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Die Familie Hellmich freut sich über den Zuspruch.

Nach Schmähbrief

4. Kind: Welle der Solidarität mit Ebersberger Familie

Ebersberg - Wir waren vollkommen überrascht von den positiven Reaktionen“: Florian Hellmich und seine Frau Annemarie sehen sich einer „Welle der Solidarität“ gegenüber. Auslöser war ein anonymer Brief.

In dem mit Schreibmaschine getippten Schmähbrief wurde die Familie beschimpft, weil das Ehepaar ein viertes Kind bekommen hatte. Unter denen, die den Hellmichs zu dieser Entscheidung jetzt gratulierten, ist auch Heinrich Kurz, Ruhestandspfarrer von Oberndorf. Er will den Eheleuten 100 Euro schenken, als kleine Geste und Zeichen der Sympathie. „Das ist meine Art der positiven Rachsucht“, sagt Kurz, der der Ebersberger Zeitung erzählte: „Ich bin selbst in einer großen Familie aufgewachsen. Meine Mutter hatte sechs Kinder. Ich war das sechste.“ Seine Existenz verdankt der 89-jährige Geistliche damit der Entscheidung seiner Eltern, sich nicht nach dem 5. Kind gegen weiteren Nachwuchs zu entscheiden, und das, obwohl die Familie damals in beengten Verhältnissen lebte. „Wir haben in einer Zwei-Zimmer-Wohnung gewohnt. Das war über einer Drahtfabrik“, erinnert sich Kurz.

Auch andere Menschen haben die Familie Hellmich in ihrer bewussten Entscheidung für ihren vierten Nachwuchs bestärkt. „Aus der Nachbarschaft ist der anonyme Brief jedenfalls nicht gekommen“, glaubt Vater Florian. Für diese These spricht, dass auch eine Vaterstettener Familie mit dem anonymen Briefeschreiber unschöne Erfahrungen gemacht hat. „Auch ich habe diesen schrecklichen Brief nach der Geburt unseres Sohnes Josef im April 2015 erhalten“, berichtet Veronika S. aus Hergolding. Sie freut sich für die Hellmichs: „Herzlichen Glückwunsch zur Geburt ihrer Tochter Theresa. Es ist schön zu hören, dass es doch immer wieder kinderreiche Familien gibt“, sagt die Mutter und meint: „Der Schreiber bedenkt nicht, dass er mit solchen Beleidigungen die Menschen tief verletzen kann.“

Der Mann von Veronika S. hatte den anonymen Schmähbrief damals bei der Polizei in Vaterstetten abgegeben und Anzeige gegen unbekannt erstattet. Florian Hellmich hat sich bei der Staatsanwaltschaft erkundigt und weiß deshalb, dass das Verfahren eingestellt wurde. Er hat aber erfahren, dass der anonyme Briefeschreiber nicht nur etwas hat gegen kinderreiche Familien, sondern auch gegen Autofahrer, die seiner Meinung nach die Umwelt zu stark belasten würden. „Diese Briefe wurden auf derselben Schreibmaschine geschrieben“, berichtet Hellmich von den Ermittlungen.

Auch im Fall der Familie von Veronika S. hat der Unbekannte auf einen Artikel reagiert, der in der Rubrik „Willkommen“ des Münchner Merkur über die Geburt des kleinen Josef erschienen ist. Die Ermittlungen verliefen im Sand. Leider habe man nichts mehr von der Staatsanwaltschaft gehört. „Ich fände es gut, wenn die Familien in Ebersberg vorgewarnt würden, mit welcher Post sie zu rechnen haben, ab der Geburt des 4. Kindes“, sagt die Hergoldinger Mutter. „Damit sie darauf vorbereitet sind und um nicht genauso schockiert zu werden, wie ich damals. Bekannte aus dem Landkreis Erding, welche ebenfalls vier oder mehr Kinder haben, hatten diesen Brief nicht bekommen. Ich denke, der Schreiber liest die Ebersberger Zeitung.“

Die Hellmichs jedenfalls sind froh und erleichtert über die vielen positiven Reaktionen in den vergangenen Tagen – nicht nur aus der unmittelbaren Nachbarschaft. „Die Solidarität ist riesig“, berichtet Vater Hellmich. „Vielleicht“, so sagt er, „überlegen wir uns sogar, noch ein fünftes Kind zu kriegen.

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