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Andreas Baumgartner (re.) mit der Ärztin Heidi Bauer und dem Techniker Florian Schweiger am Montag kurz vor dem Abflug nach Haiti am Münchner Flughafen.

Nach dem Hurrikan: Ein Grafinger auf dem Weg nach Haiti

Abflug in die Hölle

Grafing - Wie schlimm ist die Situation nach dem verheerenden Hurrikan Matthew in Haiti für die betroffenen Menschen? In ein paar Stunden wird es Andreas Baumgartner (51) aus Grafing wissen. Er flog am Montagmittag mit zwei weiteren Mitgliedern der Hilfsorganisation Navis ins Katastrophengebiet.

„Wohin wir genau müssen, kann ich mir erst im Flieger anschauen“, berichtet der erfahrene Helfer von der Eile, die angesichts der Verhältnisse nach dem verheerenden Sturm auf dem Inselstaat geboten ist. Das Trio weiß um die Choleragefahr, die jetzt droht. „Erwartet werden wir dort nicht. Das wird spannend“, sagt der 51-Jährige.

Baumgartner ist bei der Berufsfeuerwehr am Flughafen in München tätig und bis zum 24. Oktober Chef eines Vorausteams, das die Lage vor Ort erkunden und einen geeigneten Standort für die Errichtung ein örtlichen Hilfezentrums und Feldlazaretts auskundschaften soll.

Alles ist bereits durchorganisiert. Am Mittwoch oder Donnerstag wird dann das erste Helferteam von Navis nachkommen. Die Frage lautet: Was brauchen die Opfer jetzt am dringendsten? Mitte der Woche schon werden Hilfsgüter mobilisiert und ausgeflogen. „Überwiegend zur Trinkwasseraufbereitung und leichte Medikamente. Haushaltspraxis“, berichtet Baumgartner am Check in des Münchner Flughafens.

Der Grafinger wird begleitet von der Ärztin Heidi Bauer aus Landshut und von Techniker Florian Schweiger aus Ergolding im Landkreis Mühldorf. Baumgartner ist einer der erfahrenste Helfer bei Navis und kennt die Verhältnisse in Haiti noch von seinem Einsatz im Jahr 2010 nach dem schlimmsten Erdbeben des 21. Jahrhunderts, das sich dort ereignete. Mehrere 100 000 Menschen fanden damals den Tod, 1,2 Millionen wurden obdachlos.

Was die Situation aktuell so schlimm macht, ist die Tatsache, dass in dem Erdbebengebiet seither viele Menschen immer noch kein vernünftiges Dach über dem Kopf haben. „Sie leben in den Notunterkünften, die damals errichtet wurden“, weiß Baumgartner schon vor dem Flug. Die sanitären Verhältnisse waren auch vor dem Wirbelsturm schon bedenklich. Der Wiederaufbau in dem armen Staat verlief schleppend.

Sechs solcher humanitären Einsätze hat der Grafinger Helfer schon hinter sich gebracht. Jeder ist anders und oft gebe es auch Stress mit den Behörden, wie zum Beispiel bei einer Hilfsaktion in Pakistan. In Haiti müssen am Flughafen in der Hauptstadt erst die Einreisemodalitäten für die überraschend eintreffende Helfermannschaft geklärt werden.

Das kleine Team um Andreas „Joe“ Baumgartner und die Mitglieder der nachfolgenden Helfercrews von Navis tun ihre Arbeit ehrenamtlich. Sie sind überzeugt von ihrem Engagement und müssen für ihren Einsatz oftmals sogar Urlaub nehmen. „Manche werden vom Arbeitgeber freigestellt, aber das ist gar nicht mein Anspruch“, sagt der Grafinger, der über Philadelphia und Fort Lauderdale nach Haiti fliegt.

Inzwischen arbeitet Navis mit der Organisation Apotheker ohne Grenzen zusammen. „Um die Medikamentenversorgung müssen wir uns diesmal deshalb nicht kümmern“, ist Baumgartner eine Sorge los. Der Einsatzort seines Teams wird wohl 80 Kilometer von Leogane entfernt sein. Eine Gegend südwestlich der Hauptstadt Port-au-Prince, die der Grafinger noch von seinem letzten Einsatz vor Jahren her gut kennt und in den Navis auch noch Kontakte pflegte. Die Organisation erreichte telefonisch ein Hilferuf eines dortigen Schulleiters. Inzwischen gibt es auch ein internationales Hilfeersuchen der Regierung Haitis. Das Land wird derzeit von einem Übergangspräsidenten regiert und hat wegen des Sturmes die Präsidentschaftswahlen verschoben.

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