Mit zwei PS durch Deutschland

Steinhöring - Einmal quer durch Deutschland, von Norden nach Süden. Knapp 1400 Kilometer. Eigentlich nichts ungewöhnliches. Wäre da nicht das Transportmittel.

Tatjana Pittroff (44) hat dafür zwei PS gewählt: Bella, 17 Jahre alt, und deren Sprößling, Nando (11). Mit den beiden Haflingern absolvierte die Heilerziehungspflegerin einen so genannten Wanderritt. Von Kiel nach Offenburg. In 43 Tagen, Etappen zwischen 25 und 50 Kilometern. Mit täglich zumeist unbekanntem Ziel. Ein Abenteuer durch Städte, durch Wald und Flur. Und mit zahllosen, nachhaltigen Begegnungen.

Wenn die Steinhöringerin von ihrer Tour erzählt, sprudelt sie förmlich über. Vor Begeisterung über Erlebnisse, die sie „niemals so erwartet hätte“. Ihr Fazit der Tour, auf die sie sich rund ein Jahr akribisch vorbereitet und die beiden vierbeinigen Begleiter dafür trainiert hatte: „Ich habe alles mit anderen Augen gesehen. Ruhiger, ich konnte die Natur genießen. Es waren so viele Eindrücke. Die muss ich erst einmal verarbeiten.“

Von Kindesbeinen an hatte Tatjana Pittroff mit Pferden zu tun. Längere Strecken ist sie alleine und mit anderen schon oft geritten. Wie eine Alpenüberquerung. Die Deutschlandtour aber war für die Übungsleiterin und Wanderführerin im Verband der Freizeitreiter ein Traum. „Einfach drauflos reiten, man weiß nicht, wo man ankommt, wen man trifft, das hat etwas von Abenteuer und Freiheit“, sagt die 44-Jährige. Morgens nicht zu wissen, wo man abends sein Nachtlager aufschlägt, habe ihr keine Sorgen bereitet. Dabei reiste sie mit leichtem Gepäck. Eine aufblasbare Isomatte, ein Schlafsack, Wäsche zum Wechseln. Mehr wollte sie ihren Begleitern nicht zumuten. Die verpflegten sich weitgehend selbst mit dem, was die Natur zu bieten hatte. „Einen Platz zum Schlafen haben wir immer gefunden. Die Leute waren unheimlich offen.“

Dass die geplante Unterstützung durch einen Freund samt Begleitfahrzeug wegen Erkrankung ausfiel, konnte sie nicht stoppen. So wurde sie zu ihrem eigenen Versorgungsunternehmen, fuhr eine gewisse Strecke voraus, stieg in den Zug, fuhr zu ihren Pferden zurück und absolvierte die Strecke dann erneut im Sattel, oder zu Fuß.

„Die Orientierung war nicht immer einfach“, so Pittroff. Trotz guter Karten im Maßstab 1:5000 entpuppten sich einige Stellen als unpassierbar. Nicht eingeplante Umwege waren die Folge. Die Steinhöringerin nahm’s gelassen. „Das war Entschleunigung pur. Jeder Tag war auf seine Weise schön.“ Für Unannehmlichkeiten wurde sie von den Eindrücken und Erlebnissen entschädigt.

Nachhaltig in Erinnerung bleiben würden ihr die spontanen Begegnung und die Reaktionen der Menschen auf ihren Wanderritt, sagt Pittroff. Ob in Hamburg, wo sich ein älterer Herr als Stadtführer anbot, oder in Hannover, als sich eine Frau vor lauter Begeisterung für die Aktion zu ihr in den Sattel schwang, „zumeist waren die Menschen hilfsbereit und großzügig“. Von allen, die ihr im Laufe des weiten Weges geholfen haben, hat sich die Steinhöringerin die Adressen notiert. „Ich möchte jedem nochmal schriftlich danken.“ Mit jedem verbinde sie schließlich einen unvergesslichen Moment. Damit die Eindrücke des Wanderritt für Jedermann nachzuempfinden sind, plant die 44-Jährige sie in Form eines Buches zu konservieren.

Von Wolfgang Herfort

Auch interessant

<center>Christbaumschmuck "Gemse" mundgeblasen</center>

Christbaumschmuck "Gemse" mundgeblasen

Christbaumschmuck "Gemse" mundgeblasen
<center>Die Knödel-Revolution</center>

Die Knödel-Revolution

Die Knödel-Revolution
<center>Bayerisch VEGGIE - Köstliches mal ohne Fleisch</center>

Bayerisch VEGGIE - Köstliches mal ohne Fleisch

Bayerisch VEGGIE - Köstliches mal ohne Fleisch
<center>Gackerl im Gläschen</center>

Gackerl im Gläschen

Gackerl im Gläschen

Meistgelesene Artikel

Vandalen zerstören Jägerstände im Ebersberger Forst

Ebersberg – Hier waren wohl wütende Jagdgegner am Werk: Elf Hochsitze haben unbekannte Täter rund um das Forsthaus Hubertus im Ebersberger Forst gewaltsam umgerissen.
Vandalen zerstören Jägerstände im Ebersberger Forst

Ebersberger Heldenallee stirbt langsam

Ebersberg - Muss ein Ebersberger Denkmal vor motorisierten Ausflüglern geschützt werden, die ihre Fahrzeuge dort gerne abstellen? „Ja!“, sagen Naturschützer.
Ebersberger Heldenallee stirbt langsam

Landkreis zahlt 12,1 Millionen Euro für Sparkassengebäude

Ebersberg - 12,1 Millionen Euro zahlt der Landkreis Ebersberg für den Ankauf des Sparkassengebäudes neben der Polizei in der Kreisstadt. Das wurde am Montag im …
Landkreis zahlt 12,1 Millionen Euro für Sparkassengebäude

Kommentare