Ein Toter, drei Verletzte

Blutbad in Grafing: Einmal mehr bleibt Entsetzen

München -Weder erhöhte Polizeipräsenz im öffentlichen Nahverkehr noch Sicherheitsschleusen oder Metalldetektoren könnten jene menschlichen Zeitbomben sicher herausfiltern, die einmal durch die Netze der Sicherheitsbehörden geschlüpft sind.

Wenn der Urheber des Blutbades am Grafinger Bahnhof ersten Meldungen zum Trotz doch keinen „islamistischen Hintergrund“ hat, dann ist das nicht unbedingt beruhigend und schon gar nicht tröstlich – schon der Opfer und ihrer Angehörigen wegen. Aus der Perspektive abendländischer Ratio ist im Übrigen der Unterschied zwischen einem amoklaufenden Geistesverwirrten und einem religiösen Fanatiker, der sinn- und wahllos Vertreter anderer Kulturen tötet, erschreckend klein. Insofern kann der Fall Grafing, seinem tragisch-kriminellen Hintergrund zum Trotz, durchaus auch als Hinweis auf die latente Gefahr durch terroristische Einzeltäter verstanden werden, die auch in Deutschland existiert.

Wie präsent dieses Thema in den Köpfen ist, zeigten die spontanen Reaktionen in den sozialen Netzwerken, die unisono von einem islamistischen Attentat ausgingen. Das ist wenig erstaunlich: Auch wenn sich der Verdacht eines religiösen Tathintergrunds nicht bestätigte, legt das Handlungsmuster von Grafing dennoch in brutaler Klarheit die Wehrlosigkeit unserer Gesellschaft gegenüber zum Äußersten entschlossenen Einzeltätern bloß, sobald diese die Schwelle zur Ausführung überschritten haben.

Weder erhöhte Polizeipräsenz im öffentlichen Nahverkehr noch Sicherheitsschleusen oder Metalldetektoren könnten jene menschlichen Zeitbomben noch sicher herausfiltern, die einmal durch die Netze der bayerischen Sicherheitsbehörden geschlüpft sind. Einmal mehr bleibt Entsetzen, ein Gefühl der Ohmacht – und die Hoffnung, dass die leise Beklommenheit, die einen jetzt im Gewühl des S-Bahn-Verkehrs überkommen mag, rasch verfliegt. 

Rubriklistenbild: © Haag Klaus

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