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„Don Qichotte, Stern des Südens, du wirst niemals untergehen!“ Die Darsteller schmettern die Don-Quichotte-Hymne – und bekommen Zwischenapplaus und Jubelrufe.

Theatersommer Bergkirchen

Ein Ritter zum Schieflachen

Theatervergnügen pur, unterhaltsam und mitreißend: „Don Quichotte“, ein neues Musicaletto, hat am Samstag auf dem Schloss Lauterbach Premiere gefeiert. 160 Besucher lachten sich schief über den verspäteten Ritter, der in die Welt hinauszieht, Abenteuer besteht und gegen Windmühlen kämpft.

Bergkirchen - Der Musikalische Theatersommer Bergkirchen 2016 in der Lauterbacher Sporthalle, eine Produktion des Hoftheaters Bergkirchen in Zusammenarbeit mit Robert und Ingrid Scheingraber, ist mit der Premiere glanzvoll eröffnet worden. Die herausragenden Darsteller, Sänger und Musiker sprühen vor Spielfreude und Temperament. Die Zuschauer feierten sie mit Zwischenapplaus und Jubelrufen. Etwa 160 Besucher kamen – ein paar Plätze waren noch frei. 

Herbert Müller hat die Bühnenfassung zu dem Roman „Don Quichotte“ des spanischen Nationaldichters Miguel de Cervantes geschrieben und führt die Regie bei der temporeichen, kurzweiligen Inszenierung des gleichnamigen Musicalettos. Aktuelle politische Bezüge und nachdenkliche Momente hat er eingebaut, denn es geht in dem Stück um den Kampf für ein gerechteres Leben. Die Musik zu dieser Uraufführung stammt von Max I. Milian, der den Klangteppich aus alten und neuen Melodien genial geknüpft hat. Das Festspielorchester unter der Leitung von Robert Scheingraber setzt die abenteuerliche Geschichte um Don Quichotte (Guido Drell) und seinen treuen Diener Sancho Pansa (Tobias Zeitz) beschwingt um. Die ungewohnt lange Bühne ermöglicht Ulrike Beckers, ein großzügiges, schlichtes Bühnenbild zu schaffen, in dem sich der vergnügliche Theaterspaß in spanischem Ambiente abspielt.

Guido Drell in der Titelrolle ist die ideale Besetzung für den in seine Träume versunkenen, hoch gewachsenen, imposanten Helden Alonso Quijano. Er überzeugt in seiner skurrilen Denkweise, wie er liebt und leidet und die Welt verbessern will. In einer herrlich komischen Szene schlägt Lorenzo (Jürgen Füser), der gerissene Wirt einer Hurenschenke, den Abenteurer Alonso mit einem Kochlöffel zum Ritter „Don Quichotte von La Mancha“. Dieser wähnt sich in höfischer Gesellschaft und sieht in der Tochter Lorenzos, Aldonza (Lisa Wittemer), die begehrte, schöne Prinzessin Dulcinea von Toboso. Für sie startet er den Kampf gegen das Unrecht und für das Gute in dieser Welt – „ Auf in den Kampf, Torreo“. 

Die Windmühle erscheint dem fahrenden Ritter als Riese, die Missgeschicke nehmen zu. Treue Dienste leisten ihm auf den Irrfahrten sein Klepper Rosinante (Ansgar Wilk), sein Schildknappe Sancho Pansa (Tobias Zeitz) zusammen mit dem philosophierenden, grauen Esel Rucio (Herbert Müller). Bei dem Ausflug in das Land der Fantasie löst Ansgar Wilk gleich zu Spielbeginn den ersten Beifallssturm aus, wenn er auf die Bühne „kleppt“, steppt und hingebungsvoll singt: „Caramba -ta, caramba -ta, ich bin ’ne tolle Tante“. Von altem Klepper keine Spur. 

Sancho Pansa verteidigt leidenschaftlich seinen Herrn und erntet Peitschenhiebe. Für die vermeintliche Freiheit hat er seine Frau Teresa (Ingrid Scheingraber) verlassen. In Anspielung auf den versprochenen Posten in der Stadt Granada stimmt Tobias Zeitz zum Dahinschmelzen schön den 1932 geschriebenen Welthit „Granada“ an, mit dem schon viele berühmte Tenöre Furore machten. Tosendem Beifall erntet der Sänger für den stimmgewaltigen Auftritt, wie er rappt und die Bühne rockt. Gesang und Musik aus Versatzstücken von Schlager, Walzertakten, bayerischer Folklore und Oper, wie „Carmen“ von George Bizet, haben es in sich. Die charmanten Chordamen umgarnen das Publikum, indem sie durch die Gänge ziehen und die Herren zum Tanzen einladen. 

Viel Beifall gibt es für die köstliche Persiflage auf „Ein bisschen Frieden, ein bisschen Träumen“, einst mit Gitarrenbegleitung von Nicole beim Grand Prix gesungen. Das ganze Ensemble greift zur Gitarre und schmettert kräftig mit. Als Stimmungsmacher übertreffen kann diese Einlage nur noch die umgemünzte FC Bayern-Hymne, die nun heißt: „Don Quichotte, Stern des Südens, du wirst niemals untergehen“. Da ist etwas dran, denn der Stoff aus der Weltliteratur ist bereits 400 Jahre alt.

 Das faszinierende Sommerspektakel 2016 mit Theater und Musik, das das Hoftheater Bergkirchen brillant in Szene gesetzt hat und das bis zum 7. August läuft, verspricht nach 2015 mit „Lumpazivagabundus“ wieder ein Erfolgsschlager zu werden. Im rechtzeitig fertig gewordenen Außenbereich der Halle mit Verbindung zum restaurierten Alten Schulhaus verwöhnt das Team von Hotel Gasthof Groß die Theaterbesucher mit spanischen Köstlichkeiten.

Ingrid Koch

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