So sieht ein Schwimmer aus dem Wasser die Gaststätte am Kastensee. Der Landkreis Ebersberg hat vor Jahren sein Vorkaufsrecht ausgeübt und das Badegewässer erworben. Jetzt will er Teilflächen wieder loswerden. Foto: sro

Der Kastensee-Deal

Egmating - Der Landkreis hat in den vergangenen Jahrzehnten manches Schnäppchen gemacht - und Filetstücke für den Naturschutz erworben. Zum Beispiel am Steinsee oder auch am Kastensee. Jetzt steht eine Premiere ins Haus: Erstmals sollen Flächen wieder verkauft werden. Mit Gewinn?

Es geht um den Verkauf von zwei Teilflächen am Egmatinger Kastensee an den Betreiber der dortigen Gaststätte und des Familienbades, die Firma Lamm. Diese will sich dem Vernehmen nach vergrößern. Der Deal sollte in nichtöffentlicher Sitzung still und heimlich über die Bühne gebracht werden. Der Vorsitzende der SPD-Kreistagsfraktion, Albert Hingerl, war aber der Ansicht, dass das öffentliche Interesse an der Fläche, „die für die Allgemeinheit zum Badebetrieb zur Verfügung steht“, auch eine öffentliche Behandlung des Tagesordnungspunktes rechtfertigen müsste. Hingerl stellte einen entsprechenden Dringlichkeitsantrag, über den in nichtöffentlicher Sitzung des Kreis- und Strategie-Ausschusses am Montagnachmittag entschieden wurde. Dem Vernehmen nach wird der Tagesordnungspunkt jetzt in der Aprilsitzung im Kreisausschuss doch öffentlich behandelt. Der SPD-Fraktionschef forderte auch, dass zum Verkauf die Bevölkerung vor Ort gehört werden müsse.

Zur Vorgeschichte: Vor knapp zehn Jahren hatte der Landkreis Ebersberg nach dem Kauf des Steinsees den zweiten wichtigen See der Region, nämlich den Kastensee erworben. „Wir möchten zum einen den Schutz dieses ökologisch empfindlichen Naturraums gewährleisten und zum anderen die Zukunft der Bademöglichkeit am Kastensee sichern helfen“, hatte Landrat Gottlieb Fauth damals den Kauf begründet. Gilt das unter seinem Nachfolger Robert Niedergesäß nicht mehr?

Für den Erwerb des Sees und der Grundstücke waren seinerzeit erhebliche Umschichtungen im Vermögenshaushalt des Landkreises notwendig. Auf gut Deutsch wurde erheblicher Aufwand dafür betrieben. Zur Erinnerung: Es gab zu dieser Zeit bereits einen privaten Käufer, der vom Landkreis aus dem Boot gekippt wurde und damals Klage ankündigte.

Nach Informationen der Ebersberger Zeitung geht es um zwei Teilflächen. Eine liegt zwischen dem öffentlichen Bad am Kastensee und dem dortigen Reiterhof. Die zweite liegt im Bereich der bestehenden Terrasse, wo sich im Sommer bereits jetzt bei schönem Wetter Badegäste tummeln, die den See als Naherholungsgebiet schätzen. Und nicht nur sie finden das Gewässer attraktiv. Der See wird auch von einer Gruppe von Anglern bewirtschaftet, deren Chefin Brigitte Keller ist. Diese wiederum trägt im Landratsamt Ebersberg Verantwortung für das Sachgebiet Kreisfinanzen und Controlling, sie ist quasi die „Finanzministerin“ des Landrats.

SPD-Mann Hingerl ist in Sorge um ein verfassungsmäßig garantiertes Recht der Bürger. In Artikel 141 Absatz 3 der Bayerischen Verfassung heißt es: „Staat und Gemeinden sind verpflichtet, der Allgemeinheit die Zugänge zu Bergen, Seen, Flüssen und sonstigen landschaftlichen Schönheiten freizuhalten und allenfalls durch Einschränkungen des Eigentumsrechtes freizumachen.“ Mit seinen eigenen Flächen allerdings ist der Landkreis einen anderen Weg gegangen: Am Steinsee und auch am Kastensee gibt es umfangreiche Uferbetretungsverbote.

Die Fischer wären von einem Grundstücksverkauf vorerst nicht betroffen. In der Ausschreibung über die Vergabe des Fischereirechts wurde im Jahr 2011 festgeschrieben: „Der Zutritt zum Kastensee ist ganzjährig im südlichen Anschluss an die Liegewiese des Familienbades der Fa. Lamm möglich.“ Außerhalb der Badesaison ist der See-Zugang auch über das Familienbad gewährleistet.

Der Landkreis Ebersberg wird die Flächen nicht zum Nulltarif veräußern. Im Gespräch ist nach EZ-Informationen allerdings, den Preis für Bauerwartungsland zu erzielen. Damit würde der Landkreis Ebersberg Gewinn machen - er hätte de facto mit Steuergeld eine erfolgreiche Spekulation durchgeführt.

Der Haken daran: Mit dem Verkauf von Bauerwartungsland sind eben auch Erwartungen verbunden und zwar von der Käuferseite. Der Landkreis könnte die Bauwünsche des neuen Eigentümers nicht mehr einfach ablehnen. Die Entscheidung über den Kastensee-Deal liegt jetzt beim Strategie-Ausschuss.

Die Firma Lamm hat eine Telefonnummer in Glonn, konnte aber von der EZ nicht kontaktiert werden: „Kein Anschluss unter dieser Nummer“, hieß es am anderen Ende der Leitung.

Michael Seeholzer und Robert Langer

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