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Am neuen Arbeitsplatz: Telefonist Alexander Preissinger mit seinem Chef Erich Herrmann.

Stelle für Rollstuhlfahrer nach EZ-Bericht

Arbeiten trotz Behinderung: „Endlich ein normaler Mensch sein“

Aßling – Das Glück braucht manchmal einen kleinen Schubser: Dank eines Artikels in der Ebersberger Zeitung hat Rollstuhlfahrer Alexander Preissinger (19) endlich einen Arbeitsplatz gefunden.

Der 19-Jährige aus der Gemeinde Aßling, der von Geburt an körperlich eingeschränkt ist und seit seinem dritten Lebensjahr im Rollstuhl sitzt, war zuvor mit vielen Bewerbungen abgeblitzt – vermutlich wegen seiner Behinderung. Seit Anfang September arbeitet der 19-Jährige bei Herrmann‘s Manufaktur in Lorenzenberg bei Aßling.

Über Facebook kam der Kontakt zustande

Über Facebook war Marcus Schöner auf den Artikel der Ebersberger Zeitung über Alexander und dessen Schwierigkeiten bei der Jobsuche aufmerksam geworden. Schöner ist Mitarbeiter des Aßlinger Unternehmens, das Bio-Futter für Katzen und Hunde produziert. „Das, was mit Dir passiert ist, das ist eine Sauerei!“ schrieb er über Facebook an Alexander Preissinger. Dieser hat die Nachricht, die schließlich zu einem Jobangebot führte, noch heute auf seinem Handy gespeichert.

In der Folge telefonierten die beiden miteinander und Schöner versprach, sich bei der Firmenleitung für Preissinger einzusetzen. Geschäftsführer Erich Herrmann ist der Chef des Unternehmens, in dem Menschen unterschiedlicher Herkunft arbeiten. Er zeigte Interesse und lud Alexander zum Bewerbungsgespräch ein. Das ging gut aus: der 19-Jährige bekam eine Stelle in der Telefonzentrale des Betriebs – mit einem halben Jahr Probezeit.

"Das erste Gehalt - ein geiles Gefühl"

Wer nun bei Herrman’s Manufaktur anruft, um Futter für Hund oder Katze zu bestellen, kommt bei Alexander Preissinger raus. Er gibt Online-Bestellungen und telefonische Aufträge an das Lager weiter. Es gilt, die Kunden freundlich am Telefon zu empfangen und zum Thema Tierfutter und dessen Versand zu beraten. Ein Leichtes für den jungen Rollstuhlfahrer, dem die neue Tätigkeit Spaß macht. Vor allem wegen des Betriebsklimas, wie er sagt: „Ich fühle mich total wohl hier, meine Kollegen unterstützen mich, wann immer ich Hilfe brauche.“

Geld verdient er dafür natürlich auch. „Das erste Gehalt auf dem Konto – das war ein geiles Gefühl!“, sagt Alexander. Doch alleine darum geht es ihm nicht. Die neue Aufgabe gebe ihm das Gefühl, gebraucht zu werden. „Ich habe endlich das Gefühl, ein ganz normaler Mensch zu sein“, sagt Alex mit einiger Rührung in der Stimme. Mit jedem neuen Arbeitstag wächst zudem sein Selbstbewusstsein. „Ich freue mich freitags schon auf Montag“, sagt er mit einem Lächeln.

Keine Angst vor Hunden mehr

Alexander ist nicht der erste Mensch mit Behinderung, den Erich Herrmann anstellt. Der Betrieb ist barrierefrei, hat einen Aufzug. Das ist wichtig für Alexander, die Büros liegen im ersten Stock. Und noch einen positiven Nebeneffekt hat der neue Job für den jungen Mann: innerhalb kurzer Zeit überwand er seine Angst vor Hunden. Das war anfangs eine Herausforderung für ihn, denn 10 der 23 Mitarbeiter des Betriebs besitzen Hunde, die in dem Tierfutter-Unternehmen willkommen sind.

Die Hunde kamen bald mit Alexander zurecht, auch wenn der Rollstuhl für die Tiere zunächst ein ungewohnter Anblick war. Inzwischen springen sie gerne auf Alexanders Schoß und drehen mit ihm eine Rolli-Runde durchs Büro.

Mit Selbstvertrauen Richtung Festanstellung

Alles gut also, mit dem neuen Job. Bleibt nur noch die Probezeit. Hat er Angst vor dem Tag, an dem diese endet? Nein, meint er selbstbewusst. Geschäftsführer Ernst Herrmann ist gleicher Ansicht. „Wir brauchen Mitarbeiter, die mitmachen – das ist bei Alexander der Fall.“

Susann Niedermaier

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