Bis Ende 2018 sollen alle Haushalte angeschlossen sein

Schnelles Internet kommt nach Aßling, wird aber teurer

Aßling - Die gute Nachricht ist, dass sich wohl bis Ende 2018 alle Aßlinger Haushalte mit schnellem Internet versorgen können. Die schlechte Nachricht ist, dass dies die Gemeinde um 91 000 Euro teurer kommt als bislang angenommen.

Die 312 000 Euro sind der Betrag, den die Gemeinde alleine stemmen muss, um überall dort, wo die Deutsche Telekom nicht von sich aus ausbaut, das schnelle Glasfaserkabel in den Boden zu bekommen. Der Netzbetreiber hat sich nämlich überraschend entschlossen, doch noch einige der abgelegenen Dörfer und Weiler sowie Teile des Hauptorts selbst auszustatten – „nicht weil die Telekom ein Samariter ist, sondern weil es Geld bringt“, wie Ingenieur Josef Ledermann, dessen Freisinger Büro für Aßling die Planung macht, dem Gemeinderat berichtete.

Für die Glasfaser-Technik hatte sich das Ratsgremium ausgesprochen, als es vor fast zwei Jahren grundsätzlich um den anstehenden Breitbandausbau ging, bei dem der Freistaat über ein eigens dafür aufgelegtes Förderprogramm kräftig Geld beisteuert. Im Aßlinger Fall sind dies 880 000 Euro. Der zweite Grundsatzbeschluss zielte damals darauf ab, dass die Technik überall in der Gemeinde Einzug halten soll.

Wegen der Mehrkosten von 91 000 Euro in diesem Punkt jetzt einen Rückzieher zu machen, kam in der jüngsten Sitzung nicht in Frage. Man könnte nun hergehen und einen Teil des Gemeindegebietes aus Kostengründen aus der Ausschreibung herausnehmen, skizzierte Bürgermeister Hans Fent (parteilos) zwar eine mögliche Option. Doch die kam nicht einmal im Ansatz in Frage. „Ich traue mich nicht zu sagen, diesen oder jenen Ort rauszunehmen“, legte 2. Bürgermeister Ernst Sporer-Fischbacher (UNL) die Linie seiner Ratskollegen fest. Unabhängig davon handle es sich um eine Investition in die Zukunft; ganz gleich, wie viele Aßlinger die Technik zunächst nutzen werden. Zumal es ein kleines Trostpflaster gibt: 30 Prozent ihres Eigenanteils von nun 312 000 Euro bekommt die Gemeinde nämlich zudem gefördert – zu null Prozent bei einer Laufzeit von 30 Jahren.

Für jene, bis zu deren Grundstücksgrenze nun die Gemeinde baggern und das Glasfaserkabel verlegen lässt, ist laut Lederman die Kostenfrage geklärt. Buchen sie den Hausanschluss, werden dafür 599 Euro fällig. Hinzu kämen noch rund 200 Euro für den notwendigen Router. Wie hoch das schnelle Internet im Kernort und jenen Ortsteilen zu Buche schlagen wird, wo die Telekom den für sie wirtschaftlichen und gewinnbringenden Eigenausbau vorantreibt, lässt sich noch nicht sagen. „Wenn der Förderantrag bewilligt ist, läuft die Vermarktungsmaschine an, dann wird es Infoveranstaltungen und jede Menge Werbung geben“, weiß Ledermann aus Erfahrung. Eine Anschlusspflicht besteht laut Ledermann nicht. Wer kein Interesse hat, kann weiterhin über die bestehenden Kupferdrähte im Internet surfen. Die möglichen Kunden würden von der Telekom angeschrieben, sobald ihr Haus angeschlossen werden kann, sagte Ledermann.

Beim Netzausbau setzt die Telekom auf Vector-Technik. Mit ihr kann sie eine Bandbreite von bis zu 50 Megabit pro Sekunde zur Verfügung stellen. Der zweite Anbieter, Kabel Deutschland, liefert im Hauptort bereits Übertragungskapazitäten von bis zu 100 Megabit an. Wo die Gemeinde nun selbst „angreift“, stehen derzeit nur maximal 30 Megabit zur Verfügung.

Zu einer grotesken Situation kommt es in Loitersdorf: Das Oberdorf will die Telekom im Rahmen des Eigenausbaus noch mit der Vector-Technik versorgen, Internet kann hier dann mit mindestens 30 Megabit Bandbreite genutzt werden. Den Ausbau des Unterdorfs indes überlässt sie aber der Gemeinde, die Glasfaser will. Ob die Telekom die Glasfaser dann wohl tatsächlich nur in einem Teil des Ortes vergräbt oder freiwillig den kompletten Ort versorgt, steht in den Sternen. „Es ist gut möglich, dass die Telekom die Arbeiten hier gleich fortsetzt“, sagte Ledermann. Verpflichten könne man sie freilich aber nicht.

Eberhard Rienth

Rubriklistenbild: © dpa-avis

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