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Verließ die Gemeinde Zorneding nach rassistischen Drohungen: Pfarrer Olivier Ndjimbi-Tshiende

Vorwurf: Volksverhetzung

Drohbriefe gegen Zornedinger Pfarrer: Rentner (74) vor Gericht

Ebersberg/Zorneding – Die Morddrohungen gegen den dunkelhäutigen Zornedinger Pfarrer Olivier Ndjimbi-Tshiende haben ein juristisches Nachspiel: Am Dienstag steht ein Münchner (74) wegen Volksverhetzung vor dem Ebersberger Amtsgericht.

Der Fall hatte deutschlandweit und international Wellen geschlagen: Wegen Morddrohungen gegen seine Person verließ im März der dunkelhäutige Pfarrer Olivier Ndjimbi-Tshiende die Pfarrei Zorneding (Kreis Ebersberg).

Der Täter ist einschlägig vorbestraft

Am Dienstag steht deshalb ein 74-jähriger Münchner vor dem Ebersberger Amtsgericht. Der Rentner Gottfried T. soll mehrere Schreiben mit vulgären und rassistischen Drohungen gegen den 67-jährigen katholischen Pfarrer verfasst haben.

„Wir schicken dich nach Auschwitz, du Arschloch“, lautete nach EZ-Informationen einer der Sätze, die auf einer Postkarte zu lesen waren. Wie das Ebersberger Amtsgericht am Montag mitteilte, ist Gottfried T., dem in der Anklageschrift Volksverhetzung vorgeworfen wird, einschlägig vorbestraft. Zu den Vorwürfen, er habe die besagten Schriftstücke verfasst, schweigt der Mann sich bislang aus.

Fingerabdrücke als Beweismittel

Die Staatsanwaltschaft stützt sich bei ihren Ermittlungen auf ein „daktyloskopisches Gutachten“ als Hauptbeweismittel, so das Gericht weiter. Dabei handle es sich um die Auswertung von Fingerabdrücken sowie DNA-Spuren.

Mitarbeiter des Freisinger Briefzentrums waren nach Angaben der Polizei auf ein Drohschreiben aufmerksam geworden, das bereits von außen erkennbar übelste Hetze enthielt. Spezialisten des Landeskriminalamts machten Gottfried T. trotz fehlender Absenderadresse als mutmaßlichen Verfasser ausfindig. Bei einer Hausdurchsuchung fand die Kripo weitere beleidigende Briefe und belastendes Material, das auf den Mann als Täter hindeutet. Dieser bestritt die Vorwürfe zunächst.

Dem Angeklagten droht Haft

Dem Rentner droht im Falle eines Schuldspruchs eine Geld- oder Freiheitsstrafe, die auch zur Bewährung ausgesetzt werden könnte. Es wäre wohl der Schlussstrich unter die rechtliche Aufarbeitung des Skandals um die Äußerungen gegen den Zornedinger Pfarrer.

Solidarität mit dem Pfarrer: Lichterkette in Zorneding

Dessen Rücktritt hatte in der Region eine Welle der Solidarität ausgelöst: Mehr als 3000 Menschen kamen wenige Tage später in Zorneding zu einer Demonstration gegen Rassismus zusammen und bildeten eine Lichterkette durch den Ort. Eine Online-Petition, die den Pfarrer zum Bleiben bewegen sollte, kam auf über 76 000 Unterzeichner. Zu spät – der Pfarrer blieb bei seiner Entscheidung für den Weggang. Der Geistliche arbeitet inzwischen für die katholische Universität Eichstätt-Ingolstadt an einem Forschungsprojekt zum Thema Flucht und Migration. Im Raum Eichstätt wird er nach Auskunft des Erzbistums München-Freising künftig auch in der Seelsorge tätig sein, allerdings keine Pfarrei übernehmen.

Die Vorgeschichte: Ein Dauer-Skandal

Politisch hatten die Aggressionen gegen Ndjimbi-Tshiende die Gemeinde Zorneding wochenlang in Atem gehalten. Vorangegangen waren den Droh-Schreiben und dem Rücktritt beleidigende Äußerungen des damaligen CSU-Ortsvize Johann Haindl, der daraufhin von seinem Amt und seinem Gemeinderatsmandat zurücktrat.

Haindl hatte den aus dem Kongo stammenden Ndjimbi-Tshiende in einem Gespräch mit der Ebersberger Zeitung als „unser Neger“ bezeichnet. Anlass war, dass der Pfarrer im Oktober 2015 ein Schreiben des Zornedinger Pfarrgemeinderats gutgeheißen hatte, in dem das Gremium die örtliche CSU aufgefordert hatte, auf den Abdruck der Zornedinger Kirchtürme auf der Titelseite ihres monatlichen Magazins „Zorneding Report“ zu verzichten.

Das Magazin war in die öffentliche Kritik geraten, nachdem die damalige CSU-Ortsvorsitzende Sylvia Boher sich in mehreren Beiträgen abfällig über Flüchtlinge geäußert hatte. Boher musste nach langem Ausharren auf Druck des CSU-Kreis- und Landesvorstands den Ortsvorsitz aufgeben. Ihr Gemeinderatsmandat hat sie weiter inne.

Zorneding sorgt für internationales Medienecho

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