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Hier wird die Matratze in den Gerichtssaal geschleppt, wo anschließend der Staatsanwalt auf sie einstach - zu Demonstrationszwecken.

Ebersberger Messerprozess

Staatsanwalt sticht auf Matratze ein

Ebersberg - So etwas hat man vor Gericht noch nicht gesehen. Mitten im Verhandlungssaal ließ das Landgericht München II am Dienstag ein verschnörkeltes, weiß lackiertes Bett mitsamt Matratze und Bettdecke aufbauen.

Vor dem Richtertisch sollte demonstriert werden, ob und wie der angeklagte Hausmeister (23) auf die Matratze eingestochen hatte, bevor er am 28. November vorigen Jahres in einer Ebersberger Wohnung mit dem Messer auf seine Verlobte (23) einstach. 

Der Mann aus dem Münchner Hasenbergl muss sich seit 10. August wegen gefährlicher Körperverletzung verantworten. Laut Anklage soll der 23-Jährige durchgedreht sein, nachdem ihm seine Verlobte gesagt hatte, dass sie ihn nicht wie geplant heiraten wolle. Er holte ein Messer mit einer Klinge von 19 Zentimetern Länge aus der Küche und wollte auf sie einstechen. Er brachte es zuerst jedoch nicht über sich – und rammte das Messer stattdessen drei Mal in die Matratze, so die Anklage. 

Als die 23-Jährige daraufhin versuchte, die Polizei anzurufen, habe er ihr Handy gegen die Wand geworfen und ihr das Messer in den Oberbauch gerammt. Dabei verletzte er Leber und Magen. Am ersten Prozesstag hatte der Hausmeister behauptet, es habe sich um einen Unfall gehandelt, nachdem er seiner Lebensgefährtin das Messer aus der Hand genommen habe. Sie habe ihn zuvor attackiert – Tage zuvor habe sie schon aus Wut über angebliche Nebenbuhlerinnen ins Bett gestochen.

Der Angeklagte gab an, seine Verlobte habe auf die Matratze eingestochen

Ein Sachverständiger untersuchte die Matratze. In seinem Gutachten kam er zu dem Schluss, dass es nicht dasselbe Messer war, mit dem auf das Bett und auf die Frau eingestochen wurde. Bei den Stichen in das Bett „muss es ein schärferes Messer gewesen sein“, sagte er. Denn das Küchenmesser sei zu stumpf gewesen, um Länge und Tiefe der Stiche in die Matratze erklären zu können. 

Doch vor Gericht kam es anders. Der Vorsitzende Richter Oliver Ottmann und Staatsanwalt Florian Schweyer probierten es selbst: Sie zogen sich Handschuhe an, nahmen das Tatmesser und stachen auf das Bett ein. Und siehe da: Stiche, wie sie in der Matratze gefunden wurden, waren doch möglich. Die These aus dem Gutachten „wird so nicht aufrecht zu erhalten sein“, sagte der Vorsitzende. „Wir waren mit dem ursprünglichen Gutachten zufrieden“, sagte hingegen Verteidiger Lutz Libbertz. 

Das Gericht verlas Briefe des Angeklagten an seine Ex-Verlobte, in denen er seinen Emotionen freien Lauf lässt. „Es war die schönste Zeit meines Lebens“, schreibt er über die gemeinsame Zeit mit der 23-jährigen aus Ebersberg. „Alle Tränen waren es wert.“ Er werde nie wieder „eine so süße und liebe Frau“ finden wie sie. Einer Bekannten schreibt er: Die 23-Jährige sei „das Wichtigste in meinem Leben“. Er werde sie heiraten. Der Prozess wird fortgesetzt.

Lesen Sie auch den Bericht vom zweiten Prozesstag, an dem die Mutter des Opfers aussagte.

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