Mann aus Bruck verurteilt

Tourengeher löst Lawine aus: Geldstrafe

Bruck - 32-jähriger Mann aus Bruck musste sich vor Gericht verantworten und wurde wegen fahrlässiger Körperverletzung verurteilt.

Ein wunderschöner Tag im April: Der Scheinberg in den Ammergauer Alpen, ist für dutzende Skitourengeher das Ziel spätwinterlichen Vergnügens - auch wenn der Lawinenbericht die Warnstufe 3 „erhebliche Gefahr“ gemeldet hat. Unter den Sportlern ist auch ein 32-jähriger Geschäftsmann aus Bruck, ebenso eine 47-jährige Frau und ihr Ehemann aus dem Landkreis Weilheim-Schongau. Beflügelt durch lange Erfahrung riskiert der Brucker die Tour, fährt samt seinem Begleiter von oben auf die Piste und - löst ein Schneebrett aus, das prompt die weiter unten fahrende Habacherin verschüttet. Der Schuldige rettet zwar schnell die nur leicht verletzte Frau aus der Lawine, doch jetzt, 14 Monate später, kam das teure Finale: Wegen fahrlässiger Körperverletzung verurteilte ihn das Amtsgericht Garmisch-Partenkirchen zu einer Geldstrafe von 3000 Euro.

Den Hergang des Unglücks hatte der Staatsanwalt schnell geschildert: Am 6. April vergangenen Jahres seien der Angeklagte und sein Begleiter zum Scheinberg-Gipfel aufgestiegen und in den Osthang des Berges eingefahren. Und bereits im ersten Schwung habe er ein Schneebrett ausgelöst, das sehr schnell die weiter unten eingefahrene 47-jährige Frau verschüttete.

„Die Lawinensituation zur Unfallzeit war als sehr heikel einzustufen“, stellte der zuständige Staatsanwalt fest, „sodass ein Aufstieg auf den Gipfel nicht hätte erfolgen dürfen“. Denn bereits der amtliche Lawinenbericht habe vor kammnahen Steilhängen in Südost und Nord, ebenso an exponierten Stellen oberhalb der Waldgrenze gewarnt. „Und genau solche Bedingungen herrschten zur Unfallzeit am Gipfel des Scheinbergs“.

Wegen fahrlässiger Körperverletzung hatte der Brucker einen Strafbefehl über 5000 Euro erhalten, doch bald danach erhob er Einspruch und saß deshalb nun mit Verteidiger vor der Richterin am Garmisch-Partenkirchener Amtsgericht.

Er sei schon öfter am Scheinberg gewesen, berichtete der Beschuldigte und am Unglückstag sei zwar Warnstufe 3 ausgerufen, kritische Bereiche seien aber nicht angegeben gewesen. „Wir haben uns unterhalb des Gipfels auf eine Querspur begeben, wo schon acht bis zehn Spuren waren und alles schien sicher, bis ich den ersten Schwung machte, der dann das Schneebrett auslöste: Ich stand oben im Hang und sah, das jemand dort fährt und wir schossen sofort den Hang hinab: Wir fanden dann die Frau gleich und gruben sie schnell aus“. Er sei wirklich nicht leichtsinnig vorgegangen, denn es habe keinerlei Anzeichen für Schneebretter gegeben.

Die Richterin stellte am Ende der Verhandlung fest, „der Mann hätte ganz genau prüfen müssen, ob in diesem Moment die Bedingungen zur Fahrt geeignet waren, denn der Unfall war angesichts des Warnberichts und der aktuellen Situation vorhersehbar und vermeidbar“.

Wegen der Fahrlässigkeit sei darum eine Geldstrafe von 3000 Euro angemessen, meinte die Richterin.

Von Wolfgang Kaiser

Rubriklistenbild: © dpa/Symbolbild

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