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Fünfeinhalb Jahre Freiheitsstrafe kassierte ein 23-jähriger Angeklagter, der in Ebersberg seine Freundin niedergestochen hatte.

Jetzt droht Abschiebung

Messerstecher muss hinter Gitter

Ebersberg - Das Landgericht München II hat am Montag den 23-jährigen Mann, der im November 2015 in Ebersberg mit einem Messer auf seine Verlobte einstach, zu fünfeinhalb Jahren Haft verurteilt. Nun droht ihm die Abschiebung. Seine Mutter machte daraufhin eine tumultartige Szene.

Die Mutter des soeben Verurteilten schrie, sie weinte, sie tobte, sie drohte mit Selbstmord. Im Nu stand eine Schar von Wachtmeistern sowie ein Sanitäter vor dem kleinen Sitzungssaal B 264, doch die Frau ließ sich kaum beruhigen. Und alles nur deshalb, weil ihr die Vorführbeamten verboten hatten, ihren Sohn zu umarmen. 

Ähnlich impulsiv war der junge Mann wohl auch in einer Novembernacht 2015 ausgerastet, als er erkannte, dass sich seine Verlobte ihm nicht so unterwerfen würde, wie er sich das für die Ehe vorgestellt hatte. Er hatte ihr gedroht, ihr Top zu zerschneiden, sollte sie es vor dem Clubbesuch nicht ausziehen. Er fand sie schlampig und kündigte ihr schon einmal an, das sollte ihr letzter Abend in dieser Form sein. 

Der 23-jährige Messerstecher wurde zu fünfeinhalb Jahren Haft verurteilt.

„Bei der jungen Frau setzte ein Denkprozess ein“, sollte Vorsitzender Richter Oliver Ottmann später in seiner Urteilsbegründung resümieren. „Ihr wurde klar, dass sie ein fremdbestimmtes Leben in der Ehe würde führen müssen“, so seine weiteren Ausführungen. Deshalb kündigte sie ihm auch an, den für Mai vorgezogenen Hochzeitstermin zu verschieben. Die Einstellung des künftigen Ehemannes wollte sie doch vorher geklärt wissen. Und am nächsten Tag stand die Finanzierung des Saales für die Hochzeitsgesellschaft an. 

Wutentbrannt und völlig außer sich stach der aus Jordanien abstammende Metzger seiner Verlobten ein Messer in den Bauch, nachdem er zunächst versuchte hatte, sich an Matratze und Bettzeug abzureagieren. Der Richter sprach diesbezüglich später von „Triebabfuhr“. Der klägliche Versuch, das Traumgebilde einer Beziehung zu erhalten, scheiterte. 

Erst stach er zu dann rief er den Rettungswagen

Die schwer getroffene Verlobte erkannt, dass sie ohne ärztliche Hilfe würde sterben müssen. Sie schaltete in den Überlebensmodus um, bestätigte dem 23-Jährigen seine Liebe, riet ihm das Messer abzuwischen und es zu verstecken und den Notruf zu betätigen. Der in Panik geratene Angeklagte schaffte es kaum, die Adresse der Wohnung in Ebersberg zu nennen. Auch das musste die schwer verletzte Frau machen. Doch die Tatsache, dass er die Polizei alarmiert und anschließend die Frau versorgt hatte, verschaffte ihm später den rechtlichen Vorteil vom Rücktritt vom versuchten Mord. Der Schuldspruch lautete nur auf gefährliche Körperverletzung. 

Eine Not-Operation rettete der 23-Jährigen letztendlich das Leben. Die körperlichen Verletzungen hat die junge Frau überwunden. Psychisch allerdings sind sie und ihre kleine Tochter (5) schwer angeschlagen und befinden sich in Behandlung. Die Folgen seiner Tat hat der Angeklagte bis heute nicht erkannt, auch wenn er in seinem Letzten Wort sagte, dass es ihm unheimlich Leid tue, was passiert sei. Er habe die Liebe seines Lebens verloren. Verteidiger Lutz Libbertz hielt ihm zugute, dass er ein sehr zwiegespaltener Mann sei, der in der Tradition einer jordanischen Familie aufgewachsen sei, sehr wohl aber die Hilfsbereitschaft eines westlichen Mannes verkörpern wollte. Und: „Früher musste in Deutschland eine Ehefrau den Mann fragen, ob sie arbeiten durfte.“ Der Westen sei einfach sehr schnell gewachsen. 

Diese Worte machten auf den Richter keine Wirkung. Vielmehr die drohende Abschiebung wie auch die deutliche Reifeverzögerung hätten strafmildernd auf das Urteil gewirkt. Der Staatsanwalt hatte sogar ein Jahr mehr Haft gefordert.

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