+
Museumsleiter Bernhard Schäfer mit den Artikeln zum Amoklauf in Grafing-Bahnhof.

Stadtmuseum widmet sich dem Schrecken

Ausstellung über Grafinger Unglücksfälle und Katastrophen

Grafing - Woran erinnern wir uns? In der Regel nicht an das Angenehme und Schöne, sondern an das Furchtbare, das Grausame und das Elend. Das Unglück, sei es das eigene oder das eines anderen, bleibt im Gedächtnis. Eine Ausstellung im Grafinger Stadtmuseum geht darauf ein.

Der Schrecken wird aufgeschrieben und weitererzählt. So war es immer, so ist es bis heute. Das klingt vielleicht makaber, gibt dem Grafinger Museumsleiter Bernhard Schäfer aber auch die Möglichkeit, sich einmal ausschließlich den Katastrophen und Unglücksfällen zu widmen, die sich im Laufe der Jahrhunderte in Grafing ereignet haben. Da kommt eine ganze Menge zusammen.

Dokumentationen zahlloser Todesfälle, materieller Totalverluste, Hochwasser, aber auch das eine oder andere Kuriose hat Schäfer aus dem riesigen Fundus des Museums zusammengestellt, um damit am heutigen Donnerstag, die Ausstellung „Oh Du mein Gott“ zu eröffnen.

„Es war reichlich Material vorhanden“, freut sich Schäfer, der dankbar für die rege Sammlertätigkeit seiner Vorgängerin Rotraut Acker ist. „Durch sie ist viel ins Museums gekommen.“ Aber auch in den Kirchen am Ort ist Schäfer fündig geworden. Erzählen doch die alten Votivtafeln von ganz fürchterlichen Katastrophen, die sich im Laufe der Zeit in Grafing ereignet haben – von denen trotz allem so mancher verschont blieb und sich deshalb beim lieben Gott bedankt hat.

Die – heute bekannte – Katastrophengeschichte Grafings beginnt im zehnten Jahrhundert mit den Überfällen der Ungarn. Funde von Pfeilspitzen und die umfangreichen Wallanlagen rund um Schloss Elkofen erzählen von hartnäckiger Belagerung und blutigen Kämpfen.

Ganz schlimme Zeiten erlebten die Grafinger im Jahr 1632, als der 30-jährige Krieg auch in unseren Gefilden tobte und Grafing schließlich in Schutt und Asche gelegt wurde – nur acht Häuser blieben stehen. Davon berichtet die Votivtafel aus der Schwedenkapelle, eines der wichtigsten Exponate dieser Ausstellung.

Ein Brand nach dem anderen hält die Bewohner in Atem. Aber: „Grafing hatte nicht mehr Katastrophen zu überstehen als andere Gemeinden“, ist Schäfer überzeugt.

In den „Hungerjahren“ 1816/17 musste die gesamte Bevölkerung leiden. Daran erinnern in der Ausstellung die Hungertaler und das Buch, in dem Ritter von Hazzi, damals Schlossherr auf Elkofen, die Nöte der Grafinger bis ins Detail beschrieben hat.

Schicksalsschläge wie der Verlust der Söhne im Krieg, Tod der lieben Verwandtschaft beim Einsturz der Wolfsschlucht (und den Missbrauch durch die Nazis für Propagandazwecke), furchtbarer Hagelschlag, der die Jahresernte zerstörte, Flugzeugabstürze, Bombenabwürfe über Grafing-Bahnhof oder der Dreifachmord in der Schlosserbreite anno 1993: So viele Unglücke haben die Stadt und ihre Einwohner erlebt, dass sie gar nicht aufgezählt werden können, auch nicht in so einer umfangreichen und sehenswerten, sachlich gestalteten Ausstellung, die zum Glück nicht auf die Tränendrüse drückt. Bernhard Schäfer erinnert auf diese Art selbstverständlich auch an die jüngste Katastrophe: den fruchtbaren Amoklauf von Grafing-Bahnhof im Mai dieses Jahres.

Ausstellungseröffnung ist am Donnerstag, um 19.30 Uhr. Museumsleiter Bernhard Schäfer wird dazu sprechen. Geöffnet ist bis zum 12. Februar sonntags 14 bis 16 Uhr und donnerstags 18 bis 20 Uhr sowie nach Anmeldung. Dazu gibt es bis Februar ein Rahmenprogramm mit Vorträgen und Infos zu einzelnen Themen der Ausstellung. Erster Termin ist Freitag, 25. November, 19.30 Uhr im Kastenwirt mit einem Archivstammtisch über Katastrophen.

Mehr zum Thema

Auch interessant

<center>Bayerische Crossover-Tapas</center>

Bayerische Crossover-Tapas

Bayerische Crossover-Tapas
<center>Die Knödel-Revolution</center>

Die Knödel-Revolution

Die Knödel-Revolution
<center>Bayerisch VEGGIE - Köstliches mal ohne Fleisch</center>

Bayerisch VEGGIE - Köstliches mal ohne Fleisch

Bayerisch VEGGIE - Köstliches mal ohne Fleisch
<center>Brot-Zeit! Backgeheimnisse der Müllermeisterin</center>

Brot-Zeit! Backgeheimnisse der Müllermeisterin

Brot-Zeit! Backgeheimnisse der Müllermeisterin

Meistgelesene Artikel

Bauchlandung für Wirtschaftsförderer

Grafing – Die Stadt Grafing braucht dringend einen Wirtschaftsförderer. Standortmarketing ist mehr denn je nicht mehr beliebig. Da waren sich alle Fraktionen im Stadtrat …
Bauchlandung für Wirtschaftsförderer

Kommentare