Mit der Lupe durch den Forst

Suche nach ein paar Schnupftabaksbröseln

Ebersberg - „Die anfallenden Mengen übersteigen die Kapazitäten“: Derzeit wird im Landkreis viel Holz gemacht. Nahezu unbemerkt hat sich der Borkenkäfer extrem stark vermehrt, berichtet Christoph Schwer von der Waldbauernvereinigung.

Schuld hätten nicht die Waldbauern, sondern das Wetter. Die Regenfälle zwischendurch hätten das Bohrmehl der Schadinsekten immer wieder abgespült. Die Fichtenwipfel würden auch bei Befall lange grün bleiben. Die Folge: „Die Nester wurden groß.“ Wenn jetzt nicht schnell reagiert werde, könnte eine weitere Generation der Borkenkäfer ausfliegen, die Vermehrung verläuft nicht linear sondern exponentiell.

Für den Verbraucher ist die Situation eher günstig. Zwar sagt Schwer, dass die laufenden Holzkontrakte noch bis September fixiert waren. Fichtenbrennholz sei aufgrund der anfallenden Mengen aber jetzt schon „günstiger als vor zwei Jahren“. Schwer schätzt, dass alleine die Privatwaldbesitzer im Landkreis jetzt wöchentlich 1000 Festmeter Holz einschlagen werden. Dazu kommen die Mengen aus dem Ebersberger Forst, der mit seinen 90 Quadratkilometern deutlich größer ist als der Chiemsee. Da werde in den nächsten Wochen alles knapp, schätzt Schwer: „Lastwagen, Sägewerkskapazitäten, Hackschnitzelhäcksler“.

Im Forstbetrieb Wasserburg, der auch den Ebersberger Forst bewirtschaftet, fallen pro Woche ebenfalls 2000 Festmeter Holz an. Forstbetriebsleiter Heinz Utschig lobt seine Mitarbeiter, die den Borkenkäfer „mit der Lupe“ gesucht hätten. „Da sind meine Leute inzwischen richtig gut darin.“

Einziges Indiz für den Befall mit Borkenkäfer seien zum Beispiel oft nur nicht vom Regen abgespülte Bohrmehlreste etwa auf Brombeerblättern gewesen, so Utschig. „Die Menge müssen Sie sich so vorstellen, als wenn jemandem ein paar Schnupftabaksbrösel runterfallen.“ Trotzdem werden derzeit in der Woche allein aus dem Ebersberger Forst 700 Festmeter Käferholz in der Woche abtransportiert 40 bis 50 Euro bezahle der Kunde für einen Festmeter Fichtenbrennholz, informiert Utschig und fügt hinzu: „Tendenz fallend bis gleichbleibend.“ Im Baumarkt koste die gleiche Menge schon einmal 120 Euro.

Auch die Privatwaldbesitzer, so berichtet Schwer, seien sehr aufmerksam gewesen in den vergangenen Wochen und Monaten. Aber der Käferbefall sei unter den gegebenen Bedingungen nicht leicht zu erkennen gewesen. „Da hat niemand etwas verbummelt“, sagt Schwer auf Nachfrage der Ebersberger Zeitung.

Dass der Klimawandel dem heimischen Wald inzwischen arg zusetzt, ist auch an einem anderen Phänomen zu beobachten. Die Kiefer kämpft ums Überleben. Im Bereich von Vaterstetten und Haar gebe es Bestände, in denen die alten Kiefern vor Jahren schon abgestorben seien, berichtet Schwer.

Über die Ursache dieses neuen Baumsterbens rätseln die Fachleute. „Das ist nicht geklärt“, sagt Utschig. Die Waldbewirtschaftung habe sich aber bereits geändert, was die Kiefer betrifft.

Früher habe man bei einem Holzeinschlag die alten Kiefern stehen gelassen, weil die dann noch gute 100 Jahre weiter gewachsen seien. „Das ist inzwischen nicht mehr möglich“, berichtet der Fachmann. Die Bäume halten den Stress, dass sie plötzlich alleine stehen, nicht mehr aus. Eine Rolle spielt dabei wohl der ständige Stickstoffeintrag in den Waldboden, glaubt Utschig. Das führe dazu, dass sich Pilze „viel aggressiver verhalten können.“ Auch das Eschentriebsterben, das inzwischen in ganz Bayern beobachtet werden kann, hat als Ursache einen aggressiven Schlauchpilz. Die meisten Waldbesitzer sind sich darin einig, dass die Esche deswegen eine heimische Baumart sei, die demnächst ganz ausfallen könnte - wenn sich keine Resistenzen bilden.

Die Fichte wiederum leidet auf dem wasserdurchlässigen Boden in der Münchner Schotterebene stark unter dem periodisch auftretenden Trockenstress.

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