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Wasser ist in die Kirche Mariä Heimsuchung eingedrungen. Die Sanierung steht aber unmittelbar bevor.

Kirchensanierung

Feuchtes Kleinod

Hohenlinden - Die katholische Gemeinde wartet sehnlichst darauf, dass es losgehen kann mit der Sanierung des über 500-jährigen Gotteshauses. 

Dorothea Pawlik scheint es schon zu ahnen. Vorsichtig schließt sie die seitliche Haupttür der „kleinen Kirche“ in Hohenlinden direkt an der Hauptstraße auf. Im Ort wird sie auch „Alte Kirche genannt“, weil sie immerhin auf eine 527 Jahre lange Geschichte blicken kann. Noch richtiger ist die Bezeichnung „Mariä Heimsuchung“. Ihr erster Blick ins Innere des Gotteshauses bestätigt bereits ihre Befürchtung.

 Das Sturzregenereignis, das an diesem Tag schon weite Teile der östlichen Ortsteile unter Wasser gesetzt hatte, hat auch Folgen auf das kleine Kirchenhaus gehabt. Über mehrere Quadratmeter hat sich eine Pfütze auf dem roten Fliesenboden verteilt. Das Wasser, da ist sich die Mesnerin sicher, ist durch die Eingangstüre eingedrungen. Es sei in dieser Form nicht das erste Mal gewesen, dass besondere Wetterlagen der Kirche zugesetzt hätten, sagt sie. Seit 17 Jahren kümmert sie sich um die Kirchen im Ort. Und hält umgehend Ausschau nach einem Eimer und einem Feudel, um dem Problem ein weiteres Mal Herr zu werden.

 Wenig später ist auch Kirchenpfleger Josef Gallenberger zur Stelle. Und auch er ist nicht sonderlich überrascht ob des Wassereinbruchs. 25 Minuten hatte der Wolkenbruch dieses Tages gedauert. Diesmal kam er von der falschen Seite, ist die nüchterne Bilanz der beiden. Die Tür gehöre dringend verändert, so Gallenbergers erste Analyse. Das Dach und die Fenster seien schließlich dicht und nicht das Problem.

Im Krieg war die Kirche ein Pferdestall

 Der Kirchenpfleger aus Preisendorf hat gute Gründe, optimistisch zu sein, dass es mit einer Instandsetzung des ehrwürdigen Gotteshauses in absehbarer Zeit sogar mal klappen könnte. Erst vor ein paar Tagen entnahm er Unterlagen der politischen Gemeinde am Rande der Bürgerversammlung, dass dort 90 000 Euro im Vermögenshaushalt eingestellt worden seien als Zuschuss für Renovierungen der kleinen Kirche. Maßnahmen am Dach, am Gewölbe und an der Außenfassade seien längst beschlossene Sache. Derartiges Wohlwollen hat der seit vielen Jahrzehnten schon ökumenisch genutzte Sakralbau nicht immer erlebt. Obwohl so etwas wie ein Kleinod, hat es schwere Zeiten durchgemacht. Zur Schlacht im Jahr 1800 war es Pferdestall für Österreicher und Franzosen. Ein noch erhaltener Posthalterstuhl auf der Empore gibt Zeugnis davon, dass es wohl die Dienstboten von der Post gegenüber gewesen waren, von denen man verlangte, in ihren Dienstpausen Gottesdienste zu besuchen. Er trägt die Aufschrift: Denen Postknechten gewidmet.

 Mariä Heimsuchung, so sagt Gallenberger, sei nie eigenständige Pfarrkirche gewesen, sondern immer Filiale. Die Hauptkirche war lange in Mittbach bzw. Kronacker, 1903 entstand St. Josef als neue Pfarrkirche. Der Hauptaltar aus der alten Kirche wurde damals einfach abmontiert und als linker Seitenaltar in St. Josef aufgestellt. Ein Umstand, von dem nicht alle im Ort wissen, ist sich Gallenberger sicher. Daraus allerdings abzulesen, die Bürger hätten ihre alte Kirche nur geringschätzig betrachtet, sei aber falsch. Anfang des 20. Jahrhunderts, kurz nach Eröffnung von St. Josef, habe es kurzfristig zwar Überlegungen gegeben, das kleine Kircherl an der Hauptstraße abzureißen. Dagegen aber verwahrte sich die Dorfbevölkerung – mit Hilfe des damaligen Pfarrers und mit Erfolg. Fortan wurde das Haus, das auch Phasen einer echten Vernachlässigung erlebte hatte, durchgängig in einem vernünftigen Zustand gehalten.

Die vorbeifahrenden Lastwagen haben der Kirche zugesetzt

 In diesen Zeiten wäre es mal wieder so weit, dieser historischen Verpflichtung Rechnung zu tragen. Die Außenfassade blättert ab und verwittert zusehends. Schäden sind sichtbar am Dachstuhl und am Gewölbe. Folgen mit großer Wahrscheinlichkeit auch davon, dass bis 2000 unzählige schwere Lastkraftwagen quasi direkt an dem Haus vorbeidonnerten und für nicht unerhebliche Erschütterungen am Mauerwerk sorgten. „Diese Beschädigungen“, sagt Sepp Gallenberger, „müssen erst erhoben werden, ehe man sich daran machen kann, den Außenanstrich zu erneuern“. Für das, was da gemacht werden sollte, gibt es bislang nur eine Grobschätzung, noch keine präzise Kostenermittlung. Fachleute gehen von etwa 400 000 Euro aus. Viel Geld, aber Gallenberger fügt auch an: „Das Gotteshaus wurde geschaffen in armen Zeiten, wir haben eine Verpflichtung, es zu erhalten. Das ist unser Auftrag“. 

Eine Renovierung hat die katholische Pfarrei schon vor Jahren beim Erzbischöflichen Ordinariat beantragt. Die Kirchenverwaltung hat auch schon den Architekten Udo Rieger aus Isen mit der Bauleitung beauftragt, da die Baubetreuer des Ordinariats wegen Personalmangels in naher Zeit die Baumaßnahme nicht einplanen konnten. Erste Untersuchungen der Statik sind bereits auch schon erfolgt. Die offengelegten Schäden, so die gute Nachricht dabei, lautet: „Alles ist zu beheben“. Ebenfalls gut: Landesamt für Denkmalpflege und untere Denkmalschutzbehörde sowie das Landratsamt Ebersberg sind auch schon eingebunden. Nun fehlt nur noch das grüne Licht von einem extern bestellten Projektsteuerer, der seit Anfang April im Auftrag des Baureferats agiert. Gallenberger und Mitstreiter warten sehnlichst auf einen weiteren Ortstermin mit diesem Baubetreuer, der Kirchenverwaltung und dem Architekten. Und dann, so hofft man, könne es losgehen. Apropos Loslegen: Die Mesnerin hat natürlich umgehend nicht nur in der Kirche das eingedrungene Wasser beseitigt, sondern auch kleine Säuberungsmaßnahmen in St. Josef erledigt. Und das, obwohl sie daheim selber auch noch Wasser im Keller hatte.

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