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Sie freuen sich über lebendige Erzählungen von früher dank Technik von heute: Frederick Schneider, Barbara und Jakob Huber (v.l.) sitzen am Küchentisch der Hubers in Oberpframmern. Auf dem Laptop hören sie die Aufzeichnungen der von ihnen geführten Interviews an.

Erzählungen für die Nachwelt festgehalten

Die Geschichtensammler von Oberpframmern

Oberpframmern - Rares, Interessantes und Kurioses: Die Geschichte der Gemeinde Oberpframmern ist dank Tonaufzeichnungen von Zeitzeugenberichten aus erster Hand erlebbar.

Der Willi hat mal den Schneider Kaspar vom Motorrad geschossen. Voll am Kopf hat er ihn erwischt, aber nur mit dem Fußball zum Glück, weil er beim Elfmeterschießen verzogen hat. Wenn sich Rudolf und Hans Lutz aus Oberpframmern an diese Lausbubengeschichte Anfang der Fünfziger Jahre erinnern, wissen sie noch genau, wie das Motorrad damals gerumpelt und wie die Schwester vom Schneider Kaspar den Abflug über den Lenker gemacht hat.

Rudolf und Hans Lutz gehören zu den Interviewten, die ihre Erinnerungen auf Band gesprochen haben.

Die Generation von Rudolf und Hans Lutz kann aus Jahrzehnten Oberpframmerer Historie erzählen. Sie hat den Krieg miterlebt, und wie der erste amerikanische Jeep am 1. Mai 1945 mit seinem Maschinengewehr durch den Ort gerast ist. Doch kein Zeitzeuge lebt ewig. Deshalb haben sich Jakob Huber und Frederick Schneider zusammengetan. Mit dem Aufnahmegerät haben die beiden die Senioren aus dem Ort besucht, daheim oder am Stammtisch, und sich Erlebnisse und Erinnerungen aus der Pframmerner Ortsgeschichte erzählen lassen.

Zeitzeugen-Sterben: "Es war höchste Eisenbahn"

„Es sind in letzter Zeit so viele gestorben“, beklagt Barbara Huber. „Höchste Eisenbahn“ sei es gewesen, die Erinnerungen der Pframmerner Senioren auf Tonband festzuhalten. Huber arbeitet in der Oberpframmerer Gemeindebücherei, wo ihr Mann Jakob am Mittwoch die Tonaufnahmen kostenlos der Öffentlichkeit präsentieren wird.

Nicht alle werden dabeisein können, einer der neun Interviewten ist in der Zwischenzeit verstorben, andere sind zu krank, um in die Gemeindebücherei zu kommen. Umso wichtiger, dass ihre Stimmen und Erlebnisse nun gesichert sind.

"Interessanter als Geschichtsunterricht"

Das findet auch Frederick Schneider. Der 23-jährige Medizinstudent ist bei den Aufnahmen für die Technik zuständig. Für das Projekt hat er sich trotz Examensvorbereitung Zeit genommen. „Persönliche Erzählungen sind viel interessanter als Geschichtsunterricht“, sagt er. Seine eigenen Großeltern sind gestorben, bevor er alt genug war, um sie nach ihren Erinnerungen zu fragen.

Er und Jakob Huber waren überrascht, wie offen die Senioren über ihre Erlebnisse gesprochen haben und wie vielfältig die Geschichten waren, die die Interviewer dabei zu hören bekamen. „Das Schwierigste war die Auswahl“, sagt Huber. Neun Stunden Tonmaterial hat das Duo gesammelt. Daraus haben die beiden eine CD mit gut einer Stunde Länge zusammengestellt.

Die Geschichten reichen zurück bis kurz vor Kriegsbeginn. Sie setzen sich fort über die Elektrifizierung von Esterndorf Weihnachten 1945 bis zum Beitritt Oberpframmerns zur VG Glonn, als die Egmatinger die Pframmerer gerne eingemeindet hätten, diese aber nicht mitmachten.

Rares, Interessantes und Kurioses am Mittwoch in der Gemeindebücherei

Jakob Huber ist begeistert von dem Sammelsurium an Rarem, Interessantem und Kuriosem. Er wird am Mittwoch ab 19.30 Uhr die Vorführung der Tonaufnahmen in der Gemeindebücherei moderieren, unter dem Titel „Dahoam – Gedichte und Geschichten von Pframmingern.“ Gedichtet haben die Bewohner Oberpframmerns nämlich ebenfalls, außerdem gibt es alte Fotos zu sehen.

Besonders durch die Tondokumente aber wird die Ortsgeschichte auf berührende Weise erfahrbar, davon sind die Interviewer überzeugt. Die CD mit den Aufzeichnungen wollen sie daher auch in der Bibliothek zur Ausleihe bereitstellen.

Interview-Ausschnitte zum Reinhören

Für die Ebersberger Zeitung haben Frederick Schneider und Jakob Huber zwei Ausschnitte aus den Interviews zur Verfügung gestellt. Es sprechen jeweils Rudolf und Hans Lutz. 

Der erste Ausschnitt handelt von der Ankunft der ersten amerikanischen Soldaten in Oberpframmern und davon, wie die Ortsansässigen gerade noch die weiße Flagge hissen konnten.

Der zweite Ausschnitt ist die Lausbubengeschichte vom missglückten Elfmeterschuss, der den Schneider Kaspar vom Motorrad beförderte. Schuld war natürlich der Schiedsrichter.

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