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Unter dem Grafinger Marktplatz gibt es zwei offene, kanalisierte Bachläufe, die mit einem flachen Ziegelgewölbe abgedeckt sind. Die Stadt ist in Sorge um die Statik des 150 Jahre alten Bauwerks. 

Einsturzgefahr am Grafinger Marktplatz

Grafing - Als in den 1870er Jahren  in Grafing am Marktplatz zwei offene, kanalisierte Bachläufe mit einem flachen Ziegelgewölbe abgedeckt wurden, konnte niemand ahnen, dass da einmal 40-Tonner drüberfahren werden. Jetzt ist die Stadt in Sorge um die Statik dieses 150 Jahre alten Bauwerks.

Offenkundig wurde diese Sorge im Bauausschuss im Zusammenhang mit der Umgestaltung der Rotter Straße, die eine Linksbbiegespur bekommen soll, die in die Tiefgarage des neuen Baugebiets „Brauereigelände Wildbräu“ führen wird. Im Zuge dieser Maßnahme sollen auch 80 Meter des dortigen Bachkanals saniert werden. Kostenpunkt: 120 000 Euro. Notwendig sind diese Arbeiten in jedem Fall, denn die Augenscheinnahme durch einen Ingenieur hat ergeben, dass das Bauwerk in einem erschreckend schlechten Zustand ist. „Zum Teil ist das nicht einmal mehr mit der Kamera befahrbar“, informierte das Stadtbauamt. Mit der Sanierung soll eine Aufweitung verbunden werden. Am Marktplatz gibt es zwei solcher Kanäle. Einer zweigt von der Nepomukbrücke ab und verläuft im südlichen Zentrum. Ein Blick in den Abschnitt, der am Raiffeisengebäude entlang verläuft, verhieß vor Jahren schon nichts Gutes. Der andere Bachlauf entwässert die Melak und verläuft auf Höhe des Grandauerneubaus. Aus den Unterlagen des Stadtarchivs geht hervor, dass der Kanal überdeckt wurde, weil die Anlieger diese offene Lösung bereits vor eineinhalb Jahrhunderten für eine „suboptimale Lösung hielten“, wie Stadtarchivar Bernhard Schäfer berichtet.

Offensichtlich sind die Seitenwände des Kanals noch tragfähig, dem Gewölbe jedenfalls traut man das nicht mehr zu. Sogar das Wort Einsturzgefahr fiel in der Sitzung, wenngleich Niedermaier auf Nachfrage der Ebersberger Zeitung relativierte: „Nicht aktuell, aber auch nicht dauernd zu erhalten.“

Wenn die Ostumfahrung fertig ist, wird auf der Rotter Straße ein Verkehr von 7000 Fahrzeugen pro Tag erwartet. Und das wirft ein weiteres Problem auf: Derzeit befindet sich dort der am stärksten frequentierte Schulweg der Stadt Grafing. Um die Kinder vor dem Verkehr zu schützen, ist hier ein Zebrastreifen. Der ist aber bei dem dann prognostizierten Verkehr nicht mehr zulässig. So widersinnig können Verkehrsvorschriften sein.

Die Stadt will die Situation mit einer Querungshilfe in Form einer Mittelinsel entspannen. Günstig in dieser Situation ist, dass die Kosten dafür vom Straßenbauamt übernommen werden müssen. „Wir brauchen da unbedingt eine Ampel“, sagte Bürgermeisterin Angelika Obermayr (Grüne). Weil aber nach Inbetriebnahme der Ostumfahrung auch an der Einmündung zum Marktplatz eine Ampel installiert werden soll, besteht die Gefahr, dass dann der Verkehr nicht mehr flüssig ablaufen kann. Ein Dauerstau in der Rotter Straße wäre damit programmiert.

Die Kosten für die Sanierung des unterirdischen Bachlaufs bleiben in vollem Umfang bei der Stadt hängen, die auch für die Gestaltung eines neuen Platzes schräg gegenüber der Kirche 200 000 Euro in die Hand nehmen will. Das ist ihr Anteil nach Abzug der Städtebaufördermittel, die es deswegen gibt, weil das Areal zum Marktplatzumbau gehören wird. Die Stadt gibt für Besucher aus östlicher Richtung hier sozusagen ihre Visitenkarte ab. Es werden drei Bäume gepflanzt und ein künstlicher Bachlauf soll daran erinnern, dass hier tatsächlich einmal ein offenes Gewässer war.

„Wir brauchen dort ein optisches Element“, warb Obermayr bei den Bauausschussmitgliedern dafür, die den künstlichen Bach für reichlich überflüssig hielten. Da werde allerhand Müll drin landen, meinte Max Graf von Rechberg (CSU). Das Argument von SPD-Ratsmitglied Ernst Böhm, dass die Energiekosten für die notwendige Wasserpumpe seiner Erfahrung nach zu vernachlässigen seien, half, die Kritiker zu überzeugen. Wenn der Grafinger Marktplatz umgestaltet wird, soll dann der Hauptteil der kanalisierten Bachläufe totalsaniert werden – wenn sie denn überhaupt so lange halten.

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