Sein Traum: Ein Bus voller Löwen

Glonn - Das schönste Erlebnis als Fußballfan der Münchner Löwen war das so genannte „Finale dahoam“. Nein, so weit will Robert Spiel wirklich nicht gehen.

Spiel ist zwar kein Roter, sondern mit Herz und Seele Anhänger der 60er - aber eben auch kein „Hardcore“-Fanatiker. Schadenfreude gehört nicht zu seinen bevorzugten Emotionen.

Zwei bittere Jahre haben er und seine blauen Freunde nunmehr hinter sich gebracht. „Das hat an den Nerven gezehrt“, sagt er. Aber wie ungezählte andere Anhänger des TSV 1860 ist es der zu Saisonbeginn mal wieder grenzenlose Optimismus, der in diesen Tagen und Wochen bei dem 68-Jährigen in jeder Faser seines Gesichts erkennbar zu sein scheint. Von einem (Wieder-)Aufstieg will der Glonner gar nicht reden. Noch. Aber ein einstelliger Tabellenplatz in der Zweiten Bundesliga - das hätte schon was und wäre so etwas wie Balsam auf die geschundene Löwen-Seele.

Robert Spiel ist seinem Klub auch in den schwierigen Jahren stets treu geblieben. So viel auch äußerlich erkennbare Verbundenheit aber scheint zuletzt nicht jeder im Glonner „Fanklub 1860“ aufgebracht zu haben. 265 Mitglieder hat man derzeit. Vorsitzender ist Klaus Kämpf, und Robert Spiel ist im Fanverein in der Marktgemeinde so etwas wie das „Mädchen für alles“. Einer, der sich zum Beispiel nun wieder verstärkt darum kümmert, dass der Bus voll wird, mit dem die Glonner Fußballfreunde zu jedem Heimspiel der Löwen in die Arena fahren. Und manchmal auch zu Auswärtsspielen wie nach Nürnberg, Stuttgart oder Fürth.

50 Plätze gibt es dort, mitunter auch mal 90. Aber in der letzten Saison war der Bus, gesteuert vom Juniorchef und Löwenfan Michael Ettenhuber vom gleichnamigen Busunternehmen, manchmal nur - sagen wir mal - ganz schwach besetzt. Teils waren die Unerschütterlichen unter den 60er Fans aus Glonn halt mit eigenen Pkw gefahren, teils aber auch gar nicht (mehr). „Wir haben ja auch nicht wirklich gut gespielt“, sagt Spiel nüchtern. Widersprechen kann man da nicht wirklich.

In der aktuellen Spielzeit aber hat das Team der Blauen bisher den Anhängern mehr Grund zur Freude beschert als bislang. So viel jedenfalls, dass Robert Spiel schon wieder davon träumt, dass der in Glonn eingesetzte Fanbus bald wieder deutlich voller sein wird als zuletzt.

Bei jedem Heimspiel ist, wie in den letzten zehn Jahren üblich, zweieinhalb Stunden vor Spielbeginn Abfahrt an der Schule. In Oberpframmern gibt es hernach eine Zusteigemöglichkeit, bei Bedarf auch in Egmating oder Siegertsbrunn.

Das Organisatorische hat Christoph Hofmann übernommen. Interessenten können bei ihm Kontakt über das Handy unter der Nummer (0176) 51 79 78 70 oder per Mail unter 1860chris@gmx.de aufnehmen.

Für Erwachsene kostet die Mitfahrt zehn Euro. Kinder können kostenlos mitreisen, für sie gibt es auch Getränke gratis. Wer unter zwölf Jahre alt ist, zahlt im Stadion nicht einmal Eintritt. Der Fanklub hat zudem ein Kontingent an Dauerkarten für Jugendliche, Lehrlinge bzw. Studenten. Robert Spiel erzählt das alles mit der gleichen inneren Überzeugung, mit der der frühere Persil-Mann einst die Vorzüge eines bekannten Waschmittels in der TV-Werbung anpries.

Was passiert also an so einem Spieltag? Die Glonner Löwenanhänger reisen so an, dass sie im Regelfall 60 bis 70 Minuten vor Spielbeginn am Stadionbusparkplatz sind. Dann sind es noch keine fünf Minuten zu Fuß, berichtet Spiel. Nur ein Match hat er in den letzten zehn Jahren verpasst. Eine Familienfeier.

Auch für Behinderte/Rollstuhlfahrer ist die Teilnahme kein Problem. Spiel weiß das aus eigener Erfahrung. Nach einer komplizierten Knochenerkrankung ist er seit rund zehn Jahren auf den Rollstuhl angewiesen. Im Stadion kümmere man sich aber, nicht zuletzt dank des Engagements des Fanbeauftragten, um deren Belange in vorbildlicher Weise, sagt er.

Löwenfan ist der gelernte Zimmerer- und Dachdeckermeister eigentlich schon immer gewesen. Er bildete im Berufsleben viele junge Leute aus. Seine beiden Kinder sind - logisch - Blaue geworden, auch drei seiner vier Enkel. Nur der Schwiegersohn ist ein Roter (geblieben).

Seine Frau Annerose hat er ebenfalls vor zehn Jahren infiziert. Mit Fußball hatte die ehemalige Lehrerin bis dahin nicht wirklich viel am Hut. Inzwischen spricht sie auch von „Wir“, wenn sie den TSV 1860 aus München meint.

Für Robert Spiel gab es nie eine andere Option als die blaue. „Wir waren Arbeiter, Zimmerer, da hat es nie etwas anderes gegeben“, erinnert er sich an seine frühere Münchner Zeit. Schon der Großvater und Onkel waren Blaue, und in der entfernten Verwandtschaft gab es schließlich noch die Metzger-Brüder Georg und Sebastian, zwei Löwenspieler.

Sein erstes Live-Spiel-Erlebnis? „Das war nichts Besonderes“, sagt Robert Spiel kleinlaut. Das Match ging, Gegner unbekannt, jedenfalls verloren. Und das - ohne jede Schadenfreude - tatsächlich schönste Erlebnis? Der Europapokal und die Meisterschaft 1966 natürlich.

Fan ist der Glonner immer und bis zum heutigen Tag geblieben. Viele Jahre lang ging aber im Hause Spiel der Beruf einfach vor. Alles, was der 68-Jährige jetzt wieder erleben darf rund um seinen Lieblingsverein, ist für ihn, wie er sagt, „die Erfüllung eines Jugendtraums“.

Dazu gehört nicht nur der Wunsch nach einem einstelligen Tabellenplatz im kommenden Sommer, sondern auch, dass der Glonner Fanbus bald wieder so voll wird, wie es schon mal war, als die Löwen obenauf waren.

Übrigens: Die nächste Gelegenheit zur Mitfahrt ins Münchner Stadion bietet sich am Freitag, 16. September. Gegner ist dann Union Berlin. Das Bundesligamatch beginnt um 18.30 Uhr, Abfahrt in Glonn ist an solchen Freitagabenden bereits um 16.30 Uhr.

Aber vorher bitte bei Christoph Hofmann melden.

Von Jörg Domke

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