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Gernot Straka (r.) und sein Kollege Tobias Philippzig im Untersuchungszimmer in Ebersberg. Gut 20 Minuten dauert eine Darmspiegelung. Dann wissen sie und der Patient, ob ein Krebsleiden vorliegt oder nicht. Unter Umständen werden frühzeitig auch Polypen entfernt, die ansonsten noch gefährlich hätten werden können.

Keine Angst vor einer Darmspiegelung

Im Schlaf kommt die Gewissheit

Ebersberg - Über 100 Frauen und Männer aus dem Landkreis erkranken pro Jahr an Darmkrebs. Gut 35 bis 40 sterben daran. Das muss nicht sein. Fachärzte werben für Vorsorgeuntersuchungen. Wie diese Koloskopien ablaufen, darüber gibt es vielfach falsche Vorstellungen. Ein Erfahrungsbericht.

Am Anfang ist die nicht wirklich quälende Frage, ob das benötigte Abführmittel in der Geschmacksrichtung Orange oder Zitrone bevorzugt wird. Gut schmeckt weder das ein noch das andere. Der Orangengeschmack macht aus dem momentanen Marktführer unter den Abführprodukten zur Vorbereitung von Darmuntersuchungen keine Fanta, und ein Sprite wird es im Alternativfall auch nicht. Hier ist es der Zweck, der das Mittel heiligt. Schließlich sollte ein Darm möglichst vollständig entleert sein, wenn eine Dickdarmspiegelung (Koloskopie) ansteht. Das Zeug wirkt, Geschmack hin oder her, gründlich. Und darauf kommt es ja schließlich an.

EZ-Redakteur Jörg Domke (55) war im Herbst 2011 an Darmkrebs erkrankt. Die Diagnose entstand eher zufällig. Nach einer erfolgreichen OP sind nun fünf Jahre vergangen. Die letzte Darmspiegelung vor einigen Wochen zeigte keine Befunde.

Ärzte wie Gernot Straka, der im Katharinenhof in Ebersberg eine Gastroenterologische Praxis betreibt, wissen, dass viele ihrer Patienten die Nase rümpfen, wenn die Sprache auf die heutzutage gängigen Abführmittel kommt. Früher, sagt er, habe man ein paar Liter trinken müssen, heutzutage sind es derer nur noch zwei. Das ist zweifelsfrei ein Fortschritt. Wem der Orangen- oder Zitronengeschmack des Herstellers noch immer keinen Appetit macht, der kann ja immerhin zum Verfeinern einen Schuss klaren Apfelsaft hinzufügen, wie es auf einem „Merkblatt zur Koloskopievorbereitung“ so schön heißt.

Gerne wird schon mal das Unappetitliche an diesen Abführhelfern angeführt, um sich innerlich zu drücken vor einer Darmspiegelung. Einer Untersuchungsmethode, der noch immer das Image des Unangenehmen, Peinlichen anhaftet. Auch Straka weiß das. Der Ebersberger Facharzt bemüht sich schon seit vielen Jahren, im Einvernehmen mit vielen seiner Kollegen, immer und immer wieder, Reklame zu machen für Darmspiegelungen – und der Hauptzielgruppe dabei, Frauen und Männern über 50 Jahre, die Vorbehalte zu nehmen. Gerne macht man im so genannten Darmmonat März auf die Notwendigkeit solcher Eingriffe aufmerksam, vor denen nach wie vor Ängste bestehen.

„Unbegründete Ängste“, wie Straka meint. Im Wartezimmer seiner Praxis liegen mehrere Ringordner mit Zeitungsartikeln, die auf vergangenen Kampagnen aufmerksam machen. Die, die diese Artikelsammlungen hier zu lesen bekommen, müssen aber gar nicht mehr überzeugt werden. Sie haben den Weg in die Fachpraxis schließlich längst gefunden. Es gilt die zu erreichen, die nach wie vor falsche Vorstellungen haben von einer Koloskopie.

Wie läuft eine solche Darmspiegelung wirklich ab? Es ist eine Untersuchungsmethode, bei der ein Facharzt, zumeist ein Gastroenterologe, mit einer Spezialkamera den für eine Krebsbildung relevanten Teil des Darms anschaut und dabei nach so genannten Polypen sucht, um sie im Falle eines Falles gleich abzuzwicken und damit unschädlich zu machen?

Eine Schilderung aus der Praxis aus Patientensicht: Bei einem Untersuchungstermin am Nachmittag gilt, dass am Vorabend lediglich noch eine klare Suppenbrühe zu sich genommen werden sollte. Die macht zwar nicht satt, tut aber auch nicht weh. Schon fünf Tage vor dem Eingriff wird angeraten, keine Nüsse, Vollkornprodukte, Müsli oder Obst mit kleinen Kernen zu verspeisen. Auch das ist machbar. Bestimmte Medikamente (Blutverdünner) sollten noch früher abgesetzt werden.

So ein Untersuchungstag startet also am frühen Morgen mit dem ersten Liter Abführmittel. Das wird aus zwei zusammengerührten Pulverbeuteln hergestellt und muss innerhalb einer Stunde getrunken werden. Die Wirkung lässt nicht lange auf sich warten. Ein Grummeln stellt sich schon nach weniger als einer halben Stunde ein. Und spätestens dann sollte man wissen, wo im Umkreis von weniger als einer halben Minute ein WC zu finden ist.

Der erste Liter treibt den Patienten schon mal fünf- bis sechsmal aufs stille Örtchen. Danach beruhigt sich die Arbeit im Verdauungstrakt erst einmal. Zur harten Probe wird, dass zum Magenknurren oft auch noch Hungergefühle kommen. Dann heißt es: Stark bleiben. Auch das: aushaltbar.

Liter Nummer zwei wartet schon. Und wir reden nun bereits von der Mittagszeit. So wirklich will sich der Gaumen an den Geschmack, heute mal Orange, nicht gewöhnen. Wer das Zeug aber schnell herunterschüttet und dabei zusätzlich ausreichend Mineralwasser trinkt, tut sich spürbar leichter. Die zweite „Ladung“ wirkt, ganz ohne Frage, noch gründlicher. Das WC sollte man nun wirklich nicht mehr aus den Augen lassen. Etwa ein halbes Dutzend weiterer Gänge sind unvermeidlich. Dabei werden die Restinhalte im Darm immer flüssiger und klarer. Im Idealfall sehen sie aus wie Urin und sind ohne feste Bestandteile. Wenn im Verdauungstrakt nichts mehr ist, was verdaut werden könnte, merkt das der Patient sofort. Dann kommt auch nichts mehr. Die Abführphase ist überstanden.

Am Nachmittag ist dann der Arzt an der Reihe. Darmspiegelungen laufen heutzutage aus Patientensicht in nahezu gleicher Weise ab. Man kann sie im Krankenhaus machen oder eben bei Fachärzten. Wer will, kann in vollem Bewusstsein miterleben, wie der Arzt die Untersuchung vornimmt. Die Meisten, so Straka, bevorzugen eine „Schlafspritze“. Im laufenden Gespräch mit dem Arzt entschläft der Patient recht schnell, spürt von dem nachfolgenden Eingriff absolut nichts und wacht, meist 20 bis 25 Minuten später, so plötzlich wieder auf, wie er sich aus der Welt der Wachen zuvor verabschiedet hatte. Im Idealfall im Aufwachzimmer. Manchmal auch noch im Behandlungsraum.

Was in den gut 20 Minuten, so lange dauert eine normale Spiegelung, passiert ist, bleibt ihm verborgen. Die Taktiken, damit umzugehen, sind vielschichtig. Manche wollen im Detail gar nicht wissen, was mit ihnen angestellt wurde. Die fahren womöglich am besten. Wer viel weiß über Darmspiegelungen oder über sie zu wissen glaubt, tut sich naturgemäß mit einer persönlichen Aufarbeitung etwas härter. Die einen oder anderen klagen schon mal über zumeist leichte Schmerzen im Gesäßbereich, die aber schnell wieder vergehen. Andere spüren nicht mal das. Und haben nur noch zu beachten, wegen der vorübergehenden Narkose „light“ in den nächsten Stunden kein Auto fahren zu dürfen.

Dafür aber ist ihnen die Gewissheit gegeben, im Idealfall in Sachen Darmkrebs für die nächsten Jahre Ruhe zu haben. Oder aber, wie der Autor dieser Zeilen 2011 selbst erleben musste, erfahren zu haben, dass dringend Handlungsbedarf besteht, weil aus Polypen ein Tumor geworden ist.

Gernot Straka: „Keine Krebsart ist nach dem heutigen medizinischen Stand so gut zu behandeln wie der Darmkrebs, die zweithäufigste Tumorerkrankung in Deutschland. Grundvoraussetzung: eine frühzeitige Erkennung.“ Darauf hinzuweisen ist ihm (und seinen Kollegen) nach wie vor ein dringendes Bedürfnis, auch abseits des Darmvorsorgemonats März.

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