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Weil eine 44-Jährige Frau in Hohenlinden ihre Nachbarschaft terrorisierte, muss sie jetzt ins Gefängnis.

Sieben Monate Haft für Hohenlindenerin

Rasierklingen im Schuh: Gefängnisstrafe nach Nachbarschaftsterror

Hohenlinden - Als sie Rasierklingen in ihren Turnschuhen fand, reichte es einer 39-Jährigen aus Hohenlinden. Sie erstattete im November 2015 Anzeige gegen die unter ihr wohnende 44-Jährige, die in dem dreistöckigen Mietshaus ihre beiden Nachbarinnen über und unter sich terrorisierte.

Dem Anschlag auf die Gesundheit der Mieterin im Dachgeschoss vorausgegangen seien mit Ketchup und Farbe beschmierte Wohnungs- und Autotüren, mit Acrylfarbe präparierte Fußmatten, mit Färbemittel versetztes Waschpulver. Außerdem habe sie die Nachbarinen mit nächtlicher musikalischer Dauerbeschallung genervt und den Garten und den Waschkeller vermüllt, sagten die beiden Frauen sowie der Vermieter (73) vor Gericht aus. Sogar ein Ventil in ihrer eigenen Küche habe die Frau mutwillig aufgedreht, bis das Wasser in der darunterliegenden Wohnung durch die Decke kam und diese getrocknet und gestrichen werden musste. 

Die Angeklagte sah sich als Geschädigte

Die Angeklagte, die, weil sie bereits zwei Prozesstermine platzen lassen hatte, aus der U-Haft vorgeführt wurde, bestritt die Vorwürfe samt und sonders vehement. „Ich bin die Geschädigte“, versuchte die 22-fach vorbestrafte Arbeitslose den Spieß sogar noch umzudrehen. Schließlich sei sie seit der vom Vermieter durchgesetzten Räumungsklage in einer Obdachlosenunterkunft untergebracht. Die beiden anderen Hausbewohnerinnen hätten sich gegen sie verschworen. Die Angeklagte gab sich von ihrer Unschuld überzeugt: Mit immer weiteren Nachfragen bis ins kleinste Detail – das Material der beschmierten Tür, der Zustand der Hausfassade – versuchte sie, Widersprüche aus den Zeugenaussagen herauszuarbeiten.

Der erhoffte Effekt stellte sich aber nicht ein – vielmehr strapazierte sie die Nerven der Anwesenden, inklusive die von Amtsrichterin Vera Hörauf und ihres eigenen Verteidigers. Dieser musste seiner Mandantin regelmäßig ins Wort fallen, wenn die Anschuldigungen gegen die Zeugen zu abstrus wurden. „Es waren jetzt genügend Widersprüche da“, erklärte die Frau dennoch siegesgewiss am Ende der Zeugenvernehmung. Zuvor war sogar noch im Raum gestanden, die Verhandlung zu vertagen und den Hohenlindener Bürgermeister Ludwig Maurer als Zeugen zu laden – er könne einen Teil der Aussage des Vermieters widerlegen. „Der Mann lügt“, ereiferte sich die Angeklagte.

„Ich bin ab nächster Woche im Urlaub und solange bleiben Sie dann im Gefängnis“, eröffnete die Richterin der Frau, die sich ihren Wunsch nach Vertagung daraufhin anders überlegte. Eingestellt wurde die Verhandlung schließlich nur in Bezug auf das aufgedrehte Boilerventil, da hier der 44-Jährigen nicht zweifelsfrei Absicht nachgewiesen werden konnte. 

Nach dem Urteil kommen Flüche von der Anklagebank

Der Schuldspruch kam am Ende wohl nur für die Angeklagte überraschend: Als die Richterin sie wegen versuchter schwerer Körperverletzung und Sachbeschädigung zu sieben Monaten Haft – wegen der vielen Vorstrafen ohne Bewährung – verurteilte, rang sie die Hände und fluchte auf der Anklagebank vor sich hin. „Offensichtlich besteht bei Ihnen eine Differenz zwischen der Eigenwahrnehmung und der Realität, die mal untersucht werden müsste“, kommentierte Hörauf das Verhalten. 

Der Verteidiger der Frau hatte zuvor auf Freispruch plädiert, da die Rasierklingen von der Polizei nicht sichergestellt wurden und sich theoretisch jeder hätte Zugang zu dem Haus verschaffen können. „Bevor und nachdem die Angeklagte in dem Haus wohnte, gab es keinerlei Vorfälle“, wischte Hörauf das Plädoyer beiseite. Die Frau kann somit in der nächsten Zeit nur noch ihren Zellennachbarn auf die Nerven gehen.

Von Anna Bierwirth und Josef Ametsbichler

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