie man Christa Wagner barrierefrei erreichen kann.

Der VdK empfehle der Gemeinde zu den Bedarfsfällen die Beratungsstelle Barrierefreiheit der bayerischen Architektenkammer in Anspruch zu nehmen. Die Beratung umfasse über den Baubereich hinaus alle Fragen der Barrierefreiheit und zu Finanzierungshilfen. Die Beratung erfolge kostenlos. Kostenfrei sei auch die Wohnraumberatung über den VdK.

Ziel von Bürgermeister Hans Kornprobst ist es, in kleinen Stücken der Barrierefreiheit näher zu kommen. Insbesondere bei der Ausweisung von neuen Baugebieten wolle man künftig mehr an Barrierefreiheit denken. Gemeinderat Hans Glas (BL Tandern) vermisste eine Begehung im Ortsteil Tandern. Karchhammer sicherte ihm aber zu, dass die noch stattfinden werde.

ost

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