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Sie lächelt schon ganz zaghaft: Magdalena mit ihren Eltern Veronika und Mathias Verch.

Als Frühchen geboren

Magdalena, die Starke

Kirchseeon - Bei ihrer Geburt ist sie 30 cm groß und 550 Gramm schwer. Magdalena Verch wurde dreieinhalb Monate zu früh geboren. Doch das tapfere Mädchen hat sich ins Leben gekämpft.

Es ist die 25. Schwangerschaftswoche für Veronika Verch (26), der 2. August 2015. Einer dieser vielen heißen Tage im Sommer 2015. Irgendetwas stimmt nicht in ihrem Bauch. Sie fühlt sich unwohl und schaut zur Sicherheit mal in der Kreisklinik vorbei. Sofort schrillen dort die Alarmglocken. Veronika Verch hat ohne, dass sie es gemerkt hat, nach und nach das gesamte Fruchtwasser verloren. Statt auf den Krankenwagen zu warten, fahren Veronika und ihr Mann Mathias Verch (30) kurzerhand selbst nach Nymphenburg zum Klinikum 3. Orden.

Die Ebersberger Diagnose bestätigt sich. Das Kind muss schnellstmöglich raus. Veronika Verch bekommt noch eine lebenswichtige „Lungenreifespritze“ fürs Kind. Dann schneiden die Ärzte ihren Bauch auf und holen das Baby. Um 18.22 Uhr hat Magdalena das Licht der Welt erblickt. Winzig klein, das Frühchen, gerade einmal 30 cm lang und noch dazu extrem leicht. Nur 550 Gramm zeigt die Waage an. „Und dann hab ich ein ganz zaghaftes Schreien gehört“, erinnert sich Veronika Verch. „Danach haben sie das Kind auf die Intensivstation gebracht.“

Ab der 25. Woche, heißt es, ist ein Kind statistisch gesehen so weit entwickelt, dass alle Organe „fertig“ sein sollten, das Frühgeborene also im Optimalfall ohne Hilfe lebensfähig ist – allerdings sind die meisten da schon schwerer als 550 Gramm. 

Das zarte Mädchen bekommt Atemunterstützung durch Sauerstoff, aber es muss nicht intubiert werden. Die Eltern schnaufen erleichtert durch, denn das Intubieren bedeutet für viele Kinder gravierende Spätfolgen, wie Taub- oder Blindheit oder andere Behinderungen. Magdalena ist kräftig genug, ihre winzigen Lungen selbständig zu füllen. „Ärzte und Schwestern haben uns immer wieder Mut gemacht“, erinnert sich Papa Mathias. „Aber sie haben uns auch knallhart darauf vorbereitet, was noch alles passieren kann in den nächsten Monaten.“ Viele Frühchen sterben an Infektionen. 

Magdalenas kleiner Körper hat nach der abrupten Geburt erst einmal abgenommen. Nach einer Woche zeigt die Waage 495 Gramm. Das Mädchen kämpft weiter. Ihre Mutter muss allerdings erst einmal Milch entwickeln. Milliliterweise zapft sie sie ab. Endlich nimmt Magdalena zu. Langsam, aber Schritt für Schritt. 

Die Eltern hoffen weiter. Verwandte, Freunde und die Kameraden von der Kirchseeoner Feuerwehr, wo sich beide Elternteile seit Jahren engagieren, helfen, wo es geht. Mathias Verch: „Da merkst du schnell, wer dein Freund ist, und wer nicht.“

Jeden Tag fahren Veronika und Mathias Verch in die Klinik. Sie funktionieren wie Maschinen und lernen dabei, was Geduld und Gelassenheit ist. Das Kind braucht Liebe, Wärme, körperliche Nähe, Geborgenheit, grob gesagt, einen Ersatz für die fehlende Gebärmutter. Die Eltern lesen Magdalena Geschichten vor, erzählen ihr von zuhause, singen und lachen abwechselnd und wie im Akkord. 

Daheim zünden sie jeden Abend eine Kerze an. Wenn sie ’runtergebrannt ist, sind sich beide die ganze Zeit über sicher, kommt Magdalena nach Hause. 77 Tage verbringt das Mädchen im Krankenhaus, davon sechs Wochen auf der Intensivstation. Jeden Tag bangen die Eltern um das Leben ihres ersten Kindes. Jede Nacht fürchten sie den Anruf aus der Klinik, der die schlimmste aller Nachrichten bringt. Aber er kommt nicht. 

„Wir hatten Glück im Unglück“, sagt Veronika Verch jetzt. „Unsere Tochter ist ein Dickschädel, sie weiß ganz genau, was sie will.“ Als ob das Mädchen es gehört hätte: Da strahlt sie und lacht, Magdalena, die Starke.

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