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"Die Täter-Lüge über den angeblichen Deutschen Paul H." - Mit dieser Überschrift titelte delgardo.tv am Dienstag.

Böse Gerüchte nach Bluttat von Grafing

Das steckt hinter der angeblichen Wahrheit über den Täter-Namen

Grafing - Paul H. ist der mutmaßliche Täter der tödlichen Messerattacke in Grafing. Schnell entstand im Netz das Gerücht: Die Presse verheimliche den wahren Namen des Täters. Der sei in Wirklichkeit nämlich Islamist.

Es waren zahlreiche Tweets, die am Dienstag und Mittwoch nach der tödlichen Messerattacke von Grafing Bahnhof die Twitter-Timeline füllten und von denen viele einen ähnlichen Inhalt hatten. Aus dem mutmaßlichen Täter sei von der Presse einfach "der Deutsche Paul H." gemacht worden, monierten einige User - dabei habe der Betreiber eines News-Blogs längst enthüllt, dass es sich bei dem Täter um Rafik Y., einen bereits vor Jahren zu einer Freiheitsstrafe verurteilten Islamisten handele. Wie so oft fiel das Wort Lügenpresse.

Messerattacke von Grafing: Wilde Gerüchte im Netz

"Vorsätzlich falsch bezeichnen (...) nahezu alle Zeitungsverlage den Täter als 'den 27-jährigen Deutschen Paul H.'", schrieb der Betreiber der Seite delgardo.tv in seinem Blog. Stattdessen bezieht sich der Verfasser auf seine - wie er betont - "sehr guten Kontakte in Polizeikreise" und gibt an, selbst folgende Informationen bekommen zu haben: Der Täter sei Hartz-IV-Empfänger, verfüge über einen deutschen Pass, habe allerdings einen muslimischen Migrationshintergrund und heiße nachweislich nicht Paul H., sondern angeblich Rafik Y..

Diese Sache hat nach kurzer Recherche nur einen entscheidenden Haken: Rafik Y., auf den sich der Schreiber offenbar bezieht, ist schon längst tot. 2015 erschossen bei einem Polizeieinsatz in Berlin, nachdem er eine Beamtin mit einem Messer attackiert hatte. Über diesen Vorfall hatten mehrere Medien berichtet, unter anderem die Süddeutsche Zeitung.

Blog: "Jetzt angeblich doch Paul H.?"

Das begriff der delgardo.tv-Schreiber wohl auch alsbald und ruderte kurze Zeit später zurück. In einem neuen Blog-Beitrag titelte er "Jetzt angeblich doch Paul H.?" und bezog sich auf einen Bekannten des mutmaßlichen Täters, der sich bei ihm gemeldet habe. Und der habe ihm versichert: Doch, der junge Mann heiße tatsächlich Paul H. Und der sei seit zwei Jahren arbeitslos, konsumiere Drogen und habe Wahnvorstellungen. Allerdings habe der Informant auch gesagt, Paul H. sei kein Deutscher und habe "nur einen deutschen Pass". Das allerdings ist ja schon ein Widerspruch in sich.

Tödliche Messerattacke in Grafing: Bilder vom Tatort

Unsere Redaktion hat mittlerweile mit der Familie des mutmaßlichen Täters gesprochen. Die Angehörigen tragen deutsche Namen wie Lukas, Andreas, Christine oder Susanne* und sprechen schönstes Hessisch. Auch wer sich durch das Facebook-Profil des Täters klickt, sieht einen jungen Mann, der auf Technopartys feiert, die Welt mit seinen Freunden entdeckt und Fotos aus glücklichen Kindertagen postet.

Messer-Attacke in Grafing: Opfer erliegt seinen Verletzungen

Auch der Oberstaatsanwalt Ken Heidenreich von der Staatsanwaltschaft München II erklärte noch am Dienstag auf Nachfrage unserer Online-Redaktion, dass es sich bei dem Täter um einen Deutschen handelt. Wegen der ausufernden Gerüchte im Netz sah sich außerdem das LKA am Mittwoch genötigt, klarzustellen, dass der Täter keinen Migrationshintergrund hat.  

Bei dem Vorfall am S-Bahnhof in Grafing Bahnhof hatte der mutmaßliche Täter Paul H. Dienstagfrüh wahllos auf Menschen eingestochen. Ein 56 Jahre alter Mann aus Wasserburg wurde dabei so schwer verletzt, dass er kurze Zeit später im Krankenhaus verstarb. Drei weitere Menschen wurden verletzt, davon einer lebensgefährlich. Am Mittwoch soll Paul H. dem Haftrichter vorgeführt werden. Alle aktuellen Entwicklungen zu der Messerattacke in Grafing Bahnhof erfahren Sie in unserem News-Ticker.

*Zum Schutz der Privatsphäre haben wir die Namen geändert.

Merja Schubert

Merja Schubert

E-Mail:merja.schubert@merkur.de

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