+
Im Schatten aufgereiht für einen Ratsch haben sich diese Dirndl vom Trachtenverein Edelweiß Bad Aibling in der Mittagshitze.

96. Gaufest des bayerischen Inngau-Trachtenverbandes in Emmering

Trachtler-Glück im Postkarten-Idyll

Emmering – Der Gebirgstrachtenverein „Almarausch“ aus Emmering zeigt, wie Feiern geht: Das 96. Gaufest der Trachtenvereine aus dem Inngau ist der eindrucksvolle Beweis, wie lebendig Brauchtumspflege sein kann.

Mehr als 5000 Trachtler aus Bayern und Tirol strömen am Sonntag in den kleinen Ort, um beim gemeinsamen Freiluftgottesdienst und anschließendem Festzug ihre Tradition hochleben zu lassen. „Einer allein geht unter, aber miteinander haben wir Schlagkraft“, freut sich Gauvorstand Georg Schinnagel, als er sieht, wie sich unter dem Geläut der Kirchenglocken und der Musik der Blaskapellen der Emmeringer Sportplatz für den Gottesdienst füllt. Besonders auffällig ist, dass viele Kinder und Jugendliche in der Menge sind. Trachtler, das wird deutlich, haben Zukunft.

Bilder: Festzug beim Gautrachtenfest in Emmering

Die Bilder vom Festzug

Petrus hat es an diesem Tag fast ein bisserl zu gut mit den Emmeringern gemeint: Am strahlend blauen Himmel hängen nur ein paar weiße Wölkchen und so steigt die Temperatur bereits während der Messe am Vormittag auf über 30 Grad. Schattige Plätzchen sind begehrt. Die festliche Stimmung aber ist Lohn genug für die schweißtreibenden Verhältnisse: Prächtig geschmückt präsentieren sich die 54 gekommenen Vereine in ihren Trachten, und Pfarrer Jakob Brandl hält die Messe – dem Anlass entsprechend – auf Bairisch.

Nach dem Gottesdienst geht es zur Stärkung ins gut 130 Meter lange Festzelt. Dort, in einem wogenden Meer aus Gamsbärten und Hutfedern bringt Festwirt Christian Kainz binnen 50 Minuten 3000 Mahlzeiten unters Volk – wer an diesem Tag keine Tracht trägt, fällt auf.

Wer keine Tracht trägt, fällt auf

Duo mit Dreispitz: Wilfried Brust und Dieter Nauerbach vom Heimatverein Geldersheim (Unterfranken)

Während die Trachtler ihre Kräfte sammeln und sich dabei von den verschiedenen Musik- und Tanzgruppen unterhalten lassen, freut sich „Almarausch“-Vorstand Peter Trenkler schon auf den Festzug. Der führt die Festgäste einmal durch ganz Emmering und aneinander vorbei zurück zum Zelt. „Das ist das Schönste“, findet Trenkler, „sich gegenseitig sehen, und grüßen“.

Die Trachtler marschieren hinaus aus dem heißen Zelt in die noch heißere Mittagssonne. Als die Reihen geordnet sind, gibt ein Böllerschuss das Zeichen zum Aufbruch und der farbenfrohe Zug setzt sich in Bewegung. Begleitet wird er von vielen Musikkapellen. Die Zuschauer am Straßenrand staunen und spenden Szenenapplaus.

Mit schwarzem Dreispitz auf dem Kopf stechen die Unterfranken aus der Menge: Seitdem sich vor 15 Jahren die Jugendvorstände des Heimatvereins Geldersheim (Kreis Schweinfurt) und der Emmeringer Trachtler in weinseliger Stimmung auf einer Kirchweih kennenlernten, sind die Vereine eng miteinander befreundet. Eine Selbstverständlichkeit, dass sich die Franken gerne auf den Weg ins Voralpenland machen: „Das ist das Highlight im Jahr“, sagt 2. Vorstand Dieter Nauerbach.

Emmering freut sich über die vielen Besucher

„Wir sind stolz, dass so viele zu uns kommen“, sagen Elisabeth und Marlene Asböck. Sie tragen ein schwarzes Kassettl, die Tracht der verheirateten Frauen. Die beiden sind von Kindesbeinen an beim Trachtenverein und haben aus Vorgtareuth und Bad Feilnbach zu den Emmeringern „eingeheiratet“. Die Hitze nehmen sie mit Fassung: „Lieber nass vom Schwitzen als vom Regen.“

So sehen es auch die blaugewandeten Dirndl von den „Jasberglern“ aus Baiernrain bei Dietramszell (Kreis Bad Tölz-Wolfratshausen). Sie haben sich vor dem Festzug noch schnell ein Eis gegönnt. „Wir sind extra eingeladen worden“, freuen sie sich. Der Grund: In Baiernrain starb 1886 der Gründer der Trachtenbewegung Josef Vogl, der in Emmering zur Welt kam.

Sie alle trotzen tapfer der Hitze über die vier Kilometer lange Marschstrecke. Die Sanitäter melden nur vereinzelte, leichte Kreislaufbeschwerden. Einen echten Trachtler haut so schnell nichts um.

Bilder: 96. Gaufest des Inngau-Trachtenverbandes in Emmering

Mehr zum Thema

Auch interessant

<center>Oberbaierischer Fest-Täg- und Alte-Bräuch-Kalender 2017</center>

Oberbaierischer Fest-Täg- und Alte-Bräuch-Kalender 2017

Oberbaierischer Fest-Täg- und Alte-Bräuch-Kalender 2017
<center>Honigwilli</center>

Honigwilli

Honigwilli
<center>Honigschlehe</center>

Honigschlehe

Honigschlehe
<center>Christbaumschmuck "Gemse" mundgeblasen</center>

Christbaumschmuck "Gemse" mundgeblasen

Christbaumschmuck "Gemse" mundgeblasen

Meistgelesene Artikel

Bildschirme statt Tafeln

Die alten Kreidetafeln haben in Poings Grundschulen bald ausgedient. Zum September 2017 werden sämtliche Klassen mit interaktiven Multi-Touch-Systemen ausgestattet. …
Bildschirme statt Tafeln

Ebersberger löst Massenkarambolage auf der Autobahn aus

Landkreis - Gleich mehrere Unfälle auf einmal verursachte ein Aussetzer eines 51-Jährigen aus dem Landkreis Ebersberg am Donnerstagnachmittag auf der A 92 am …
Ebersberger löst Massenkarambolage auf der Autobahn aus

Neuverschuldung nicht elf, sondern 6,3 Mio. Euro

Markt Schwaben - Wie steht es um die Finanzen der Gemeinde? Es gibt heuer weniger Gewerbesteuereinnahmen, dafür aber mehr Einkommensteueranteile. 6,3 Mio. Euro Kredite …
Neuverschuldung nicht elf, sondern 6,3 Mio. Euro

Vandalen zerstören Jägerstände im Ebersberger Forst

Ebersberg – Hier waren wohl wütende Jagdgegner am Werk: Elf Hochsitze haben unbekannte Täter rund um das Forsthaus Hubertus im Ebersberger Forst gewaltsam umgerissen.
Vandalen zerstören Jägerstände im Ebersberger Forst

Kommentare