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Der Regierungspräsident von Oberbayern, Christoph Hillenbrand, beim Trauergottesdienst für das Todesopfer der Messerattacke in Grafing Bahnhof. 

Andacht in St. Ägidius

Trauerfeier in Grafing: Entsetzen, Trauer, Wut und Angst

Grafing – Mehr als 150 Menschen haben bei einer Trauerfeier in Grafing der Opfer der Messerattacke gedacht. Regierungspräsident Christoph Hillenbrand las aus dem Kondolenzbuch vor, in das seine Mitarbeiter für den getöteten 56-jährigen Kollegen geschrieben hatten. 

Update vom 19. Juli 2016: Schon wieder hat sich ein Amoklauf ereignet: Ein 17-jähriger Afghane hat in einem Regionalzug bei Würzburg Fahrgäste mit Axt und Messer angegriffen. In unserem Ticker zum Amoklauf in Würzburg bleiben Sie weiter auf dem Laufenden.

Die noch unter Schock stehenden Grafinger haben sich gestern zu einer ökumenischen Andacht in der Kirche St. Ägidius getroffen und versucht, die furchtbaren Ereignisse des Vortags zu verarbeiten. Bei einem Amoklauf am Bahnhof hatte ein 27-Jähriger mit einem Survival-Messer wahllos auf vier Männer eingestochen. Ein 56-Jähriger aus Wasserburg wurde getötet und drei weitere Opfer schwer verletzt (wir berichteten).

Sichtlich um Fassung ringen musste bei seiner Traueransprache Regierungspräsident Christoph Hillenbrand, der davon berichtete, wie beliebt der bei dem Messerangriff getötete Mitarbeiter seines Hauses gewesen sei. „Es gibt Momente, da wird einem klar, wie wertvoll nette Menschen sind“, sagte Hillenbrand. Er wünschte den drei verletzten Opfern des Amoklaufes eine „schnelle und umfangreiche Genesung an Leib und Seele“.

Hillenbrand hatte in der Stadtkirche ein Blumenbukett niedergelegt. Vor dem Altar stand ein Kranz aus weißen Rosen und Frühlingsblumen, der vom Landkreis Ebersberg stammt.

"Die Tat wird in das kollektive Gedächtnis von uns Grafingern einsickern"

Landrat Robert Niedergesäß gab seiner Wut und seinem Entsetzen Ausdruck – und auch seiner Angst angesichts der sinnlosen Gewalttat, die jeden hätte treffen können. Für den getöteten Mann sei der Abschied von zu Hause an diesem Tag ein Abschied für immer geworden. „Aber auch diejenigen, die Glück gehabt haben, werden lange mit diesem Ereignis leben müssen“, sagte Niedergesäß.

„Die Tat wird in das kollektive Gedächtnis von uns Grafingern einsickern“, sagte die Bürgermeisterin Angelika Obermayr. Sie las ein Gedicht einer Freundin vor, das diese in großer Trauer geschrieben hatte. Obermayr bedankte sich in ihrer kurzen Ansprache bei den Rettungskräften, die an diesem furchtbaren Tag wertvolle Arbeit und Hilfe geleistet hatten.

„Wir müssen uns eingestehen, dass wir nicht alles erklären können“, sagte der evangelische Pfarrer Axel Kajnath. Es gebe nicht für alles eine einfache Antwort, nicht jedes Lebensrätsel lasse sich lösen. „Das hat uns alle wie ein schwerer Schlag getroffen und uns verunsichert“, sagte der katholische Geistliche Anicet Mutonkole-Muyombi.

Kondolenzbuch für Getöteten liegt aus

Die Kirchenbesucher schlossen den Täter in ihre Fürbitten mit ein. Der Herr möge „ihm die Einsicht geben, Hilfe anzunehmen“. Der Pfarrer ließ für den Getöteten und die drei Verletzten je eine Kerze anzünden und bat die Gemeinschaft, „Solidarität mit den Opfern und Angehörigen zu zeigen“.

Zu Beginn der Andacht hatte er die zahlreichen Fotografen und versammelten Fernsehteams aufgefordert, die Gläubigen „in Ruhe zu lassen“. Die Medienvertreter kamen dieser Aufforderung schnell nach. Im Foyer der Regierung von Oberbayern hatte Hillenbrand ein Kondolenzbuch auslegen lassen, in das sich die Kollegen des Getöteten eintragen konnten. Aus diesen Eintragungen las er im Gottesdienst vor – und es war ihm deutlich anzumerken, wie sehr er dabei gegen die Tränen ankämpfen musste. An der Andacht nahm auch der Wasserburger Bürgermeister Michael Kölbl teil, aus dessen Heimatstadt der Getötete kam.

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