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Das Interesse für die Infoveranstaltung im Bürgerhaus Berganger war groß.

Angst vor dem Loch vor der Haustür

Kiesabbbau: Berganger steht kopf

Berganger - Die geplante Kiesgrube in der Gemeinde Baiern schlägt hohe Wellen. Der Gemeinderat wird sich in einer Sondersitzung mit dem Thema befassen.

Ein Bodenschatz im schönen Bairer Winkl sorgt seit Monaten für große Aufregung. Am Dienstag lud deshalb Bürgermeister Josef Zistl den Gemeinderat und die Bürger ins Gemeindehaus von Berganger zur Informationsveranstaltung ein.

Geladen war das „Kieswerk Hafner-Beton“ aus Bruckmühl, das am Ortsrand von Berganger auf rund fünf Hektar Ackerfläche Kies abbauen möchte. Es erschien Magister Heimo Berger, Geschäftsführer des österreichischen Mutterkonzerns „Zementwerk LEUBE GmbH“, der vor einigen Jahren Hafner-Beton übernommen hatte. Zur „Verstärkung“ brachte er den Geschäftsführer Bernhard Kling vom Bayerischen Industrieverband Steine und Erden e.V. mit, sowie den Landschaftsarchitekten Bernhard Loose aus Rohrdorf.

Der Architekt präsentierte den von ihm entworfenen Abbauplan, aus dem hervorgeht, wo genau das fragliche Areal liegt, in welcher Richtung der Abbau vor sich gehen soll und wie die Renaturierung Schritt für Schritt mit dem Kiesabbau erfolgen soll. Die Abbaudauer ist auf ca. zehn Jahre angelegt und es sollen ca. 120 000 Tonnen Kies jährlich von Berganger nach Bruckmühl ins Kieswerk gebracht werden. Dementsprechend sollen täglich 20 LKW-Ladungen abgefahren werden. Die Lagerstätte des „Bodenschatzes“ wurde durch Kernbohrungen erkundet, es wurden dabei weder Grundwasser noch Gerinne oder Quellen ausgemacht. Der Trockenabbau erfolgt also mittels Bagger oder Radlader.

Nach gut zehn Jahren soll die Fläche renaturiert werden

Betriebszeiten werden Montag bis Freitag von 6 bis 19 Uhr sein. Die Fläche wird nach der Renaturierung, also nach gut zehn Jahren wieder wie bisher landwirtschaftlich genutzt werden. Eine Verlängerung ist nicht geplant. Auch begleitende Maßnahmen wurden genau aufgeschlüsselt, damit alles nach geltendem Recht und Gesetz abgewickelt wird.

Zum Beispiel wird das Abbaufeld mit einem Wall umschüttet, sodass der Abbau von Nord nach Süd vorwiegend im Schutz einer Kulisse erfolgt, also nicht einsehbar sein wird. Soweit die technischen Daten und Fakten aus der Präsentation des Unternehmers. Dazu wurde zur Abrundung ein Videofilm gezeigt, der verdeutlichen sollte, wie Kies und Sand unser ganzes Leben beeinflusst und überall in unserem Umfeld daraus erzeugte Produkte uns umgeben, bis hin zur Zahnpasta.

Nach Eröffnung der Diskussions- und Fragerunde wurde sehr schnell deutlich, wie aufgebracht die Bairer Bürger, insbesondere die Bergangerer sind, dass ihnen hier quasi direkt vor der Haustüre eine Kiesgrube „geschenkt“ wird. Einige Redner unterstellten dem Gemeinderat und dem Bürgermeister, dass die Sache ja längst beschlossen sei. Zudem wiederholte der stellvertretende Bauamtsleiter der Verwaltungsgemeinschaft Glonn, Josef Weigl, dass aus seiner Sicht kein maßgeblicher Hinderungsgrund ersichtlich sei, und deshalb der Gemeinderat gar keine andere Wahl habe, als bei der außerordentlichen Gemeinderatssitzung am Dienstag, 6. September, im Gemeindehaus dem Vorhaben zuzustimmen.

Ein Bürger aus Pliening war extra angereist, weil dort seit Jahren ein Kieswerk bei Landsham die Bevölkerung in Atem halte, ein Kieswerk, das sich immer näher an die Wohnbebauung „heranarbeitet“. Auf seiner Fahrt aus dem Plieninger Flachland in den schönen hügeligen Bairer Winkl überlegte er bei sich eigener Darstellung nach, „wieviel Schamgefühl braucht ein Unternehmer, in so einer schönen Landschaft eine Kiesgrube aufzumachen?“ Damit sprach er einerseits vielen Bürgern aus der Seele, andererseits wies der Unternehmer diese Polemik beleidigt zurück. Einige Bürger unterstellten dem Gemeinderat und Bürgermeister Zistl andauernde Untätigkeit bzw. Versäumnisse in der Vergangenheit, was diesem wiederum die Zornesröte ins Gesicht trieb. Anwesende Gemeinderäte bemängelten auch die vor einiger Zeit durchgeführte Unterschriftensammlung, die als Affront gegen den Gemeinderat gesehen wird. Die Kluft tut sich also auf zwischen Gemeinderat mit Bürgermeister einerseits und aufgebrachten Bürgern andererseits. Auf die Frage eines Bürgers, welchen Vorteil die Gemeinde von der Kiesgrube hätte, musste Zistl klar und deutlich sagen: keine, vielleicht einen Arbeitsplatz eines LKW-Fahrers. Die Bürger fürchten dagegen Nachteile: Lärm, Staub, mehr Schwerlastverkehr, zerstörte Natur und verschandeltes Landschaftsbild.

Von Otto Hartl

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