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Norbert Probul, Johann Taschner und Harry Heine (v.l.) von der Unteren Naturschutzbehörde des Landratsamts Ebersberg an einem Baum, der von einem Biber beschädigt wurde.

"Meister Bockert" im Landkreis Ebersberg

Biber nagt an den Nerven der Landwirte

Landkreis - Er sieht niedlich aus und ist wertvoll für das Bestehen natürlicher Flusslandschaften. Doch der Biber richtet auch erhebliche Schäden im Landkreis Ebersberg an. Eine Spurensuche.

Es ist ein Idyll: Der Weiher liegt nur ein paar Meter abseits der Straße, doch er ist etwas versteckt und wenig bekannt. Das Areal sieht nach Urwald aus: übereinanderliegende Äste, umgestürzte Bäume, dichtes Unterholz. Nahe am Ufer eine mächtige Weide, die Rinde und teilweise auch das Stammholz sind wenige Zentimeter über dem Boden beschädigt. Ein Biber hat hier zugeschlagen. Und der Nager ist auch für manch andere Veränderung am Weiher bei Grafing verantwortlich.

„Aber die Weide hält das aus“, sagt Norbert Probul, in der Unteren Naturschutzbehörde des Landratsamtes unter anderem als Biberberater tätig. Im Allgemeinen ist „Meister Bockert“, wie er in Fabeln genannt wird, positiv besetzt. Es gibt Biber als Kuscheltiere oder in Trickfilmen. Kinder lieben ihn. Doch er richtet auch Schäden an.

Der erste der wieder eingewanderten Biber im Landkreis wurde vor rund 25 Jahren gesichtet. Er war tot, als man ihn entdeckte, überfahren auf der damals neuen A 94 im nördlichen Landkreis. Das Tier wurde ausgestopft und steht noch heute in einer Vitrine im Landratsamt Ebersberg. Seine Artgenossen erfreuen sich ein Vierteljahrhundert später aber ihres Lebens. Nachdem der Biber über rund 100 Jahre als ausgestorben galt, hat er inzwischen alle stehenden und fließenden Gewässer im Landkreis wieder besiedelt, berichtet Johann Taschner, Leiter der Unteren Naturschutzbehörde.

1966 wurde der größte europäische Nager an der Donau ausgesetzt. Er breitete sich weiter aus. Wie viele Biber heute im Landkreis Ebersberg leben, ist nicht bekannt. „Wir haben keine Kartierung“, sagt Taschner. „Dafür haben wir keine Kapazitäten, es würde viel kosten, bringt aber nichts.“

Zählen kann man hingegen, wie viele Beschwerden es wegen des Bibers pro Jahr gibt, nämlich 40 bis 50. „90 Prozent davon können wir in Gesprächen schnell abarbeiten“, sagt Probul. In einer Region wie Ebersberg mit intensiver Landwirtschaft bleiben Konflikte nicht aus. Bei drei bis fünf Fällen pro Jahr geht es um intensivere Probleme.

„Der Biber ist der Baumeister natürlicher Flusslandschaften“, erklärt Max Finster von der Naturschutzbehörde. Durch den Menschen wurde in den vergangenen Jahrzehnten viele Bäche und Flüsse kanalisiert. „Der Biber hilft mit, diese Entwicklung wieder zurecht zu rücken.“ Er baut Wohnburgen aus Holz und staut auf, damit die Eingänge zur Behausung unter Wasser liegen. Die Arbeit des Nagers sorgt für Lebensräume, die andere Arten nutzen können, beispielsweise Frösche. Zudem dienen die Baumwerke und auch die sonstigen Aktivitäten dem Hochwasserschutz, weil nach einem Starkregen das Wasser langsamer abfließt.

Schädlich wird das Treiben des Nagers, wenn er beim Bau einer Behausung von Menschen errichtete Hochwasserdämme unterminiert, sich in Straßenböschungen gräbt oder Fischteiche und damit möglicherweise Existenzen gefährdet. „Da müssen wir dann sofort etwa unternehmen“, betont Taschner. Der Biber ist Vegetarier, frisst Bäume an oder zieht Maispflanzen ins Wasser. Auch können durch Biberdämme Felder, Wiesen oder Waldstücke vernässt werden. Traktoren können am Ufer einbrechen.

Betroffene Landwirte erhalten aus einem Fonds des Freistaats eine Entschädigung. „Doch die Landwirte sind damit nicht zufrieden“, räumt Taschner ein. Die Entschädigung sei selektiv und decke nur 60 Prozent der Einbußen ab. Auf dem Rest bleibe der Landwirt sitzen. Aus der Behörde kommt nun der Vorschlag, dass der Landkreis hier einspringen könnte, um den Landwirten entgegen zu kommen. „Aber darüber müssen wir noch reden.“

Um Schäden zu vermeiden, würde Taschner gerne an Gewässern einen Uferstreifen von etwa 20 Metern von landwirtschaftlicher Nutzung frei halten. Dann würde sich die Beeinträchtigung in Grenzen halten. „Da kann man viel entschärfen.“ Der Biber entferne sich selten weit vom Wasser. „Schnell laufen kann er nicht.“ Auf dem landwirtschaftlich nicht genutzten Grünstreifen könne sich der Nager dann austoben.

Auch das Wasserwirtschaftsamt setzt auf die freien Uferstreifen. Denn so vorsichtig beispielsweise beim Düngen auch vorgegangen werde, es könne Eintragungen ins Wasser geben. „Das ist gar keine Absicht“, so Taschner. Doch die Grundstücke zu bekommen, sei schwierig. Die Landwirte sagten, sie bräuchten sie als Produktionsflächen.

Der Biber hat außer Hunden eigentlich keine natürlichen Feinde, da Wölfe oder Bären fehlen. Die Nager sind aber öfters „Verkehrsopfer“, werden auf Straßen überfahren. Auch vergiftete oder erschlagene Tiere werden gefunden.

Dass die Population der Nager überhand nehmen könnte, also eine Biber-Invasion droht, erwartet man in der Naturschutzbehörde nicht. Biber hätten ihre festen Reviere, die verteidigt werden. Jungtiere würden abwandern. Es kommt zu einer natürlichen Auslese. „Da muss der Mensch nicht eingreifen.“

Konflikte können aber auch gelöst werden, wie beispielsweise im Kirchseeoner Moos. Dort dient unter anderem ein Hauptkanal zur Entwässerung und zum Schutz der Wohnbebauung. Doch auch der Biber findet diesen Kanal neben der Straße und seine Nebenadern im Osten des Mooses offenbar interessant und versucht, Dämme zu bauen. Um ständige Überschwemmungen zu verhindern, räumt der Bauhof Kirchseeon konsequent regelmäßig den Kanal frei. „Der Biber ist zwar geschützt, und das gilt auch für seine Dämme und Burgen. Aber es gibt Ausnahmen“, sagt Taschner. „Man muss nur mit uns reden.“ In Kirchseeon funktioniere die Zusammenarbeit mit der Gemeinde sehr gut. Der Biber habe sich inzwischen, weil er ständig gestört wurde, in einen etwas entfernt gelegenen Weiher zurückgezogen.

Dass Menschen in der Nähe ihre Häuser haben, stört den Nager nicht. In Glonn lebt der Biber beispielsweise mitten im Ort. Das gilt auch für Ebersberg oder Moosach. Dort kann man ihn auch manchmal am Abend oder am Morgen beobachten. Aber: Es können schon mal Obstbäume in Privatgärten angeknabbert werden. „Die sollte man durch Einzäunen sichern“, rät Probul. Eine staatliche Entschädigung gibt es für Hausgärten nicht. In Pliening wurden Biber sogar einmal in einer Garage entdeckt. Besser sind als Lebensräume natürlich weitgehend naturbelassene Gewässer, wie eben der Weiher bei Grafing. „Hier kann der Biber nicht viel Schaden anrichten."

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