Thomas Warg bei einer der zahlreichen Stadtführungen durch die Kreisstadt Ebersberg. Foto: Stefan Rossmann

Stadtführungen sind der Renner

Ebersberg - Projektleiter Thomas Warg präsentierte den Ebersberger Stadträten jetzt eine Erfolgsbilanz. Kleiner Wermutstropfen: Die Aktion ist nicht kostendeckend.

Die Historie von Ebersberg ist verhältnismäßig schnell erzählt. Dass an diesem kleinen und recht unbedeutenden Ort Stadtführungen gut besucht würden, daran hatten nicht nur Teile des Stadtrats erheblich gezweifelt. Es kam anders.

Nach einem ersten guten Jahr Stadttouren durch Ebersberg wurden die Spötter eines besseren belehrt: Projektleiter Thomas Warg kann kaum mehr alle Interessenten bedienen und spricht in seiner Jahresbilanz von vier Monate im Voraus ausgebuchten Führungen.

145 Touren mit durchschnittlich 15 bis 20 Besuchern wurden in den vergangenen zwölf Monaten durch Ebersberg geführt, hat Warg den Stadträten in der jüngsten Sitzung des Kulturausschusses berichtet. Im Schnitt sind das knapp drei pro Woche. „Das kann sich wirklich sehen lassen“, meinte er stolz.

Bürgermeister Walter Brilmayer (CSU) pflichtete ihm bei. Es sei schier „unglaublich, wie sich das Projekt entwickelt hat“, und CSU-Stadtrat Martin Schedo sprach von einer „Erfolgsgeschichte“ entgegen aller Skepsis auch aus den eigenen Stadtratsreihen.

Mittlerweile bieten Warg und seine 18 Stadtführer neben den klassischen Touren durch die historische Altstadt oder das umgebende Landschaftsschutzgebiet spezielle Touren unter anderem für Familien, Kindergärten, Schulklassen, Hundebesitzer, Gruselfans, Sakralbauinteressierte, Kräutersammler und Volkshochschul-Sprachkursbesucher an. „Und es entstehen ständig neue Führungen“, erzählt Warg.

Die Besucher seien zum einen Ebersberger, die ihre Stadt ein wenig besser kennenlernen wollen. Aber der Radius habe sich inzwischen erweitert: „Von Erding bis Bad Aibling, von Vaterstetten bis Wasserburg kommen Ausflügler zu uns. Nur die Münchner haben wir noch nicht, aber das schaffen wir auch noch“, sagte Warg.

Ein wichtiges Standbein seien die in der Nähe angesiedelten Unternehmen, die eine Stadtführung gerne als Rahmenprogramm für ihre Betriebsausflüge oder Weihnachtsfeiern buchten. Auch zu Familienfeiern, runden Geburtstagen oder Klassentreffen würden Touren angefragt. Pro Stunde und Person kostet die Teilnahme an einer Führung drei Euro. Die Tourleiter erhalten eine Aufwandspauschale von 20 Euro pro Stunde. „Wir wirtschaften also durchaus positiv“, rechnete Warg den Stadträten vor.

Dennoch werden die Einnahmen aus dem ersten Jahr, die bei gut 5000 Euro liegen, die Ausgaben von etwa 15 000 Euro nicht decken, erklärte Bürgermeister Brilmayer.

Das werde wohl noch dauern. Wenn auch nicht finanziell, so seien die Führungen doch eine „absolute Bereicherung“ für die Stadt und das Stadtmarketing, sagte Brilmayer. „Es ist so wichtig für eine Stadt, dass man immer mal wieder Menschengruppen durch die Innenstadt laufen sieht“, meinte der Rathauschef. „Wenn sich a bisserl was rührt, entwickelt sich das Zentrum von ganz alleine und todelt nicht.“

Von Uta Künkler

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