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Feldstadel wird Unterschlupf

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Um diesen Feldstadel geht’s: Der Bauausschuss stimmte einer Nutzungsänderung zu. Foto: Sro
Um diesen Feldstadel geht’s: Der Bauausschuss stimmte einer Nutzungsänderung zu. Foto: Sro

Grafing - In der Stadt Grafing wird wohl es bald einen Waldkindergarten geben. Erste Weichen wurden jetzt gestellt.

Raus ins Freie, bei Wind und Wetter mit den Kindern Abenteuer erleben? „So ein Waldkindergarten ist komplizierter als gedacht“, stellte die Grafinger Bürgermeisterin Angelika Obermayr (Grüne) in der jüngsten Sitzung des Bauausschusses fest. Es ging um die Ertüchtigung eines Feldstadels als Unterschlupf für die Kleinen. Der offene Holzbau steht im Kimpfelmoos, nordöstlich von Nettelkofen.

Um in das Genehmigungsverfahren für einen Waldkindergarten einsteigen zu können, muss das Vorhandensein eines Unterschlupfes nachgewiesen werden können. Das bestätigte sinngemäß eine der Initiatorinnen, die in der Bauausschusssitzung von Bürgermeisterin Obermayr Rederecht erteilt bekam. Träger der Einrichtung wird demnach eine haftungsbeschränkte, gemeinnützige Unternehmensgesellschaft werden. Aber ein Feldstadel ist erstens per se noch kein geeigneter Aufenthaltsort für Kinder und zweitens muss für diesen Zweck eine Nutzungsänderung genehmigt werden. Darüber diskutierte der Bauausschuss mit Hingabe.

Einen Befürworter fand das Vorhaben in Ratsmitglied Wolfgang Huber (Grüne), der den Stadel wohl noch aus seiner Jugendzeit kennt und meinte: „Es ist nicht viel Aufwand, das herzurichten, um dieses wirklich tolle Projekt zu verwirklichen“.

Das sah Bauamtsleiter Josef Niedermaier ein bisschen skeptischer. Gerade weil der Stadel von den Kindern nur bei Sturm und Gewitter aufgesucht werde, müsse die Statik des Gebäudes genauer untersucht werden. Es könne schließlich nicht ausgeschlossen werden, dass ein Baum auf das Dach fällt, weil der Bau direkt am Waldrand steht. Außerdem bemängelte Niedermaier, dass das Dach innen nicht verschalt sei, was die Gefahr berge, die Kinder könnten bei einem schweren Sturm von herunterfallenden Dachziegeln getroffen werden. Der Bauamtsleiter brachte den Gedanken ins Spiel, in den Holzzstadel einen Container zu stellen, womit die Gefahren durch Baumwurf und herabfallende Ziegel auf einmal erschlagen wären.

Susanne Linhart (CSU), gab ihrer Verwunderung Ausdruck, „Dass das so einfach gestattet werden kann.“ Schließlich gäbe es keine Toiletten und die Kinder hätten auch keine Möglichkeit, sich die Hände zu waschen. Ersteres stimmt tatsächlich, denn die Kleinen werden mit einem Schäufelchen ausgerüstet und schlagen sich in die Büsche, wenn sie mal „müssen“. Eine Möglichkeit, sich die Hände zu waschen haben sie hingegen schon, weil die Erzieherinnen - bis zu vier Stück an der Zahl für 20 Kinder - immer einen Kanister Wasser mit sich führen. Der Feldstadel werde nur bei widrigsten Witterungsverhältnissen aufgesucht, ansonsten seien die Kinder im Sommer wie im Winter einfach im Freien unterwegs „und dafür auch ausgestattet“. Im Feldstadel würden sie im täglichen Betrieb höchstens mal die Kleider wechseln.

Erste Gespräche mit dem Eigentümer der Scheune, etwa über die Vertragsdauer, so bestätigte Kämmerer Christian Bauer auf Anfrage von Max Graf von Rechberg (CSU), seien schon geführt worden. „Dem Eigentümer erwachsen aus der Nutzungsänderung keine Nachteile“, informierte Bauamtsleiter Niedermaier.

Der Grafinger Bauausschuss stimmte der Nutzungsänderung ohne Gegenstimme zu. Voraussetzung ist unter anderem gewesen, dass der Waldkindergarten auf dem Feldweg, der zu ihm führt, keinen zusätzlichen Verkehr hervorruft.

Die Eltern werden ihre Kinder also nicht direkt dort abgeben können, sondern sie treffen sich dazu an einem Sammelplatz in Nettelkofen, von wo aus die Kleinen mit ihren Betreuerinnen dann in den nahen Wald pilgern werden.

Michael Seeholzer

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