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„Im Alter sind die Finger nicht mehr so beweglich“: Egid Huber (88) sitzt auch im Marienheim Glonn noch gerne und oft an seiner geliebten Zither, die ihn durch sein ganzes Leben begleitet hat. 

Besuch bei Egid Huber (88), der sich nach einem harten Leben zu einem letzten Umzug entschloss

Ins Heim – freiwillig und gern

Glonn – Aus eigenen Stücken hat Egid Huber, ehemaliger Landwirt aus Balkam, eine Entscheidung getroffen, die sein Leben wesentlich veränderte. Der 88-Jährige entschloss sich, seinen Lebensabend in einem Seniorenheim zu verbringen. Ein Besuch.

Zuhause auf seinem Bauernhof, der von allen „Beim Steffi Gidi“ genannt wird, ist alles noch wie früher. Bescheiden und ein wenig altmodisch. Eine Heizung gibt es nicht, auch kein Bad. Der Hof gehört Egid Huber noch, manchmal spaziert er dort hin, um sich etwas zu holen. „Zum Beispiel alte Fotos, die hab’ ich dort noch alle in einer Schachtel“.

Im Marienheim in Glonn hat Huber in seinem Einzelzimmer ein Bad mit Toilette und einen Balkon, bekommt drei Mahlzeiten pro Tag, kann zwischen vegetarischem Essen und Fleischgerichten wählen. Das Marienheim liegt zentral, bietet seinen Bewohnern neben Versorgung auch Unterhaltung, Musikabende, Vorträge und Gymnastik, für die sich Egid Huber angemeldet hat.

Eine Umstellung war es schon für den noch rüstigen Mann, der sich bis zum Umzug selbst komplett versorgte, einkaufen ging, kochte. Seit dem Tod der Eltern lebte er alleine auf dem Hof. Jetzt sind immer Mitbewohner oder Angestellte des Marienheimes um ihn herum, wenn er sein Zimmer verlässt. „Daran muss man sich erst gewöhnen“, meint er ein wenig nachdenklich. Dass er sich in einer Heimgemeinschaft einzuordnen hat, auch auf andere Rücksicht nehmen muss, das wusste er vorher, plante das auch in seine Überlegungen ein. „Das ist halt so“, meint Huber und ist einverstanden mit der neuen Lebenssituation.

Die Liebe zur Musik und sein Zitherspiel haben Egid Huber geholfen, über die Jahre im Kontakt mit Menschen zu bleiben. Dass er überhaupt Zither spielt, und zwar bis heute, das hat er seiner Mutter zu verdanken, denn die wollte unbedingt, dass er das Instrument erlernt. Erst kürzlich gab es im Marienheim eine Maiandacht, die von Egid Huber und zwei weiteren Zitherspielern umrahmt wurde. „Dafür habe ich lang geübt“, lacht der musikalische Senior. „Im Alter sind die Finger nimmer so beweglich“, fügt er hinzu.

Harte Arbeit hat das Leben dieses Mannes geprägt, der in den Anfangsjahren die Felder noch mit dem Pflug und zwei Zugochsen bestellte. Lange Zeit waren Egid Huber und seine Eltern komplette Selbstversorger. Damals konnte man in der Landwirtschaft vom Ertrag aus zehn Kühen noch leben, sagt der ehemalige Landwirt. Das selbst angebaute Getreide mahlte einer der sieben Müller, die es zu der Zeit in Glonn gab, zu Mehl, die Mutter buk daraus das Brot. Zum Hof gehörte auch ein Gemüsegarten. „Die Ansprüche waren nicht groß“, sagt Egid Huber, „oft gab es Knödel und Nudeln, dann wieder Nudeln und Knödel“. Später hat er sich zur Bewirtschaftung seiner 25 Tagwerke einen Traktor gekauft, die weiteren zur Arbeit notwendigen Geräte über den Maschinenring geliehen. „Das ist, wenn man es durchrechnet, viel günstiger, wie ein großer Maschinenpark“, sagt der erfahrene Landwirt. Mit dem, was unterm Strich vom Milchertrag übrig blieb, kam er aus, hat sparsam gelebt und konnte sogar noch „was auf die Seite legen“.

Die Musik und der Glaube haben diesen Mann behütet durchs Leben getragen. Der Herrgott, ein besonderer Schutzengel, der Heilige Ägidius, sein Namenspatron – oder alle drei zusammen haben einmal ganz besonders die schützende Hand über den Egid Huber gehalten. Das war 1944, als er im Alter von nur 16 Jahren einrücken musste. Viele Jugendliche und junge Männer ließen damals kurz vor Kriegsende noch ihr Leben, Egid Huber hatte Schutz und Glück. Zunächst ins Pongau beordert war er am 30. April 1945 wieder entlassen worden, doch in den Entlassungspapieren stand auch das Wort: „vorübergehend“. Doch dann war – am 8. Mai der Krieg zu Ende.

In den Jahren, die ihm noch bleiben, will der Senior jeden Tag aufs Neue sein Leben genießen. Im Marienheim lässt er sich wohl zum ersten Mal in seinem Leben umsorgen und verwöhnen. „Es ist wirklich ein Traum hier“, freut sich Egid Huber.

Susann Niedermaier

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