Die prächtigen Gespanne zogen in Grafing bei der traditionellen Leonhardifahrt wieder alle Blicke auf sich. Die Besucher säumten zahlreich die Straßen, als Pferde und Reiter an der Umfahrt zu Ehren des Schutzheiligen der Gefangenen teilnahmen. Foto: Stefan Rossmann

Menschen und Pferde im Blickpunkt

Grafing - Die Grafinger Leonhardifahrt übt auf ihre Besucher auch nach Jahrhunderten noch eine große Faszination aus.

Am Sonntag kamen Tausende Bürger und Besucher in die Stadt, vor allem wohl, um dem prächtigen Umzug beizuwohnen. Stadtpfarrer Anicet Mutonkole-Muyombi nutzte die Gelegenheit aber, den Gläubigen mit einer deutlichen Predigt ins Gewissen zu reden.

Denn der Heilige Leonhard, dem an diesem Tag gedacht werde, habe als Schutzpatron der Gefangenen eine neue Aktualität erfahren. „Sicherheit vor Folter oder Ermordung war im 6. Jahrhundert nicht garantiert“, erinnerte der Stadtpfarrer an die Lebensumstände der Menschen zu Lebzeiten Leonhards. Und dass in Deutschland die Justiz „sehr sensibel“ mit den Menschenrechten umgehe, könne nicht darüber hinwegtäuschen, dass das in anderem Ländern eben nicht so sei, meinte der Geistliche sinngemäß. „Freiheit und Selbstbestimmung sind sehr wichtige Stichworte unserer Tage. An den Menschen, die zu uns flüchten, können wir sehen, wie gut es uns wirklich geht.“ Die Bevölkerung sei aufgerufen, „zu helfen, wo Hilfe nottut“. Und dabei erwähnte der Stadtpfarrer auch die Menschen, die aufgrund ihrer schwierigen Lebenssituation sich wöchentlich Lebensmittel von der Tafel holen müssten. In der Frage der Flüchtlinge jedoch dürfe nicht der Egoismus das letzte Wort haben.

Mutonkole-Muyombi forderte die Gläubigen auf, sich nicht in ihre Traditionen zurückzuziehen. In den Fürbitten wurde darum gebeten, „offen zu sein für die, die hier Heimat finden wollen.“

Zu Beginn der Festpredigt hatte der Geistliche unter anderem den Ehrengast der Umfahrt, die stellvertretende bayerische Ministerpräsidentin Ilse Aigner (CSU), und Grafings Bürgermeisterin Angelika Obermayr (Grüne) sowie alle Stadträte und Vereinsmitglieder begrüßt.

Nach dem Gottesdienst wurde die traditionelle, dreimalige Umfahrt der festlich geschmückten Prunkwagen durchgeführt, die wieder von zahlreichen Einzelreitern begleitet wurden, deren Anzahl in den vergangenen Jahren zugenommen hat. Vor allem viele junge Reiter und Reiterinnen waren darunter, sodass einem um den Fortbestand dieser Traditionsveranstaltung in Grafing, für die die ältesten schriftlichen Belege aus dem Jahr 1708 stammen, nicht bange sein muss.

Mittags gab es dann ein Standkonzert am Grafinger Marktplatz, das sich die Glonner Musi und die Grafinger Stadtkapelle teilten. Dort konnten die festlich geschmückten Wagen noch einmal genauer betrachtet werden. Außerdem trugen die „Ebersberger Goaßlschnalzer“ zum Programm bei. Den ereignisreichen Tag beschloss eine Andacht in der Dreifaltigkeitskirche. Die Grafinger Geschäfte nutzten den Besucherstrom von auswärts und hatten von 11 bis 16 Uhr geöffnet.

Bilder: So prächtig war die Grafinger Leonhardifahrt

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