Ein Bach, der keiner war

Grafing - Ein richtiger, „gewachsener“ Bach war das nie. Eher schon ein künstlicher Bewässerungsgraben am nördlichen Ortseingang von Grafing. Seine glühenden Fans hatte er trotzdem. Und jede Menge Ärger gab es auch wegen ihm.

Die ganze Geschichte beginnt mit der Umwandlung des einstigen Gärtnereigeländes in Grafing in die sogenannte Heilmannsiedlung. In den Exposées zu den schmucken Häusern, die dort entstehen sollten, war von Grundstücken mit eigenem Bachlauf die Rede. Sowas hat man gerne und ist auch ein gutes ein Verkaufsargument. Dass es sich bei dem Gerinne um einen Teil des Seeoner Bachs handelt, wurde den Eigentümern sogar behördlich durch das Landratsamt Ebersberg bestätigt.

Das Unglück nahm seinen Lauf, als dieser Teil des Bachs in Rohre gezwängt wurde. Das war deswegen notwendig geworden, damit die Hauseigentümer die Zufahrten zu ihren Garagen nicht mit dem Geländewagen bewältigen mussten. Und weil so ein Rohr gewartet werden muss, damit es nicht verstopft, war ein gewisser Unterhaltsaufwand notwendig, was spätestens dann klar wurde, als die ersten Grundstücke unter Wasser standen. Es war wiederholt zu „Verklausungen“ gekommen.

Weil der Fehlbach aber ganz offiziell ein Nebenarm des Seeoner Baches war, musste für den Unterhalt nicht der jeweilige Eigentümer, sondern die Stadt Grafing sorgen. Und das verursachte Kosten für mehrere Feuerwehreinsätze. An diesem Punkt entzündete sich jetzt der Streit, der seine Ursache in einer unterschiedlichen Rechtsauffassung hatte.

Die Stadt beurteilte den Vorgang so: „Die Verrohrungen werden durch ihren Einbau nicht zum Bestandteil des Gewässers, sondern sind als Anlagen an Gewässern zu beurteilen, für deren Unterhaltung des Gewässers in diesem Bereich insoweit, als sie durch diese Anlagen bedingt sind, der jeweilige Eigentümer bzw. Anlagenbetreiber verantwortlich ist.“ Klingt ziemlich geschraubt, meint aber einfach: „Anlieger, du musst zahlen.“ Die Eigentümer waren selbstverständlich nicht erbaut, was auch in der jüngsten Bauausschusssitzung zur Sprache kam: „Die Einholung von Kostenbeiträgen führte bei den betroffenen Anliegern zu erheblichen Widerständen.“ Das äußerte sich in einem Fall sogar so, dass ein betroffener Anlieger die Behördenvertreter bei einer Ortseinsicht erst gar nicht auf sein Grundstück ließ.

Das Tischtuch war zerschnitten und einige Anlieger wähnten sich dabei derart im Recht, dass sie einer Vereinbarung über den Unterhalt schlicht ihre Zustimmung verweigerten.

In dieser Situation kam der Stadt der Gedanke, den Fehlbach abzusperren und den Streit damit trocken zu legen. Der Einlauf am Seeoner Bach wurde mit Sandsäcken verbaut.

Das Dorf der Unbeugsamen saß jetzt seinerseits auf dem Trockenen. - und zwar gründlich. So gründlich, dass im Laufe der Zeit ein Teil der Uferbepflanzung abzusterben drohte. Der Einlass musste zumindestens teilweise wieder geöffnet werden, die Situation war also wieder so, wie bisher auch.

Inzwischen gibt es eine Kostenschätzung, was die Ertüchtigung der Rohrdurchlässe betrifft, um Überschwemmungen zu vermeiden. Die war aber lückenhaft, weil ein Anlieger einer Bestandsaufnahme seine Zustimmung verweigerte. Um dem abzuhelfen, teilte die Kreisbehörde mit, das man sich jetzt doch eine Auflassung des „Fehlbaches“ vorstellen könne. Uferbepflanzung ade? Die Bestandsaufnahme konnte schließlich doch noch durchgeführt werden. Jetzt wird demnächst ein weiterer Erörterungstermin stattfinden. Die Geschichte ist an dieser Stelle also noch nicht ganz zu Ende. Der Leiter des Stadtbauamtes Grafing, Josef Niedermaier, versichert aber, dass man an einer „Einvernehmlichen Lösung“ interessiert sei.

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