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Viel frische Luft bekommen diese Jungrinder im Stall der Spötzls in Obereichhofen im Landkreis Ebersberg. Mit Hilfe einer einfachen Schlauchbelüftung wird feuchter Stallgeruch vermieden. Das Ergebnis: Die Tiere sind gesünder.

Besondere Belüftungstechnik

Luftkurort Kuhstall: Bayerischer Tierwohlpreis für Aßlinger Hof

Aßling - Im Kälberstall der Familie Spötzl weht ein spezielles Lüftchen. So speziell, dass es dem Hof aus dem Landkreis Ebersberg nun den „Bayerischen Tierwohlpreis“ eingebracht hat. Ein Bericht von einer Bauernfamilie, die neue Wege geht.

Um einmal richtig tief durchzuatmen, gibt es, bei aller Liebe zur gesunden Landluft, geeignetere Orte als einen Kuhstall. Dort geht es in der Regel aromatisch zu, vorsichtig ausgedrückt. Eine Ausnahme ist der Hof von Familie Spötzl aus Obereichhofen bei Aßling (Landkreis Ebersberg). Auf diesem sorgt ein spezielles Belüftungssystem für frische Luft. Dafür hat das Landwirtschaftsministerium in Person von Minister Helmut Brunner (CSU) dem Hof gestern den „Bayerischen Tierwohlpreis“ verliehen.

In Kälberboxen wird der Nachwuchs gehalten. Für die Tiere ist das verträglicher.

Die Belüftungsrevolution kommt baulich recht unauffällig daher: Ein Textilschlauch mit gut 40 Zentimetern Durchmesser zieht sich an der Stalldecke des Kälber- und des Jungviehstalls entlang. Aus kleinen Löchern strömt Frischluft, die von draußen angesaugt wird, rund um die Uhr, 365 Tage im Jahr. Steht man in dem Stall zwischen den Kälberboxen, ist der Effekt zu spüren – vor allem in der Nase: Die Luft riecht nach draußen, stickiger, feuchter Stallgeruch fehlt fast gänzlich.

Die Frischluft ist gut für die Atemwege

Landwirtschaftsminister Brunner belohnte das mit dem „Bayerischen Tierwohlpreis“, dotiert mit 10 000 Euro, den sich die Spötzls mit zwei Landwirten aus dem Landkreis Landshut teilen: Eine innovative Junghennenaufzucht belegte den ersten Platz und erhält 5000 Euro, Familie Spötzl und eine Pferdepension bekommen je 2500 Euro. „Wir haben bei den Kälbern und Jungtieren viel weniger Atemwegsprobleme“, erklärt Jungbauer August Johann Spötzl den Effekt, den die neue Belüftung erzielt. In den ersten Lebenswochen und -monaten sind die Lungen der Tiere besonders anfällig.

Die trockenere und weniger keimbelastete Luft, die aus dem Textilschlauch strömt, resultiert in geringerem Antibiotika-Einsatz; die Tiere seien kräftiger und gesünder und wüchsen sogar etwas schneller. Dabei erzeugt das System kaum Zugluft wie große Ventilatoren, die wiederum ungesund für die empfindlichen Kälber wäre. Entdeckt haben der Jungbauer und sein Vater August (56) die Schlauchbelüftung in den USA, wo sie bereits weit verbreitet ist. In den Staaten sind die beiden eigens auf Studienfahrt gewesen, um dort Großbetriebe zu besichtigen.

"Was im Großen geht, kann im Kleinen auch funktionieren"

„Was im Großen geht, das kann im Kleinen auch funktionieren“, dachte sich August Johann. Der 23-jährige Landwirtschaftsmeister plant demnächst noch eine Fortbildung zum Agrarbetriebswirt, danach will er sich voll dem heimischen Bauernhof widmen, den sein Vater leitet. Landwirt ist er mit Leidenschaft, das merkt man ihm an, wenn er aus dem Stegreif anschaulich über Kälbergesundheit oder Stallbauweisen referiert.

Auf dem Hof in Obereichhofen spürt man, dass den Spötzls die Gesundheit ihrer 70 Milchkühe und Kälber am Herzen liegt – Gebäude und Geräte sind bestens in Schuss, sogar einen automatischen „Butler“ haben die Tiere, der das Futter mehrmals täglich anhäuft und mit Kraftfutter würzt.

Die Familie ist offen für Neuerungen, wälzt viel Fachlektüre und besucht Seminare. „Sonst erfährt man nichts“, sagt der Jungbauer. Neben der Belüftung haben die Spötzls auf Kälberboxen amerikanischen Fabrikats in dem festen Kälberstall umgestellt. Trotz kleinerer Fläche sei das verträglicher für die Tiere, so der Jungbauer, als die „Kälber-Iglus“ aus Kunststoff, in denen die Kälber im Freien jeder Witterung ausgesetzt sind – bei den Spötzls hinfällig dank der Überdruckbelüftung.

Die Tiere brauchen Fachwissen und Zuneigung

Ein Preis fürs Tierwohl: Minister Brunner ehrt August Johann Spötzl, Mutter Annemarie und Vater August.

Neben dem technischen Fachwissen verlangt der Umgang mit den Kühen eine Menge Zuneigung. „Ich kenne jede Kuh mit Namen, wie eine Lehrerin ihre Schüler“, sagt Bäuerin Annemarie Spötzl (51). „Jede hat ihren eigenen Charakter“, sagt sie mit einem zärtlichen Blick auf Kuh Susann, die neugierig aus ihrer Box linst.

Dass der Milchpreis im Keller ist, macht auch den Spötzls zu schaffen. Die Milchbauern aus Leidenschaft und Tradition sehen sich aber gut aufgestellt. Sie machen eisern weiter und blicken nach vorn. „Es wird auch wieder aufwärts gehen“, sagt Betriebsleiter August. Und seine Frau ergänzt: „Wie in der Bibel: Auf sieben schlechte Jahre kommen auch wieder sieben gute.“

Minister Brunner zeigte sich beeindruckt von den tiergerechten Haltungsbedingungen. „Wir wollen zeigen, dass schon kleine bauliche, technische oder organisatorische Änderungen viel bewirken können.“ Jeden Tag gehe in Bayern ein Stall in Betrieb, der die Bedürfnisse der Tiere optimal verwirkliche.

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