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Florian Urban (re.) und Ferdinand Maurer als Knechte in dem Stück „Der Watzmann ruft“.

Watzmann-Premiere in der Grafinger Stadthalle

Aufi muas i!

Grafing - Das Grenztheater Ludwigs Erben  präsentiert "Der Watzmann ruft", das Kultmusical von Wolfgang Ambros. Zusammen mit der Live-Band W.A.T. dreht sich wieder einmal alles um den unheimlichen Berg und die Frage: „Auffi oder nit auffi?“ Wir waren bei der Premiere dabei.

„Auffi oder nit auffi? Auffi oder nit auffi? Auffi ….?“ Aber nicht an den Blütenblättern einer Blume wird ausgezählt, nein, mit den Steinderln aus einem Blumentopf. Und schließlich erhebt der junge Mann die Orchideenpflanze schicksalsschwer vor seinem Haupt und stellt die alles entscheidende Frage: „Auffi oder nit auffi? Des is hier die Frage!“.

Die Frage aller Fragen ist hier: Soll er den Watzmann besteigen, der sich bedrohlich im Hintergrund aufbaut? Im Rustical „Der Watzmann ruft“, aufgeführt vom Grenz-theater Ludwigs Erben in der Grafinger Stadthalle unter der Regie von Sebastian Schlagenhaufer und Stefanie Scherer, schlüpft Ferdinand Maurer in die Rolle des „Buam“, der entgegen des Rats seines Vaters, gespielt von Gerhard Geiselhöringer, unbedingt den großen Berg bezwingen will. Die Handlung des Kultstücks, eine Parodie auf Bergbauerndramen, ist hinreichend bekannt, und so sind es die kleinen Variationen, die Verortung in der Grafinger Szene, oder bestimmte Details in der Bühnenausstattung, die hier in der Bärenstadt für Lacher sorgen.

Schlagenhaufers Truppe spielt das Stück mit großer Intensität und mit noch mehr Spaß an der Gaudi. Ferdinand Maurer in der Doppelrolle Bua/Knecht hüpft herum wie ein Springinkerl, verliert sich in der Oberweite der Gailtalerin oder versucht, dem zweiten Knecht das Tanzen beizubringen, bis den Zuschauern vor Lachen die Tränen in die Augen steigen. Den ersten Knecht spielt Florian Urban mit so einer genüsslichen Behäbigkeit, die kein Profischauspieler steigern könnte. Er stopft sich die Pfeife, mit allem, was brennt und beißt in seine makrobiotische, gluten- und garantiert laktosefreie Bio-Blutwurst.

Und Fritz Katterloher als Gailtalerin zupft sich so sinnlich an den blonden Zöpfen, dass selbst die Burlesque-Ikone Dita von Teese neidisch werden würde. Die lokale Anspielung, dass sie jedes Mannsbild kennen würde, und zwar jeden „hier im Saal“, wobei er/sie mit dem Finger in die gesamte Grafinger Stadthalle zeigt, bringt ihr viele Lacher und Applaus ein.

Unmittelbar vor der Bühne ist eine kleine Heimatidylle aufgebaut, eine Art Proszenium mit Bergbauerncharakter: Auf Kunstrasen, den ein Minigartenzaun begrenzt, stehen Campingstühle, ein Liegestuhl und ein Klapptisch. Dort ist quasi der „Orchestergraben“, dort spielt die Musik: Sebastian Schlagenhaufer selbst an der Gitarre, Sebastian Gassmann am Akkordeon und an der E-Gitarre, Christoph Schnelle am Bass, Christian Kappl am Keyboard, Matthias Gruber am Schlagzeug und Marlene Reiter singt.

Die Warnschilder auf den Lautsprechern runden das idyllische Bild ab: Links ein gelbes mit der Aufschrift „Privatgrundstück – Betreten verboten!“ und rechts ein rotes „Warnung vor dem Hunde“. Hollerähdulliöh.

Evi Thiermann

Info: Weitere Vorstellungen am Freitag 14. Oktober,  20 Uhr, und Samstag, 15. Oktober, 20 Uhr. Karten online unter https://ludwigserben.wordpress.com/ oder bei der Buchhandlung Braeuer in Grafing.

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