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Vor dem Ebersberger Amtsgericht standen zwei Grafinger Landwirte. In ihrem Kuhstall mussten mehrere Tiere unter schlechter Pflege leiden.

Zwei Landwirte vor dem Amtsgericht Ebersberg verurteilt

Tierquälerei in Grafinger Kuhstall

Ebersberg/Grafing - Mehrere Kühe mussten in ihrem Stall heftige Schmerzen erleiden. Deshalb wurden zwei Grafinger Landwirte wegen Tierquälerei vor dem Amtsgericht Ebersberg verurteilt.

Es muss ein erbarmungswürdiger Anblick gewesen sein: eine hochgradig lahmende Kuh, alle vier Läufe heftig entzündet, die Gelenke voller Eiter, zwei Klauen bis auf die Knochen von Geschwüren zerfressen, eine Beinsehne gerissen.

Eiter, Geschwüre und Sehnenriss: Kuh litt heftige Schmerzen

Doch statt das Tier von wochenlangem Leiden zu erlösen, beschloss ein Grafinger Landwirtsduo, es im September 2015 beim Schlachthof zu Geld zu machen und verweigerte ihm eine Schmerzbehandlung. Der Schlachthof aber nahm eine Notschlachtung vor und informierte die Behörden. Deshalb, und weil auf dem Hof zusätzlich einiges im Argen war, mussten ein Altbauer (68) und sein Schwiegersohn (37) wegen Tierquälerei in Ebersberg auf die Anklagebank.

Mittlerweile geht es den Kühen auf dem Hof mit rund 70 Tieren deutlich besser, das betonte Birgitt Huber, Leiterin des Ebersberger Veterinäramts, die in dem Prozess als Sachverständige aussagte. Die Landwirte haben sich einen Futtermittelberater und einen Klauenpfleger zur Seite geholt und die Zwischenräume des Spaltenbodens im Stall verkleinert.

Bei einer Kontrolle müssen zwei Kühe notgeschlachtet werden

Bei einer Betriebskontrolle des Amts im Februar war das aber noch anders: Die Prüfer fanden gleich mehrere verwahrloste Kühe vor, zweien ging es besonders übel: Verkrümmte Beine, abgestorbene Stellen an den Klauen, Entzündungen und Geschwüre: Die beiden Tiere, eins davon trächtig, mussten direkt vor Ort eingeschläfert werden.

Unterm Strich bedeutet das: Verstoß gegen das Tierschutzgesetz in zwei Fällen. In Rechtsgesprächen zwischen Anklage, Gericht und Verteidigung wurde schnell klar, dass es auf eine Verurteilung für die beiden Bauern hinauslaufen würde. Über ihre Verteidiger legten sie daher ein Geständnis ab – „mit dem Ausdruck des Bedauerns“, wie es die Anwälte übereinstimmend formulierten. Ansonsten schlossen diese sich der Strafforderung der Staatsanwältin nahezu vollständig an.

Ohne Geständnis und Besserung hätte ein Tierhalteverbot gedroht

Weshalb Kapitulation eine gute Idee war, ließ Richterin Vera Hörauf in ihrer Urteilsbegründung durchblicken: „Wegen des Geständnisses und der Verbesserungen auf dem Hof kann man von einem Tierhalteverbot absehen. Sonst hätte man darüber nachdenken müssen.“ Das hätte für den ohnehin hoch verschuldeten Hof wohl das Aus bedeutet.

So gab es für den Altlandwirt, der beim Verladen der gequälten Kuh für den Transport zum Schlachthof geholfen hatte, eine Geldstrafe von 120 Tagessätzen, insgesamt 3600 Euro. Sein Schwiegersohn muss 1800 Euro (90 Tagessätze) zahlen. Dazu kommen die Gerichts- und Gutachterkosten.

Bei beiden berücksichtigte die Richterin die angespannte finanzielle Lage. Der Milchviehbetrieb leidet unter dem niedrigen Milchpreis. „Ich lebe von der Substanz, weil nichts übrig bleibt“, war eine der wenigen Äußerungen, die der Jungbauer von sich gab.

Auch der Transporteur bekommt eine Strafe

Zu einer Geldstrafe von 90 Tagessätzen, insgesamt 3600 Euro, verurteilte die Richterin übrigens auch den Fahrer, der das offensichtlich leidende Tier gut 50 Kilometer zum Schlachthof transportiert hatte. Der Waldkraiburger (23) wollte nicht bemerkt haben, dass das Tier heftige Schmerzen hatte.

Der Tierarzt und Klauenspezialist Stefan Nüske von der Ludwig-Maximilians-Universität München, der ebenfalls als Gutachter geladen war, widersprach energisch: „Das Leiden der Kuh war absolut extrem." Kühe seien zwar Fluchttiere, die Schmerzen stumm ertragen, dennoch müsse an Haltung und Bewegung eindeutig erkennbar gewesen sein, dass die Kuh bereits Wochen oder sogar Monate des Leidens hinter sich hatte und weder schlacht- noch transportfähig war.

Grafinger Tierarzt in der Kritik

Einen deutlichen Seitenhieb setzte es darum auch für einen Tierarzt aus Grafing, dessen Mitarbeiterin die Kuh knapp zwei Wochen vor dem schicksalhaften Transport mit Antibiotika behandelt hatte. „Keine Schmerzmittel, keine ausführliche Diagnostik“, bemängelte Nüske, der auch stellvertretender Betriebsleiter des LMU-Lehr- und Versuchsguts in Oberschleißheim ist. Was ihn am meisten verstörte: „Es wurde gar kein Schmerzbewusstsein für das Tier angenommen.“

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