Prozess am Ebersberger Amtsgericht

Kinderpornographie: Der Drang im Kopf

Ebersberg – Ein schüchterner, unauffällig wirkender junger Mann nahm am Donnerstag Platz auf der Anklagebank des Ebersberger Amtsgerichts. Das Geständnis aber, das der 25-jährige Altenpfleger mit leiser, schleppender Stimme ablegte, ließ in Abgründe blicken.

Kinderpornographisches Material hatte der Angeklagte aus dem westlichen Landkreis vor gut einem Jahr auf eine Internetplattform hochgeladen und über Online-Chats mit Gleichgesinnten ausgetauscht.

„Ich glaube, das genügt“, lautete bald der schmallippige Kommentar der Staatsanwältin, die mit versteinerter Miene auf den Bildschirm blickte, auf dem das schockierende Beweismaterial zu sehen war: Dutzende Nacktfotos und Bilder in aufreizenden Posen von Babys und Heranwachsenden – und mehrere verstörende Szenen, die Kinder zwischen fünf und acht Jahren beim Geschlechtsverkehr mit Erwachsenen zeigen.

Mit einem scheuen Nicken bestätigte der junge Mann, dass er das abstoßende Material auf seinem Rechner gespeichert und ins Internet gestellt hatte.

„Ich gebe es zu“, räumte der Angeklagte von Anfang an seine Schuld ein. Er sei inzwischen in psychologischer Behandlung, kämpfe gegen sein Verlangen nach den verbotenen Bildern.

"Mich erregt das eigentlich überhaupt nicht"

„Es ist einfach so ein Drang in meinem Kopf“, lautete sein Erklärungsversuch dafür, dass er rückfällig wurde, obwohl er bereits 2015 wegen eines ähnlichen Vergehens zu einer Geldstrafe verurteilt worden war. „Mich erregt das eigentlich überhaupt nicht, ich kann es auch nicht erklären.“

Diese Aussage wiederum sorgte für Erstaunen bei Gericht und Staatsanwaltschaft. „Was reizt Sie dann?“, wollte Richterin Vera Hörauf wissen. Es folgte betretenes Schweigen. Sein Mandant sei in der Berufsschule einmal selbst Opfer eines sexuellen Missbrauchs geworden, das hätten die psychologischen Sitzungen zu Tage gebracht, führte der Verteidiger des 25-Jährigen an, möglicherweise habe sein Verhalten damit zu tun. „Ich habe eine Krankheit im Kopf, die behandelt werden muss“, rang der sichtlich reuige und eingeschüchterte junge Mann selbst um eine Erklärung.

Seitdem er endlich einen Therapieplatz bei einer Psychologin erhalten habe, mache er dabei Fortschritte. Außerdem habe sein Vater die Chatseiten mit einer Internetsperre versehen, versicherte der Angeklagte, der noch zuhause bei seinen Eltern wohnt.

Die Staatsanwältin wollte nicht gelten lassen, dass der geständige Täter Besserung gelobte. Sie forderte wegen der einschlägigen Vorstrafe und der schnellen Rückfälligkeit eine Haftstrafe von einem Jahr und sechs Monaten ohne Bewährung. Als „absoluten Irrsinn“ bezeichnete dessen Verteidiger die Forderung nach einer Gefängnisstrafe. Sein Mandant habe eine berufliche Perspektive, sei selbst zum Teil auch Opfer seines unerklärlichen Verlangens.

"Wenn nochmal was vorkommt, ist Schicht im Schacht"

Die Richterin folgte dieser Argumentation und verurteilte den Angeklagten wegen Besitzes und Verbreitung von kinder- und jugendpornographischem Material zu einem Jahr und vier Monaten Haft auf Bewährung sowie einer Zahlung von 1500 Euro an den Kinderschutzbund.

Als positiv wertete Hörauf das freimütige Geständnis sowie die Therapiebemühungen des jungen Täters. Sie ließ ihrem Urteil jedoch mahnende Worte folgen: „Wenn nochmal was vorkommt, ist Schicht im Schacht.“

Bei seiner vorherigen Verurteilung sei der Mann „einfach rausmarschiert und hat weitergemacht“, so die Richterin. Bei einem weiteren Rückfall drohe ihm eine lange Haftstrafe. Der Angeklagte nahm das Urteil gefasst auf, mit gesenktem Blick und einem betretenen Nicken.

Rubriklistenbild: © dpa

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