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Das Opfer am Tatort: Diese Treppe stieß der Autoverkäufer seinen Kunden August L. (81) ohne Vorwarnung hinunter, bevor er mit einem Holzprügel auf sein Opfer losging.

Unerklärlicher Gewaltausbruch

Autoverkäufer schlägt Kunden nieder

Ebersberg – Ein Jahr muss ein Autoverkäufer ins Gefängnis, der den Ebersberger August L. (81) in dessen eigenem Haus die Treppe hinabgestoßen und anschließend brutal mit einem Vierkantholz geprügelt hat.

Das Urteil ist gesprochen, doch am Ende des Prozesses vor dem Ebersberger Amtsgericht ist das Motiv des 39-Jährigen völlig unklar.

Von vorn: August L. hatte im Frühjahr des vergangenen Jahres bei dem Mann aus dem Landkreis München, der damals bei einem großen Autohaus im Münchner Osten beschäftigt war, einen Wagen bestellt. Immer wieder habe der Verkäufer ihn vertröstet, sagte L. aus, bis zu jenem Tag im April 2015, an dem die Übergabe endlich über die Bühne hätte gehen sollen.

Dazu kommt es jedoch nie, denn als August L. gerade in Richtung Autohaus aufbrechen will, hält vor seinem Ebersberger Wohnhaus mit quietschenden Reifen ein Wagen. Vor der Haustür steht der Autoverkäufer mit der Nachricht, es dauere noch eine halbe Stunde, bis die Autopapiere fertig seien.

Ein verdächtiges Gebaren, doch August L. ist überrumpelt, lässt den unerwarteten Besuch in die Wohnung. „Das ist mir schon komisch vorgekommen“, ärgert er sich heute. Zögerlich, aber nichts Böses ahnend geht er auf die seltsame Bitte seines Gastes ein, die Wartezeit für eine Hausbesichtigung zu nutzen.

Dann, auf der Treppe vom ersten Stock zurück ins Erdgeschoss, geschieht das, was August L. bis heute noch nicht fassen kann: „Plötzlich habe ich zwei Hände auf meinen Schultern gespürt und dann hat er mich mit voller Wucht die Treppe hinuntergeschubst“, sagt der rüstige Senior aus, fassungslos, noch ein Jahr nach der Tat.

Zu den darauf folgenden Geschehnissen decken sich die Aussage des Rentners und das Geständnis des Angeklagten: Der körperlich fitte August L. berappelt sich und schimpft, mehr überrascht als ängstlich, mit dem Autoverkäufer. Als er dem Mann kurz darauf den Rücken zudreht, greift dieser nach einem zufällig im Schirmständer steckenden Holzteil und schlägt dem Senior gegen den Hals.

"Ich wusste, dass es um mein Leben geht"

August L. geht zu Boden. Als er den Mann mit dem Prügel in der Hand über sich stehen sieht, mobilisiert der Rentner aber schnell seine Kräfte. „Ich wusste, dass es um mein Leben geht.“ Die beiden Männer rangeln, die Waffe fällt zu Boden. Blutend, von dem Sturz an Kopf und Schulter verletzt und mit schmerzendem Hals alarmiert L. einen Nachbarn, der die Polizei ruft.

Diese findet den Täter in einer seltsamen Verfassung vor: „Ruhig, in sich gekehrt, fast ein bisschen traurig“, sagt der Beamte aus. Vor Gericht erklärt der Angeklagte, als ihm August L. vorgeworfen habe, ihn geschubst zu haben, seien ihm die Nerven durchgegangen. Er sei zuvor auf der Treppe gestolpert, habe L. versehentlich gestoßen. „Das kann ich in keiner Weise glauben“, kommentierte Richterin Vera Hörauf.

In das Urteil floss zudem eine weitere Tat ein: Der Angeklagte hatte seinem Arbeitgeber in einem Fall, der wohl nichts mit dem Angriff auf August L. zu tun hatte, die Zahlung einer Leasingrate unterschlagen – eine Masche wegen der der Autoverkäufer bereits 2010 einmal vor Gericht gestanden hatte. Diesmal lehnte die Richterin es ab, die Haft zur Bewährung auszusetzen. Besonders störte Hörauf, dass der Täter keine Gründe für den Gewaltausbruch und das seltsame Verhalten davor nennen konnte oder wollte: „Das finde ich sehr, sehr beunruhigend.“

Der zweifache Familienvater, der in Scheidung getrennt von seinen Kindern lebt, ist seit seinem Ausraster übrigens arbeitslos: Das Autohaus hatte ihm noch am selben Tag gekündigt. „Es tut mir wahnsinnig leid“, versuchte der Mann vor Gericht eine Entschuldigung. „Ich will nur wissen, warum Sie mich die Treppe runtergeschmissen haben“, erwiderte August L. Die Absicht dahinter bestritt der Angeklagte jedoch noch immer. „Dann brauchen wir nicht weiterzureden“, so L. Der 81-Jährige ist bis heute von dem Angriff gezeichnet – die Schmerzen an Schulter und Hals sind nur mit Tabletten auszuhalten.

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